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Amtsgericht

Hehlerei mit gestohlenen Autos: Bewährungsstrafe

Wegen Urkundenfälschung und Hehlerei verurteilte das Ludwigsburger Amtsgericht einen 39-jährigen Kornwestheimer zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung.

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Bei der Zulassungsstelle im Landratsamt wurden die Fahrzeuge umgemeldet. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg/Kornwestheim. Obwohl er während der Verhandlung immer wieder beteuerte, nicht gewusst zu haben, dass er es mit gestohlenen Autos zu tun hatte, schenkten Staatsanwaltschaft und Gericht dem 39-Jährigen keinen Glauben. „Ihnen muss doch von vornherein klar gewesen sein, dass das, was Sie tun, zum Himmel stinkt“, warf der Staatsanwalt ihm in seinem Plädoyer vor.

Das Gericht folgte der Auffassung der Staatsanwaltschaft, wonach der Angeklagte seit August 2016 einem bisher unbekannten Komplizen geholfen hat, gestohlene Autos in die Niederlande zu verkaufen. Der Kornwestheimer hatte bei der Zulassungsstelle im Ludwigsburger Landratsamt die Autos an- und wieder abgemeldet, um die gefälschten Fahrzeugpapiere aus Schweden und Spanien „zu waschen“. Mit ihm angeklagt war außerdem ein 28-jähriger Ludwigsburger, der dem Hauptangeklagten beim letzten Betrug geholfen haben soll.

Der 39-Jährige lernte seinen Komplizen, den er angeblich nur unter dem Namen Alexej kennt, im Sommer 2016 in einem Tanzlokal in Kornwestheim kennen. Das erste Auto wurde dem Angeklagten vor einem Stuttgarter Einkaufszentrum übergeben. Es handelte sich um einen Porsche Cayenne im Wert von 100 000 Euro, der im Mai 2016 in Berlin gestohlen worden war. Der 39-Jährige legte die spanischen Papiere beim Landratsamt vor und meldete das Auto auf sich an und wieder ab. Schließlich übergab er es wieder an „Alexej“, der das Auto in die Niederlande verkaufte. Der Angeklagte erhielt für seine Dienste 500 Euro.

Mit dem gleichen Vorgehen half der Angeklagte, einen gestohlenen BMW X6 im Wert von 45 000 Euro nach Holland zu verkaufen. Schließlich bat der 39-Jährige seinen 28-jährigen Bekannten, einen weiteren Porsche Cayenne im Wert von 96 000 Euro auf sich anzumelden. Weil er wegen der Arbeit keine Zeit gehabt habe, sagte er. Weil er wohl wusste, dass das Geschäft mit den gestohlenen Autos zu riskant wird, vermutete der Staatsanwalt. Danach wurde der Porsche in einer Tiefgarage in Tamm geparkt. Dort stellte die Kriminalpolizei das Auto sicher, nachdem im Landratsamt mit Hilfe des Kraftfahrt-Bundesamtes festgestellt wurde, dass es sich hier um einen Betrug mit gestohlenen Autos und gefälschten Papieren handelte.

In Litauen sind den Ermittlungen zufolge die Fahrgestellnummern herausgeschliffen und überklebt worden. Das sei eine gängige Praxis, berichtete ein Polizeibeamter, der als Zeuge befragt wurde. Davon will der 39-Jährige nichts gewusst haben. Er hätte sich sonst nie darauf eingelassen, beteuerte er vor Gericht wie auch schon bei seiner polizeilichen Vernehmung vor dem Prozess. „So naiv habe ich ihn nicht eingeschätzt“, sagte der zuständige Kommissar als Zeuge. Vor allem, da zuvor herausgekommen war, dass es sich bei dem BMW um ein gestohlenes Fahrzeug gehandelt hatte. Im Landratsamt war die Sache aufgeflogen, nachdem das Auto schon nach Holland verkauft worden war. Obwohl ihm der Diebstahl des BMW bewusst gewesen war, sei der Angeklagte bereit gewesen, weitere Autos umzumelden.

Die Richterin verurteilte den Kornwestheimer deshalb am Ende zu einer Bewährungsstrafe von elf Monaten sowie zu einer Zahlung von 2500 Euro an das ambulante Kinderhospiz in Ludwigsburg. Zu seinen Gunsten wertete sie, dass er vor Gericht weitgehend geständig war. Gegen ihn sprächen aber vor allem der hohe Wert der Fahrzeuge und die Tatsache, dass er bereits mehrfach vorbestraft ist. Außerdem zeuge es von einer hohen kriminellen Energie, den 28-Jährigen in die Sache hineingezogen zu haben. Dieser wurde freigesprochen. Sein Mandant sei einfach gestrickt und habe nicht darüber nachgedacht, dass das Fahrzeug gestohlen sein könnte, so der Verteidiger. Dem stimmten sowohl Richterin als auch Staatsanwalt zu. „Aber eigentlich hätten die Alarmglocken schrillen müssen“, so der Staatsanwalt warnend.