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Engagement

Gruppe fordert Stadt ohne Kippen

Nachhaltigkeitsinitiative aus Oßweil erwartet hartes Durchgreifen gegen Zigarettensünder – Verwaltung soll aktiv werden

Die Nachhaltigkeitsgruppe bei der Kippenaktion im Juni in Oßweil. Links neben dem Plakat steht Monika Beisch, dahinter Elisabeth Späth.Foto: Nachhaltigkeitsgruppe Oßweil
Die Nachhaltigkeitsgruppe bei der Kippenaktion im Juni in Oßweil. Links neben dem Plakat steht Monika Beisch, dahinter Elisabeth Späth. Foto: Nachhaltigkeitsgruppe Oßweil

„Der Bußgeldkatalog muss endlich umgesetzt werden“ – das fordern Monika Beisch und Elisabeth Späth aus der Nachhaltigkeitsgruppe des Bürgervereins Oßweil. Bisher ist die Stadtverwaltung gegenüber Rauchern, die ihre Kippe auf die Straße werfen, sehr großzügig. Eigentlich würde diese Ordnungswidrigkeit laut Polizeiverordnung 15 Euro kosten. „Wenn jemand beobachtet wird, wie er seinen Zigarettenstummel wegwirft, wird er aufgefordert, diesen ordnungsgemäß zu entsorgen“, sagte eine Sprecherin der Stadt unlängst auf Anfrage unserer Zeitung. Nur wenn er oder sie dieser Aufforderung nicht nachkomme, werde der Raucher gebührenpflichtig verwarnt. Zahlen, wie oft das bisher geschehen ist, hat die Stadt keine. Solche Fälle seien aber „extrem selten“.

Die Nachhaltigkeitsgruppe, die sich im vergangenen Jahr gegründet hat, möchte das Bewusstsein der Bevölkerung in puncto Zigarettenkippen schärfen. Bereits im Juni waren Teilnehmer der Gruppe in einer Nacht- und Nebelaktion (Foto) durch Oßweil gezogen und hatten jede herumliegende Kippe in der Ortsmitte mit Kreide eingekreist. Am Ende sei man überrascht gewesen, wie viele Kippen allein entlang der Friesenstraße liegen. „Es waren unglaublich viele Kringel“, erzählt Monika Beisch. Nicht nur auf der Straße und den Gehwegen, sondern auch in den Grünstreifen, ergänzt Elisabeth Späth.

Für die zehn Plakate, die sie bei dieser Aktion in Oßweil aufgestellt haben, gab’s sogar Ärger von der Stadt – wegen wilden Plakatierens. Erst als die Verwaltung erkannt habe, dass es hier um eine gute, ehrenamtliche Sache geht, habe sie sich entschuldigt und darum gebeten, die Plakatflächen beim nächsten Mal zu beantragen.

Neues Personal für den Ordnungsdienst

Ludwigsburg trage seit 2014 den Titel „Nachhaltige Stadt“. Beim Thema Zigarettenkippen schaue die Verwaltung aber einfach zu und unternehme nichts, so der Vorwurf der Gruppe. „Hier erwarten wir eine Weiterentwicklung“, sagt Monika Beisch. Eine Weiterentwicklung hin zu einer „Stadt ohne Kippen“.

Zur Durchsetzung des Bußgeldkatalogs solle nötigenfalls neues Personal eingestellt werden. Auch Zivilstreifen, die sündige Raucher gleich bestrafen, sind für die beiden vorstellbar. „Es darf bei diesem Thema kein Wischiwaschi mehr geben“, sagt Beisch. Auch auf den neuen Bahnhofsmanager setzt sie große Hoffnungen. Denn im Umfeld des Bahnhofs und in der Myliusstraße sei es besonders ekelhaft.

Die Gruppe selbst will ebenfalls etwas tun: Demnächst will man auf andere Bürgerinitiativen und Bürgervereine zugehen, um gemeinsam auszuloten, was man gegen die vielen Kippen in der Stadt unternehmen kann. Eine weitere Idee ist, unter den Rauchern kostenlose Handaschenbecher zu verteilen. Auch gemeinsame Aktionen mit Schülern, Studenten oder der Bewegung „Fridays for Future“ seien vorstellbar – zum Beispiel eine Kippen-Sammelaktion in der Innenstadt.

Brief an die Bürgermeister und Politiker

Wobei: In diesem Punkt sind sich Monika Beisch und Elisabeth Späth uneins. „Der Raucher ist dafür verantwortlich“, findet Beisch und ist daher allen Sammelaktionen gegenüber eher kritisch eingestellt. Späth ist dagegen schon längst aktiv und reinigt regelmäßig Spielplätze von Kippen, um kleine Kinder vor den giftigen Hinterlassenschaften zu schützen. „Ich habe immer eine Konservendose dabei. Die ist in null Komma nix voll.“

Unlängst hat die Gruppe einen Brief an die Bürgermeister und die Gemeinderatsfraktionen geschrieben. Darin fordert sie ebenfalls ein hartes Durchgreifen gegen Zigarettensünder. „Die Straßen sind versifft, Kippen schaden mit ihren Giftstoffen immens der Umwelt und die Verwaltung schaut zu“, heißt es dort unter anderem. Die Stadt wird aufgefordert, mehr über das Thema zu informieren und aufzuklären – etwa mit Plakaten, Putzaktionen oder rauchfreien Zonen. Auch an den Schulen sollte das Thema besprochen werden.

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