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Filmakademie

Gretels Trick gegen Einsamkeit

Mit dem Film „Der Greteltrick“ wollen Studenten der Filmakademie auf das Thema Vereinsamung im Alter aufmerksam machen. Die Produktion wird am Freitag, 17. Mai, im Scala gezeigt. Anschließend findet eine Podiumsdiskussion statt.

Eine Szene aus dem Film: Gretel Lotz, gespielt von Brigitte Janner, kämpft gegen die Vereinsamung. Foto: privat
Eine Szene aus dem Film: Gretel Lotz, gespielt von Brigitte Janner, kämpft gegen die Vereinsamung. Foto: privat

Die Rentnerin Gretel Lotz ist allein, nach dem Tod ihrer Freundin hat sie niemanden mehr. Bei deren Beerdigung lernt sie eine Familie kennen und heckt einen Plan aus. „Der Greteltrick“ ist eine Produktion von Studenten der Filmakademie, die auf augenzwinkernde Weise die Vereinsamung im Alter thematisiert.

Den Enkeltrick kennt man ja, er ist als üble Abzocke am Telefon bekannt. Tante Gretel ist da harmlos, sie will nur aus ihrer Isolation heraus und nistet sich vollbepackt mit fiktiven Geschichten in eine ahnungslose Familie ein. Die Einsamkeit ist weg und der kleine Sohn, der sich so gerne verkleidet, macht das Spiel mit, obwohl er etwas ahnt. Dessen Eltern sind gefangen im Hamsterrad des Lebens, doch Tante Gretel tut auch ihnen gut, bis eines Tages alles auffliegt. Die Regisseurin Milena Aboyan hat sich für diesen 35-minütigen Film an ein Thema gewagt, von dem viele gerne die Finger lassen. Zu schwer für eine leichte Inszenierung. Die Regisseurin beweist das Gegenteil. Sie verleiht dem Thema Tiefgang, kommt aber ganz ohne Betroffenheitskitsch aus.

Der mit dem Caligari-Förderpreis 2018 ausgezeichnete Film wird am Freitag, 17. Mai, um 15 Uhr im Scala gezeigt. Anschließend findet eine Podiumsdiskussion mit der Regisseurin Milena Aboyan sowie dem Ersten Bürgermeister Konrad Seigfried, Pflegeheimleiter Bernhard Wandel, dem in der Seniorenarbeit vernetzten Stadtrat Eberhard Daferner sowie mit Brigitte Vochazer von der Diakonie- und Sozialstation und Ellen Eichorn-Wenz von der Caritas statt. Sie alle kennen das Problem der Vereinsamung aus ihren Tätigkeiten im Sozialbereich. Die Veranstaltung moderiert der stellvertretende Chefredakteur der Ludwigsburger Kreiszeitung, Peter Maier-Stein. Dank einer Kofinanzierung durch den SWR, Darstellern, die auf Gagen verzichtet haben sowie vielen freiwillige Mitstreitern konnte der Film realisiert werden, wie der Produzent Maximilian Becht berichtet.

Hauptdarstellerin ist die aus vielen Fernsehserien bekannte Hamburger Schauspielerin Brigitte Janner, die die beklemmende Situation der Gretel Lotz spürbar macht. Gedreht wurde vergangenes Jahr in Vaihingen und in Kornwestheim. Das Seniorenbüro der Stadt Ludwigsburg will den Film, den Becht schon bei der Seniorenmesse in Dortmund vorstellte und der im Juni beim Filmfestival im chinesischen Shanghai gezeigt wird, nun auch bekannter machen.

„Vereinsamung ist ein schleichender Prozess“, sagt die Leiterin der städtischen Seniorenarbeit, Christine Becker. Das Seniorenbüro macht Angebote gegen die Einsamkeit. Die drei Ludwigsburger Begegnungsstätten haben jährlich 37.000 Gäste, hier sind über 200 Ehrenamtliche tätig. Außerdem betreuen 49 aktive Wunschgroßeltern 71 Kinder. „Das läuft seit über 25 Jahren mit großem Erfolg“, berichtet Becker. Ein weiteres Projekt ist der Treffpunkt Kino. Jeden ersten Donnerstagnachmittag im Monat werden im Luna-Theater Filme gezeigt, die ältere Menschen ansprechen. Die Palette reicht von der Gaunergeschichte mit Robert Redford bis zum unterhaltsamen Literaturstreifen. Die jeweils um 14.30 Uhr beginnende Reihe hat laut Rainer Storz von Kinokult viele treue Besucher, die vor allem auch die Moderation des Filmpädagogen Daniel Gachstatter schätzen. Hier treffen sich Senioren und dieses soziale Miteinander ist laut Christine Becker ganz wichtig. Ihr Rat: Mit dem Renteneintritt ein Ehrenamt übernehmen oder sich ein Hobby suchen, um soziale Kontakte zu bewahren. „Vereinsamung macht psychisch krank“, gibt Becker zu bedenken.

INfo: Die Filmvorführung „Der Greteltrick“ mit Podiumsdiskussion findet am Freitag, 17. Mai, von 15 bis 17 Uhr im Scala statt. Der Eintritt ist frei, Karten können im Seniorenbüro (Stuttgarter Straße 12/1) reserviert werden.

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