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Finanzen

Hemmingen hält die rote Laterne

Steuereinnahmen im Kreis sprudeln kräftig – Gerlingen verteidigt Spitzenplatz

Kreis Ludwigsburg. Die Gemeinde Hemmingen ist die finanzschwächste Kommune im Kreis Ludwigsburg. Die Strohgäugemeinde stürzt bei der alljährlichen Aufstellung der Finanzkraft pro Einwohner vom vierten auf den letzten und 39. Platz ab. 936 Euro pro Kopf hat die Gemeinde von Bürgermeister Thomas Schäfer an Steuern eingenommen. Das sind 714 Euro weniger als im vergangenen Jahr. Diese Zahlen ergeben sich aus der aktuellen Steuerkraftstatistik des Landratsamtes.

Erneut kann sich der Kreis über steigende Einnahmen freuen. Für 2019 sind 231,1 Millionen Euro eingeplant – das sind noch einmal acht Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr.

Dabei stehen die Steuereinnahmen für 2018 noch nicht fest. Auch für 2017 fehlt noch der Schlussstrich. Deshalb behelfen sich die Statistiker, wenn sie die aktuelle Steuerkraft berechnen, mit den Zahlen des jeweils vorvergangenen Jahres. Tatsächlich ist die für 2019 genannte Steuersumme von 840,3 Millionen Euro schon 2017 geflossen. Sie bildet die Basis für die Kreisumlage, die von 28 auf 27,5 Prozent fallen soll. Landrat Rainer Haas war mit seinem Vorstoß, die Umlage auf dem Vorjahreswert zu belassen, am breiten Widerstand des Kreistages gescheitert. Dennoch gelingt es dem Kreis erneut, eine Rekordsumme einzunehmen: 231 Millionen Euro.

Hemmingen entzieht sich dem positiven Trend. „From Hero to Zero“ (etwa „Vom Helden zum Verlierer“) kommentiert Bürgermeister Schäfer lakonisch die ernüchternden Zahlen für seine Gemeinde. Der gerade erst wiedergewählte Schultes verweist darauf, dass ihm vor allem die Gewerbesteuereinnahmen weggebrochen seien. „Wir hatten mit rund fünf Millionen wie im Vorjahr kalkuliert und sind bei zwei gelandet“, so Schäfer. Natürlich kann er nicht über einzelne Steuerzahler sprechen – das ist Steuergeheimnis. Aber es ist zu vermuten, dass die großen Unternehmen am Standort in dem Jahr nicht die erwarteten Beträge überwiesen haben. Unter anderem ist hier Porsche ansässig. Für die Zukunft ist Schäfer nicht bang. Denn schon im aktuellen Jahr lägen die Gewerbesteuerzahlen bei 5,9 Millionen Euro. Und auch der Anteil an der Einkommensteuer bleibe beständig bei rund fünf Millionen Euro, mit Luft nach oben. „Da versprechen wir uns schon einiges von unseren Neubaugebieten“, ergänzt Schäfer. Denn hier würden eher Leute hinziehen, die auch über ein entsprechendes Einkommen verfügten.

Gerlingen hat diese Probleme nicht. Die 20 000-Einwohner-Stadt ganz im Süden des Landkreises verteidigt einmal mehr die Spitzenposition bei der Finanzkraft. „Das liegt vor allem an den nochmals gestiegen Gewerbesteuerzahlungen von 55,6 Millionen Euro“, so die Erste Beigeordnete Martina Koch-Haßdenteufel. Es ist klar, wem Gerlingen den warmen Geldregen zu verdanken hat. Der weltgrößte Automobilzulieferer, die Robert Bosch GmbH, hat hier seinen Sitz. Gerlingen zahlt mit 871 Euro pro Einwohner deutlich mehr als etwa die Metropole Ludwigsburg, die mit 458 Euro weiterhin auf Platz 5 liegt. Vor Ludwigsburg rangieren noch Affalterbach (2), Kornwestheim (3) und Ditzingen (4). Vor allem Kornwestheim hat sich von seiner Krise erholt. Vor zwei Jahren war die Stadt wegen Steuerrückzahlung an die EnBW noch auf Rang 37 abgerutscht.