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Hart erarbeitete Barrierefreiheit

Bis 2022 müssen alle Bushaltestellen so umgebaut sein, dass sie barrierefrei sind. Ludwigsburg wird dies nach eigenen Angaben nicht schaffen, bisher wurden 166 von 224 Haltestellen saniert. Jetzt kommen die Härtefälle, wo Haltestellen verlegt oder ganz neu gebaut werden müssen.

Die Friedhofshalte Poppenweiler soll mit Sanierung der Hochdorfer Straße verlegt werden.
Die Friedhofshalte Poppenweiler soll mit Sanierung der Hochdorfer Straße verlegt werden.
Am Neuen Friedhof in der Harteneckstraße wird die Verkehrsfläche neu gestaltet und erweitert.
Am Neuen Friedhof in der Harteneckstraße wird die Verkehrsfläche neu gestaltet und erweitert.
Die Haltestelle an der Agentur für Arbeit wird wegen einer Zufahrt verlegt.Fotos: Holm Wolschendorf
Die Haltestelle an der Agentur für Arbeit wird wegen einer Zufahrt verlegt. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. „Wir sind mit Volldampf dran.“ Achim Leban ist zu Beginn der Debatte im Bauausschuss vergangene Woche noch zuversichtlich, dass es mit dem barrierefreien Umbau der Bushaltestellen so weitergehen wird. Mit dem Ansinnen wäre der Abteilungsleiter für Straßenbau und Brücken im Fachbereich Tiefbau und Grünflächen aber fast gescheitert. Denn die Verlegung der Bushaltestelle am Friedhof in Poppenweiler um ein paar Meter sorgte für solch habhafte Diskussionen im Rund, dass die Abstimmung denkbar knapp ausfiel.

Hintergrund ist, dass die Stadt mit dem Personenbeförderungsgesetz verpflichtet ist, alle Bushaltestellen barrierefrei zu gestalten. Heißt: Ein 18 Zentimeter hoher Bordstein muss her. Zum Einsatz kommt das sogenannte Kasseler Sonderbord (siehe Text rechts unten). Weil der Bordstein durchgängig so hoch sein muss, geht es nicht mehr, die Haltestelle vor Garagenzufahrten anzulegen. So auch in Poppenweiler. Damit muss die Haltestelle verlegt werden, aber wohin? Die Antwort ist umstritten.

Denn zahlreiche Stadträte haben etwas dagegen, dass die Stadt die Haltestelle so verlegen will, dass der Bus nicht mehr in einer Bucht sondern auf der Straße hält. Sonst müssten laut Leban drei benötigte Parkplätze wegfallen. „Ich kann Sie nur bitten, dass Sie dieser Variante zustimmen“, sagte Leban in Richtung der Räte. „Wir müssen fertig werden.“

Ulrich Bauer (Grüne) folgte dem („Das sind gesetzliche Vorgaben“) wie auch Elga Burkhardt (Lubu), die sich beide über eine erzwungene Verlangsamung des Verkehrs freuten. Christine Knoß (Grüne) präferierte ebenfalls die Straße, weil so auch mal längere Busse anhalten könnten. Da legte Andy Rothacker von den Freien Wählern erst richtig los. Es sei der Wunsch vom Stadtteilausschuss Poppenweiler gewesen, die Haltebuchten zu erhalten. Die Räte seien „Vertreter der Bürger“, sagte er und sprach angesichts der Pläne von „völligem Quatsch. Da werden wir hart bleiben.“

Die Zufahrten zu Garage und Grundstück und die Flaschencontainer zu erhalten sowie die Parkplätze zu retten, definierte Charlotte Kucher vom Stadtteilausschuss Poppenweiler als Priorität im Stadtteil. Damit wähnte sich Leban auf der sicheren Seite, doch Rothacker gab nicht auf. Es sei simpel, die Bucht einfach ein paar Meter nach vorne zu verlegen. Leban dagegen hält das wegen der Friedhofsmauer für unmöglich. 166 von 224 Haltestellen habe man bisher ohne Beschluss und Diskussion umgebaut. Es wurde deutlich, dass er sich dies auch hier gewünscht hätte.

Bis dahin hatte Dieter Juranek von der SPD schon „langsam das Gefühl, dass wir im Bauausschuss handlungsunfähig werden“. Das wiederum bewog Margit Liepins (SPD), Bürgermeister Michael Ilk aufzufordern, klarzustellen, dass es „nicht möglich ist, die Haltestelle anders zu machen“. Am Ende gingen die Pläne der Verwaltung mit 8:7 Stimmen knapp durch. Das Ganze kostet übrigens 260.000 Euro.

Im Personenbeförderungsgesetzes wurde der 1. Januar 2022 als Frist gesetzt, alle Bushaltestellen barrierefrei zu machen. Wie Leban sagte, sei dies nicht zu schaffen. Alleine der Umbau des Busbahnhofs (ZOB) enthalte weitere Haltestellen, die erst Ende 2022 barrierefrei werden.

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