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Naturvision Kongress

Gemeinsam gegen die Plastikflut

In ungewohntem Online-Format fand der zweite NaturVision Kongress #Plastikverhütung in der Musikhalle statt. Das Ziel: Vernetzung im Kampf gegen die Plastikflut, um gemeinsame Lösungen zu finden. Flächendeckendes Recycling, Mehrweg oder biobasierte Kunststoffe sind einige der Lösungsansätze.

Auf dem Podium der Musikhalle trifft sich ein Teil der Diskutanten, andere kommen per Video dazu. Zuschauen kann man online.Foto: NaturVision
Auf dem Podium der Musikhalle trifft sich ein Teil der Diskutanten, andere kommen per Video dazu. Zuschauen kann man online. Foto: NaturVision

Ludwigsburg. „Das Wichtigste ist, im Austausch zu bleiben – damit alle voneinander lernen können und dieses wichtige Thema immer wieder ins Rampenlicht geholt wird“, sagt NaturVision-Festivalleiter und Gastgeber Ralph Thoms. Am Freitag trafen sich zwölf Referenten sowie 171 Teilnehmer sowohl in der Musikhalle wie auch digital per Videoschaltung zum zweiten NaturVision Kongress #Plastikverhütung mit Voträgen und Workshops. Die Situation mache das Netzwerk unabdinglich, so Thoms: „Wir sehen uns in der Verantwortung, sowohl die Probleme als auch die Lösungen und Best-Practice-Beispiele sichtbar zu machen. Bei rund sechs Millionen Tonnen Plastikmüll jährlich müssen wir von einer drängenden Frage sprechen.“

Dem stimmten die Referenten zu: Nur im gegenseitigen Lernen könnten wirkliche Fortschritte im Bereich Recycling und Mehrweg erreicht werden. Die Vorträge und Workshops, moderiert von Dana Hoffmann, umfassten ein breites Spektrum aus Forschung, Industrie, Handel und Kommunen. So berichteten etwa Daiga-Patricia Kang vom dm Drogeriemarkt Deutschland und Uta Steffen-Holderbaum von Henkel über das Forum Rezyklat, das sich zur Aufgabe gemacht hat, Industrie und Handel an einen Tisch zu holen, um Recycling und Kreislaufwirtschaft flächendeckend einzuführen. So setzen einige (sonst konkurrierende) Marktführer auf Coopetition und teilen ihre Erkenntnisse.

Robert Klauer von Vaude bestätigte, dass das Problem nur gemeinsam angegangen werden kann. Nur ein Netzwerk aus Vertretern von Unternehmen, Kommunen, Zivilgesellschaft und Umweltschutz könne die vielen Fragen beantworten. Am konkreten Beispiel des Kunstrasens erläuterte Prof. Dr. Franz Brümmer, wie groß der Eintrag von Plastik und Mikroplastik aus dem Bereich Sport in die Umwelt ist und wie er reduziert werden könnte. Im Austausch mit Elvira Menzer-Haasis, Präsidentin Landessportverband Baden-Württemberg und Thomas Müller, Vorsitzender der TSG Rohrbach, wurde diskutiert, wie Sportvereine hier aktiv werden können, aber auch unterstützt werden müssten.

Die Rolle von biobasierten Kunststoffen im Thema Kreislaufwirtschaft beleuchtete Marc Zürn vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Die Suche nach Alternativen zu erdölbasiertem Plastikeinsatz führt unweigerlich zum Mehrweg: Jens-Peter Wedlich vom Unverpackt-Laden Schüttgut, Dr. Andreas Köhler vom Öko-Institut Freiburg, Katja Nguyen Thanh von „Ludwigsburg packt ein“ und Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sehen die Zukunft in der Vermeidung von Plastik und stellten Möglichkeiten vor.

Madlen und Max Maier stellten ihr Mehrwegsystem Eatainable vor, das in der Gastronomie eingesetzt wird. Im Workshop von Kongress-Mitveranstalter Renn Süd sprachen Raimund Gürtner, Stadtverwaltung Pfaffenhofen, Sylvia Schaab, Sprecherin vom Forum Plastikfreies Augsburg und Maria Kondra, Regionale Koordinatorin Renn Süd über die Möglichkeiten und Aktivitäten von Kommunen, die mit Vorbildcharakter wirken können.

Dass die Plastik-Problematik in der Politik ganz oben angesiedelt werden muss, davon ist Landesumweltminister Franz Untersteller überzeugt. Er stellte die Kunststoffstrategie des Landes vor. Oberbürgermeister Matthias Knecht sprach in seinem Grußwort der städtischen Verwaltung und der Stadtgesellschaft eine wichtige Rolle zu.

Einigkeit herrschte darüber, dass dieser wichtige Dialog fortgeführt werden müsse. Die positiven Rückmeldungen und das starke Interesse der Beteiligten, so das NaturVision-Team, werde kommendes Jahr in einem weiteren Kongress zum Thema Plastik münden. (red)

info: Die Vorträge und Workshopergebnisse sind auf der Website von NaturVision unter natur-vision.de (Veranstaltungen, Kongress Plastikverhütung) abrufbar. Im Begleitprogramm können bis 15. Oktober Filme und Interviews zum Thema gestreamt werden, ebenfalls unter natur-vision.de (Veranstaltungen, Kongress).