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Stadtarchiv

Glänzendes Versprechen

Eine Ausstellung und ein Buch erzählen die Geschichte der Firma Koch & Schenk

Immer die Hausfrau im Blick: Werbeplakat für Büffel-Glanz aus der Dose.
Immer die Hausfrau im Blick: Werbeplakat für Büffel-Glanz aus der Dose.
Werbung für Tip-Top Skiwachs aus den 50er Jahren.Abbildungen: Stadtarchiv
Werbung für Tip-Top Skiwachs aus den 50er Jahren.Abbildungen: Stadtarchiv

Vier Jahre ist es her, da wandte sich Alex Schenk mit erstaunlichem Material an unsere Zeitung (LKZ vom 9./10. April 2016). Der Grafiker ist ein Enkel von Alfred Schenk, der 50 Jahre lang das Ludwigsburger Unternehmen Koch & Schenk leitete. Alex Schenk hat in den vergangenen Jahren den Nachlass der Firma, der vor allem aus spektakulären Werbeplakaten besteht, zusammengesammelt und dem Stadtarchiv übergeben.

Dort wurde die Sammlung jetzt aufbereitet und zu einer Ausstellung und einem reichlich bebilderten Buch verarbeitet. Coronabedingt musste die Eröffnung der Ausstellung im März abgesagt werden. Und auch die Finissage am 24. September findet wahrscheinlich nicht statt. Die Ausstellung im Foyer des Stadtarchivs kann man jetzt aber trotzdem zu den Öffnungszeiten besuchen.

Die mittlerweile fast in Vergessenheit geratene Chemische Fabrik Koch & Schenk ist ein wichtiger Teil der Ludwigsburger Industrie- und Wirtschaftsgeschichte. Von 1893 bis 1972 hat sie Wachs für Holzböden sowie Skier und Boote produziert.

Bodenwachs und Schuhfett

Die Geschichte dieses Unternehmens ist auch eine Geschichte des 20. Jahrhunderts und der deutschen Gesellschaft in dieser Zeit. Angefangen hat alles mit Bodenwachs und Schuhfett. Die überlieferte Werbung aus dem beginnenden 20. Jahrhundert zeigt Frauen, die den lieben langen Tag mit Putzen, Bohnern und Wachsen beschäftigt sind. Koch & Schenk hat mit seiner Büffel-Beize von Anfang an auch die weniger wohlhabenden Schichten angesprochen und setzte auf den Wandel der Gesellschaft, in dem es immer mehr Menschen ins Bürgertum schaffen wollten und dies auch konnten, wozu natürlich ein besserer Lebensstil mit mehr Hygiene und glänzenden Böden gehörte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich die Deutschen hin zu einer Konsum- und Freizeitgesellschaft wandelten, wurden sie wieder von Koch & Schenk begleitet: mit Tip-Top Skiwachs sowie Cito, einem Boots- und Zeltwachs.

Herausragende Persönlichkeit bei Koch & Schenk war vor allem der Sohn des Firmengründers Alfred Schenk, der das Unternehmen von 1922 bis zu seiner Abwicklung 1972 führte. Der promovierte Chemiker entwickelte die Produktpalette ständig weiter und interessierte sich dabei auch für moderne Werbung. Koch & Schenk bietet somit auch noch ein wichtiges Stück Design- und Werbegeschichte. Das zeigt sich vor allem in den vielfältigen Plakaten, die zum Teil in der Ausstellung zu sehen sind.

Eigene Werbeästehtik

Für den Begleitband, der die Geschichte des Unternehmens erzählt, konnte die Schweizer Grafik-Designerin und Autorin Agnès Laube gewonnen werden. Sie hat für das Buch mit den heute noch lebenden Nachkommen und ehemaligen Mitarbeitern des Unternehmens gesprochen.

Der Ursprung der Fabrik lag übrigens mitten in der Stadt: In und hinter dem Wohngebäude in der Wilhelmstraße 44, das heute noch steht. Bereits 1905 wurde das einprägsame Signet mit dem Büffel im Sechseck als Marke gesichert. In den 20er Jahren zog Koch & Schenk in die Grönerstraße in der Weststadt.

Die Büffel-Werbung wurde im Laufe der Jahrzehnte von professionellen Grafikern weiterentwickelt. Anfangs waren Plakate und Anzeigen textlastig. Später wurden die Bilder bunter und plakativer. Fotografien spielten dabei erstaunlicherweise bis zum Schluss fast keine Rolle. So schaffte es dieses Ludwigsburger Unternehmen, bis zum Schluss einer eigenen Werbeästhetik treu zu bleiben.

Info: Die Ausstellung „Als Werbung noch Reklame hieß“ ist noch bis zum 24. September zu den Öffnungszeiten im Foyer des Stadtarchivs in der Mathilderstraße 21 zu sehen. Das Buch zur Ausstellung (85 Seiten, zahlreiche Abbildungen) gibt es für zehn Euro im Stadtarchiv und in der Tourist-Info in der Eberhardstraße 1.

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