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Bahnhofsrat

Gespräch mit dem Bahnhofsrat: „Den Worten Taten folgen lassen“

Künftig muss der Bahnhofsrat ohne Bahnhofsmanager agieren. Das stößt bei der ehrenamtlichen Gruppe auf Unverständnis. Wir haben mit den Mitgliedern Jutta Schuster-Krautschneider und Timo Voß über die Arbeit des Rates, die Beziehung zum Gemeinderat und mittelfristige Pläne gesprochen.

Der Bahnhofsrat möchte aktiv daran arbeiten, den Bahnhof barrierefrei, sicherer und sauberer zu machen. Archivfoto: Andreas Becker
Der Bahnhofsrat möchte aktiv daran arbeiten, den Bahnhof barrierefrei, sicherer und sauberer zu machen. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. 15 ehrenamtliche Bürger setzen sich seit November 2019 für die Belange rund um den Ludwigsburger Bahnhof ein. Ihre Arbeit wurde durch die Coronapandemie zunächst etwas ausgebremst, an Ideen, den Bahnhof sicherer, sauberer und vor allem barrierefrei zu machen, fehlt es den Ehrenamtlichen allerdings nicht. Die Entscheidung, dass die Stelle des Bahnhofsmanagers Axel Müller nicht verlängert und in Zukunft auch nicht mehr besetzt werden soll, hat dem Rat nach eigenen Aussagen einen weiteren Dämpfer verpasst. Im Gespräch erzählen Jutta Schuster-Krautschneider und Timo Voß auch, was sie sich nun von der Kommunalpolitik wünschen.

Warum ist der Bahnhofsrat für die Belange rund um den Bahnhof wichtig?

JUTTA SCHUSTER-KRAUTSCHNEIDER: Ich finde, dass unser Bahnhof in den letzten 20 Jahren sehr heruntergekommen ist. Die Bahnsteige sind weder behindertengerecht noch freundlich gestaltet, die Treppen sind zu eng. Der Bahnhof ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Wir als Bahnhofsrat gehen kritisch damit um, wir wollen konstruktive Verbesserungsvorschläge machen.

TIMO VOß: Ich bin seit weit über zehn Jahren Langstreckenpendler und habe daher Kontakt mit vielen Bahnhöfen. Es gibt gute, es gibt schlechte. Ludwigsburg gehört leider mit zu den schlechtesten Bahnhöfen, die ich kenne. Generell gibt es am Bahnhof drei sehr wichtige Themen, die für uns als Bahnhofsrat im Vordergrund stehen: die Barrierefreiheit, die Sicherheit und die Sauberkeit. Das sind die drei Schlagthemen, zu denen wir gerne konstruktive Vorschläge geben würden.

Warum ist in diesem Zusammenhang ein Bahnhofsbeauftragter so wichtig?

VOß: Es braucht jemanden, der in Vollzeit und mit vollem Einsatz alle Belange um den Bahnhof abdecken kann. Das gestaltet sich allein aus dem Grund schon schwer, weil es so viele Player gibt. Wir haben die Deutsche Bahn, die DB Netz AG, die Dibag, die LVL-Jäger, mehrere Geschäfte und das Taxiareal. Es muss einfach eine Person geben, die diese Bereiche täglich vor sich hat, versteht und Informationen an uns als Bahnhofsrat weiterleitet. Wir brauchen eine Schnittstelle zwischen uns, den Bürgern, den Playern und vor allem aber auch der Stadt.

Sie waren sehr verwundert über die Aussagen der Fraktionsvorsitzenden, die dem Bahnhofsrat in der LKZ einen hohen Stellenwert bescheinigt haben. Wieso?

VOß: Überraschend war es aus dem Grund, weil wir es nur über die Presse erfahren haben. Wir hatten den Gemeinderat und auch den Oberbürgermeister angeschrieben und es gab keine Rückmeldung. Es ist bisher zu keinem Treffen mit irgendeiner Fraktion gekommen. Auch nicht mit dem Oberbürgermeister. All diese Personen versichern ja nun relativ häufig, dass der Bahnhof ein wichtiges Thema ist. Wir haben davon bisher leider nichts gemerkt. Der Gemeinderat sagt, wir haben eine Stimme bei ihnen, dabei wissen sie gar nicht, was wir tun, weil es eben noch keinen Informationsaustausch gibt. Glücklicherweise gab es nach dem Presseartikel in der LKZ nun eine digitale Einladung zu einem Treffen mit der CDU-Fraktion. Auch die SPD hat sich gemeldet.

SCHUSTER-KRAUTSCHNEIDER: Ich bin enttäuscht, dass wir nur von zwei Parteien überhaupt eine Reaktion bekommen haben. Ich habe den Eindruck, dass wir eigentlich gar nicht erwünscht sind. Ich denke, der Gemeinderat meint, wir greifen da in eine Kompetenz von ihnen ein, da sich der Gemeinderat ja eigentlich um die Dinge kümmern müsste. Allerdings kann ein Gemeinderat sich auch nicht um alles kümmern, deswegen würden wir sie gerne unterstützen. Wir als Nutzer würden dem Gemeinderat gerne nützliche Informationen zur Verfügung stellen und wichtige Anregungen liefern.

Wie könnte eine gute Zusammenarbeit aussehen?

VOß: Die Basis für eine Zusammenarbeit muss zunächst einmal ein gegenseitiges Kennenlernen sein.

Was genau zeichnet den Bahnhofsrat aus? Warum ist Ihre Arbeit wichtig?

SCHUSTER-KRAUTSCHNEIDER: Weil wir uns den Bahnhof auch zu anderen Zeiten anschauen. Nicht nur, wenn wir gerade schnell von der S-Bahn zum Bus gehen. Wir gucken, was im Argen ist.

VOß: Was uns auszeichnet ist, dass wir eben selbst Nutzer sind. Das heißt, wir haben ein Bürgerinteresse, das wir vertreten wollen, weil es gleichzeitig natürlich auch unser eigenes Interesse ist. Wir haben weder politische noch finanzielle Interessen, die wir vertreten müssen. Wir können uns auf die Themen stürzen, die aus unserer Sicht eben im Vordergrund stehen sollten.

Welche konkreten Projekte wollen Sie in naher Zukunft in die Tat umsetzen?

SCHUSTER-KRAUTSCHNEIDER: Ein Wegeleitsystem ist beispielsweise wichtig. Was uns auch am Herzen liegt, ist, dass die Taxis nicht alle am Ausgang Musikhalle stehen, sondern dass ein Teil auch in Richtung Westausgang gehen würde. Das würde den Verkehr am Bahnhofsvorplatz entzerren. Was mir persönlich auch wichtig ist, ist, dass wir einen Zebrastreifen bekommen. Vom Bahnhof hinüber zur Musikhalle. Das wären Kleinigkeiten, die man mit wenig Mitteln jetzt schon in die Tat umsetzen könnte.

VOß: Eine schöne Möglichkeit wäre, die momentan aufgrund der Pandemie aber nicht möglich ist, dass man eine Art Rallye veranstaltet, in der geh- oder sehbehinderte Menschen den Bahnhof als solches abgehen und gewisse Aufgaben erledigen sollen. Das würde zeigen, wie unfassbar schwierig es für diese Menschen ist, sich am Bahnhof wirklich zurechtzufinden. So können wir einen ganz anderen Einblick erhalten.

Um diese Projekte umzusetzen, ist für Sie der Bahnhofsmanager wichtig?

VOß: Für uns ist wichtig, dass es eine Person gibt, die relativ unabhängig agieren kann. Wir haben sowohl vom Ex-Oberbürgermeister Werner Spec als auch vom aktuellen OB Matthias Knecht oft gehört, wie wichtig der Bahnhof ist. Deshalb denke ich, dass die Wichtigkeit dementsprechend durch eine finanzielle Vergütung einer solchen Position auch wertgeschätzt werden sollte. Für uns ist der Bahnhofsmanager als Mittelsmann tatsächlich extrem wichtig.

Wären Ihre Ideen ohne Bahnhofsmanager nicht umsetzbar?

VOß: Ich denke, dass es einerseits darauf hinauslaufen wird. Andererseits kommt es aber auch darauf an, wie der Oberbürgermeister beziehungsweise der Gemeinderat in Zukunft agieren werden. Wenn sie zu ihren Worten stehen und Taten folgen lassen, dann könnte es eventuell auch ohne Bahnhofsmanager funktionieren. Aber ich fürchte für uns mit deutlich mehr Schwierigkeiten.

SCHUSTER-KRAUTSCHNEIDER: Wir sind alles ehrenamtliche Mitarbeiter. Es geht uns nicht um uns, sondern um alle Mitbürger, die diesen Bahnhof nutzen oder nutzen wollen. Wir versuchen einfach, ein besseres Klima in unseren Bahnhof zu bekommen. Ein Bahnhofsbeauftragter ist für unsere Arbeit einfach wichtig!

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