Logo

Weihnachten

Heiligabend im Dienst

Während die meisten Ludwigsburger unterm Weihnachtsbaum Geschenke auspacken und im Kreis der Familie schlemmen, haben sie Dienst: Für Sanitäter und Polizistin heißt das nicht unbedingt „Stille Nacht, heilige Nacht“.

350_0900_21288_AdobeStock_73500851.jpg

Wenn zu Hause in Murr die Enkelkinder Geschenke auspacken, sitzt Nexhmedin Dermaku hinterm Lenkrad irgendwo zwischen Ludwigsburg und Waiblingen. Die 431 ist seine Linie. „Busfahrer ist ein Job, den man lieben muss“, sagt Dermaku und das gilt nicht nur für ihn, sondern ein bisschen auch für seine Frau. „Ich bin ihr dankbar, denn sie verzichtet dadurch auch auf einiges.“ Das Weihnachtsessen wird er aufgewärmt nach der Schicht gegen 22.30 Uhr genießen „und dann hoffentlich auch noch Geschenke unterm Baum finden“.

Die 29-Jährige Polizistin Melanie Albert wird den 24. Dezember in diesem Jahr auf der Wache verbringen. Nach dem Frühdienst von 5.30 bis 12.30 Uhr geht es nach Hause zum Schlafen, damit sie um 19.30 Uhr ausgeruht ihren Nachtdienst antreten kann. Kurz davor gibt es Bescherung mit ihrem Mann. Auch er ist bei der Polizei, allerdings nur im Tagdienst und hat viel Verständnis. „Ich hoffe, dass es einigermaßen ruhig bleibt und wir Kollegen in der Schicht gemeinsam essen können.“ An den Weihnachtsfeiertagen gebe es leider oft Streitigkeiten. „Ich hoffe, dass ich nicht zu einer traurigen familiären Auseinandersetzung gerufen werde.“

Wenn es die Einsatzlage zulässt, will auch Till Fröscher mit den Kollegen gemeinsam auf der Wache essen. Der Notfallsanitäter weiß aus den Vorjahren: „Heiligabend ist es tendenziell ruhiger“. In der Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes in der Reutteallee sind es vor allem die jüngeren Kollegen, die arbeiten. Der 27-jährige kommt bei seiner Freundin in keinerlei Erklärungsnöte. „Sie arbeitet in der gleichen Schicht und hat ebenfalls Dienst.“

Echte Kerzen am Weihnachtsbaum sind inzwischen weitgehend den Lichterketten und LED-Leuchten gewichen. Brennende Weihnachtsbäume sind für die Feuerwehr daher selten geworden. Für den Fall, dass es trotzdem brennt, steht an Heiligabend Jens Rieger bereit. Der 31-Jährige hat einen 24-Stunden-Dienst und ist von 7 Uhr an in der Wache. „Für mich ist das eine Schicht wie jede andere“, sagt er, „ich habe mir den Job ja ausgesucht“. Mit seinen Kollegen hat er das Menü schon besprochen: „Es gibt Toast Hawaii, das ist unkompliziert, falls es doch einen Einsatz gibt.“

Diana Vogeltanz verbringt Heiligabend hinter verschlossenen Türen auf der gerontopsychatrischen Station der Karlshöhe. „Ich arbeite gerne an Heiligabend“, sagt die Altenpflegerin. „Wir sind eine große Familie, ich will, dass es alle schön haben.“ Ruhe und Harmonie wünscht sie sich für die 16 demenzkranken Bewohner der Station. Ihre eigene Familie und Freunde will sie zu Silvester in Sachen-Anhalt besuchen, denn da ist ihre Heimat. Ihr Mann verbringt den Tag zu Hause mit dem Hund und bereitet den Kartoffelsalat zu. Den essen sie zusammen, wenn Diana Vogeltanz ihre Schicht nach 21 Uhr beendet hat.

„Wir versuchen, jeden Tag für die Patienten so angenehm wie möglich zu gestalten“, sagt Krankenschwester Martina Schwaderer. Die meisten Patienten würden Weihnachten viel lieber zu Hause verbringen, doch nicht immer lässt der Gesundheitszustand das zu. Auf der Onkologischen Station ist es ein besonders emotionaler Tag. Martina Schwaderer hat die Station weihnachtlich dekoriert und wird auch Lieder singen. Sie selbst will mit ihrem Mann und Nichten und Neffen am 2. Weihnachtsfeiertag feiern. Einen Wunsch hat sie: „Ich wünsche mir mehr Zeit für die Patienten – nicht nur an Heiligabend.“

Autor: