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Verwaltung

Gemeinderat Ludwigsburg wählt Renate Schmetz zur Ersten Beigeordneten

Keine Fragen, aber Standing Ovations – Sie will sich der Herausforderung Klimawandel stellen und setzt auf Partizipation

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Foto: Holm Wolschendorf

Über 30 hatten sich für den Posten beworben, im Auswahlverfahren blieben zunächst acht Hochkaräter im Rennen, am Ende stellten sich vier nichtöffentlich in einem Ausschuss den Stadträten vor, am Ende sollten zwei sich zur Wahl stellen. Überraschung dann gestern Abend im Gemeinderat: Zur Wahl des Ersten Bürgermeisters, der auch Stellvertreter für den OB ist, trat nur eine Person an.

Der zweite Bewerber, der eingeladen war, hatte vorab seine Bewerbung zurückgezogen, wie Oberbürgermeister Matthias Knecht bekanntgab. Wer es war, wurde nicht mitgeteilt. Dafür gab es nach einer eher stillen Wahl, bei der die Fraktionen keine Fragen an die Kandidatin stellten, viel Applaus und am Ende sogar Standing Ovations für die Neue: Renate Schmetz, bisher Fachbereichsleiterin Bildung und Familie in Ludwigsburg, wurde mit großer Mehrheit in das Amt gewählt – bei nur drei Enthaltungen.

Mit Renate Schmetz fängt im Mai eine neue Ära an: Sie löst jemanden wie Konrad Seigfried ab, der 16 Jahre das Dezernat „sehr temperamentreich“ geleitet hat, wie die frisch gekürte Erste Bürgermeisterin bekannte. Obwohl selbst seit zwanzig Jahren in der Kommunalverwaltung tätig, habe sie Respekt vor dessen Leistung. „Ich durfte von einem Profi, wie er es war, lernen“, sagte sie. Seigfried war ihr Vorgesetzter, seit sie 2012 von Backnang in die Ludwigsburger Verwaltung gewechselt war.

In ihrer Rede ging sie auf die verschiedenen Arbeitsgebiete ein, betonte insbesondere die Herausforderung Klimaschutz, aber auch die Beteiligung der Bürger an diesem Prozess. Dies sei „ein persönliches Anliegen“ von ihr, sagte sie. Sie will die Bürger mitnehmen, schließt sich dem von OB Knecht geforderten Trialog an, als gelernte Sozialarbeiterin hat sie aber auch die Jugend und die Familien im Blick. Der Jugendgemeinderat und der neue Jugendtreff seien wichtige Bausteine, Familien müssten in Ludwigsburg gehalten werden. In den letzten zwei Jahren seien immer mehr Familien abgewandert, weil bezahlbarer Wohnraum fehle. „Wir müssen insbesondere Wohnungen für Familien anbieten.“

Wichtig ist ihr, jetzt auch an die Nach-Coronazeit zu denken und schon jetzt Strategien dafür zu entwickeln. Es gehe darum, Handel und Gastronomie, Kultur, Sport und Bildung wieder zu reaktivieren. „Das wird uns immens Kraft kosten.“

Schmetz setzt auf Zuhören und Verstehen, wie sie betont, will lösungsorientiert mit Bürgern, Verwaltung und Gemeinderat arbeiten und wo nötig Brücken bauen. Sie freue sich sehr auf ihre neue Aufgabe. Noch-Erster-Bürgermeister Seigfried hörte sich das alles entspannt an und bekennt, wie er vorab der Wahl sagte, dass er kein Mensch sei, der sich jetzt zur Ruhe setze: „Mein Terminkalender wird voll sein“. Er will sich weiterhin einbringen, etwa beim Förderverein Burkina Faso – „und wenn die Sonne scheint, hole ich mein Rad heraus und fahre los“.

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