Logo

Landgericht

Goldraub von 2009: Rapper Xatar sagt als Zeuge aus

Im Prozess gegen den mutmaßlich siebten Täter des Überfalls von 2009 sagen einige der Beteiligten aus – Viele Fragen offen

Rapper Xatar (39) am Dienstag vor dem Landgericht. Foto: dpa
Rapper Xatar (39) am Dienstag vor dem Landgericht. Foto: dpa

Ludwigsburg. Wo ist das Beutegold aus dem Ludwigsburger Goldraub und wer hat diese Beute weggeschafft und verwertet? Und wird das Geheimnis um den roten VW-Bus gelüftet, der angeblich die Beute abtransportiert hat? Das sind am zweiten Verhandlungstag vor dem Stuttgarter Landgericht gegen den mutmaßlich siebten Täter die zentralen Fragen. Die schon verurteilten Täter, von denen mehrere am Dienstag vor dem Landgericht im Zeugenstand sitzen, unter ihnen auch der Rap-Sänger Xatar, wissen zum Verbleib des Goldes angeblich nichts.

Einer der damals Beteiligten muss im Zeugenstand zugeben, dass er mit dem jetzt angeklagten Mann befreundet ist, und dass dieser ihn sogar im Gefängnis besucht hat. Man habe sich immer wieder ganz harmlos in der Gegend von Köln und Bonn getroffen. Auf einem Foto, das Bestandteil der Akten ist und im Gerichtssaal auf einen Bildschirm projiziert wird, sieht man die Angeklagten mit Freunden im Innern jenes roten VW-Busses. Deutlich zu erkennen sind die Vorhänge. Ob es sich dabei um das Fahrzeug des Angeklagten handelt, ist nicht ersichtlich und wird von allen Zeugen auch nicht bestätigt. Schließlich sagt auch dieser Zeuge das, was der Angeklagte schon am letzten Verhandlungstag beteuerte: Im Raum Bonn hätten damals mehrere Freunde einen roten VW-Bus mit Vorhängen gehabt.

Verweis auf Gedächtnislücken

Rapper Xatar, inzwischen 39 Jahre alt und nach seiner Angabe im Zeugenstand als Musiker in Köln tätig, will am Dienstag erst gar nicht aussagen. Sein Anwalt, der ihn im Zeugenstand vertritt, stellt den Antrag auf Zeugnisverweigerungsrecht. Der Antrag wird aber abgelehnt. Dennoch gibt sich der bekannte Rapper, der fünf Jahre und vier Monate Haft seiner acht Jahre abgesessen hat, sehr wortkarg. Es sei zu lange her, und außerdem sei er überlastet durch seine derzeitige künstlerische Tätigkeit mit neuen Songs, mit Büchern und Präsentationen.

Die Richterin holt dennoch einige Einzelheiten von damals aus ihm heraus: Etwa, dass er die Idee hatte, den Überfall als verkleidete Polizeibeamte und mit einem umfunktionierten schwarzen BMW als Zivilfahrzeug samt Blaulicht auf dem Dach durchzuziehen. Dann berichtet er von einem „zweiten Tatfahrzeug“, dessen Typ er aber nicht sagen will. Ob es sich dabei um jenen roten VW-Bus des jetzt Angeklagten handelt, kann er nicht bestätigen. Sein vor ihm vernommener Kumpel, der zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, nennt als Fahrzeug einen Ford.

An eines kann sich Zeuge Xatar allerdings genau erinnern: Der Tipp zu dem Goldraub auf der A81 bei Ludwigsburg kam von einem Nürnberger Uhrenhändler, der allerdings wegen schwerer Krankheit nicht als Mittäter angeklagt war.

Ein weiterer, heute 35-jähriger Mittäter, der seine Strafe inzwischen ebenfalls abgesessen hat, weiß ebenfalls nicht mehr viel. Mehrfach muss er daran erinnert werden, zu sagen, an was er sich erinnert.

18 Telefonate nach der Tat

Den Angeklagten, dem die Stuttgarter Staatsanwaltschaft vorwirft, mit seinem roten VW-Bus bei dem Überfall dabei gewesen zu sein und auch den Abtransport der Beute mit gerade diesem Fahrzeug veranlasst zu haben, kenne er zwar als Freund. Man habe sich öfters getroffen. Ob er aber an jenem 15. Dezember vor elf Jahren bei dem Goldraub dabei war und welche Rolle er dabei spielte, wisse er aber nicht mehr. Der Staatsanwalt hält ihm vor, dass er am Tag nach der Tat 18 Mal mit ihm telefoniert habe. Auch daran erinnert der Zeuge sich nicht. Er kenne diese Leute nicht, die sich hinterher um das Gold aus dem Nürnberger Transporter kümmerten.

Damit bleiben vorerst viele Fragen zu dem Überfall am 15. Dezember 2009 offen. Ob die Beute, Altgold im Wert von 1,7 Millionen Euro, je gefunden wird, ist unwahrscheinlich.

Der Prozess wird am 12. März fortgesetzt.

Autor: