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Hebammen schlagen erneut Alarm

Die Stadt zeigt ihre Babyfreundlichkeit: mit Aufklebern an Läden und Cafés sowie einem Flyer mit allen Stillgelegenheiten. Die Weltstillwoche ab kommenden Montag nutzen die Hebammen dafür, um auf die Wichtigkeit des Stillens aufmerksam zu machen. Und auf ein großes Problem: Es gibt zu wenig Hebammen. Jetzt wird eine ambulante Sprechstunde für Mütter eingerichtet.

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Mutter und Baby bilden beim Stillen eine Einheit – und brauchen dafür einen Platz.Foto: Fotolia
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Aufkleber am Eingang laden in der Stadt zukünftig zum Stillen ein.Foto: Stadt Ludwigsburg

Ludwigsburg. „Die Betreuung im Wochenbett nach der Geburt gehörte eigentlich zum Standard“, sagt Irmfriede Pilz-Buob. Sie ist eine von sieben Hebammen in der Stadt mit eigener Praxis und erlebt Tag für Tag, dass Anspruch und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen. Vergangenes Jahr gab es 3500 Geburten im Kreis, für dieses Jahr wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet – die Hebammen aber plagen Nachwuchssorgen. Bezahlung und gesetzliche Vorgaben spielen da eine große Rolle. Wie ihre Kolleginnen auch ist sie bereits bis Frühjahr 2018 ausgebucht, das Rundum-Paket von Geburt über Stillberatung im Wochenbett bis zur Rückbildungsgymnastik ist da keine Selbstverständlichkeit mehr.

Fehlt aber die Hebamme, fehlt auch die Beratung und Begleitung beim Stillen, insbesondere bei Anfangsproblemen. „Diese Frauen geben dann schnell auf“, sagt Pilz-Buob. Gemeinsam mit Ines Pantle, Hebamme in Großbottwar und Vorsitzende des Hebammenverbands im Kreis, kämpft sie nun dafür, das Stillen wieder ins Bewusstsein zu bringen. Ihr Vorstoß bei der Zukunftskonferenz 2016 sei für die Stadt Anlass gewesen, dieses Thema anzugehen, erzählte Raphael Dahler, Leiter des Fachbereichs Sport und Gesundheit, gestern bei der Pressekonferenz zum Beginn der Weltstillwoche. Diese findet seit 1991 jährlich statt und läuft in Deutschland vom 2. bis 8. Oktober.

Weil dem Hebammenmangel stadtseits nicht abgeholfen werden kann, geht diese auf andere Art in die Offensive. So hat sie jetzt einen Flyer erarbeitet, der 58 Läden, Cafés, Restaurants oder öffentliche Einrichtungen auflistet und auf der Karte zeigt, in denen stillende Mütter willkommen sind. Manche haben sogar separate Räume, in die sich die Mutter mit ihrem Baby zurückziehen kann. Auch Wickelmöglichkeiten sind aufgelistet. Keine der abgefragten Einrichtungen, erzählt Christin Schmidt vom Fachbereich Gesundheit, habe stillende Mütter per se abgelehnt. „Es geht auch darum, die Akzeptanz vom Stillen im öffentlichen Raum zu erhöhen.“

Und nicht nur das, es geht um das Stillen an sich. Empfohlen werde das volle Stillen für mindestens ein halbes Jahr, sagte der Ludwigsburger Kinderarzt Dr. Thomas Kauth gestern. Es kann und soll bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs gestillt werden. Abgesehen von den Abwehrkräften trage dies dazu bei, dass die Kinder später deutlich weniger übergewichtig seien. Doch auch die Kinderärzte teilen das Problem der Hebammen. Weil es eine Niederlassungssperre gibt, erhöht sich die Zahl der Ärzte nicht, die aber immer mehr Kinder immerhin 18 Jahre lang betreuen müssen. „Die Wartezimmer sind voll.“

Gleichzeitig nutzte die Stadt die Gelegenheit, sich ein Label zu geben: „Babyfreundliches Ludwigsburg.“ Der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried hat sich das auf die Fahnen geschrieben: „Wir wollen die Hebammen im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen.“

So wurde auch ein Raum gefunden, in dem die Hebammen künftig an zwei Tagen in der Woche eine Sprechstunde für Mütter abhalten wollen: im Hohenecker Kinder- und Familienzentrum in der Wilhelm-Nagel-Straße. Die Anmeldung über die Homepage der Stadt Ludwigsburg ist ab Mitte Oktober unter www.ludwigsburg.de/hebammensprechstunde möglich, den Flyer gibt es ab 6. Oktober. Die Aufkleber sollen während der Weltstillwoche verteilt werden. Beim Fotowettbewerb wurden 60 Fotos eingereicht, die beim Aktionstag im Fräulein Cluss im Scala gezeigt werden. Die Preisverleihung findet am Freitag, 6. Oktober, um 15 Uhr statt.

info: Die Hebammen sind am Donnerstag, 5. Oktober, von 7 bis 13 Uhr auf dem Marktplatz und geben Informationen. Am Freitag, 6. Oktober, gibt es einen Aktionstag ab 14 Uhr im Scala, mit einem Vortrag vom Hebammenverband., Impro-Theater und Preisverleihung.