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Umwelt

Geringe Belastung im Kreis

Landesanstalt für Umwelt findet im Neckar bei Besigheim und Poppenweiler nur wenig Mikroplastik

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Das Messschiff Max Honsell suchte vor knapp drei Jahren nach Plastikteilchen auf dem Neckar. Archivfoto: Alfred Drossel

Kreis Ludwigsburg. Die Bilder sind schockierend. Ein Taucher schwimmt vor Bali durch die Fluten: Doch statt bunter Fische sieht er nur Plastikmüll. Den Weltmeeren droht der Kollaps. 2015 rechneten Forscher im Fachmagazin Science vor, dass jedes Jahr etwa acht Millionen Tonnen Plastikmüll nur in den Weltmeeren landen. Besonders bedenklich: In einigen Gebieten gibt es inzwischen mehr Mikroplastikteilchen als Plankton. Auch die Zahl der im Meer schwimmenden Fische könnte Experten zufolge 2050 von Kunststoffteilen überschritten werden.

Auch in den Fließgewässern kommen winzige Plastikteilchen vor. Zu diesem Ergebnis ist jetzt eine länderübergreifende Pilotstudie aus fünf Bundesländern gekommen. Dafür wurden von den jeweiligen Landesumweltämtern zwischen Herbst 2014 und Herbst 2015 an 52 Messstellen Wasserproben entnommen. Insgesamt seien 19 000 darin gefundene Partikel analysiert worden – mehr als 4300 waren kleine Plastikteilchen. Sie stammen von weggeworfenem Plastik oder aus Waschmitteln und Kosmetika.

Im Kreis Ludwigsburg wurden Wasserproben an den Wehren in Besigheim und in Poppenweiler/Neckarweihingen am 4. März 2015 entnommen. „Auch wenn wir noch keine endgültige Bewertung vornehmen können, so liegen die Ergebnisse an den beiden Stellen deutlich im unteren Bereich“, so Jochen Stark, einer der Autoren der Studie von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. Der Anteil sichtbaren Plastiks, also von Joghurtbechern oder Wasserflaschen habe praktisch keine Rolle gespielt. Hier lagen die Werte bei 0,04 in Poppenweiler und 0,11 in Besigheim. Die stärkste Verschmutzung wurde im Inn beim bayerischen Raubling mit 4,14 gemessen. Beim Mikroplastik sieht es ähnlich aus. Damit werden Kunststoffpartikel bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. An großen Mikroplastik wurden in Neckarweihingen 1,04 Partikel gefunden. In Besigheim 3,62. „Das sind relativ geringe Werte“, meint Jochen Stark. In anderen Fließgewässern sei man zu deutlich höheren Ergebnissen gelangt. Am schlimmsten sieht es an der Ruhr aus, wo Werte bis 48 Partikel gemessen wurden. Beim Mikroplastik mit einer Größe zwischen einem und 0,3 Millimeter stellten die Forscher ähnliche Resultate fest. In Besigheim waren es 4,62 Partikel, in Poppenweiler 3,99. Der Höchstwert war einmal mehr an der Ruhrmündung mit 117.

Auch beim ganz kleinen Plastikmüll (bis 0,02 Millimeter) liegen die Kreiskommunen am Neckar eher im unteren Bereich. In Poppenweiler wurden 2,95 gemessen, in Besigheim gar nichts. Insgesamt gehört der Neckar bei Neckarweihingen mit 8,03 und Besigheim mit 8,35 Partikeln zu den deutschlandweit am wenigsten belasteten Gewässern. Zum Vergleich: An der Mündung der Emscher wurden 214 Partikel entdeckt.

„Wir gehen von einer zivilisatorischen Grundlast von Mikroplastik in den Gewässern aus“, bilanziert Jochen Stark. Es sei ein Problem, das sich wohl eher noch verstärken werde.