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Blühendes Barock

Hightech in der Bretterbude: Virtuell mitten drin im Kürbis

Unscheinbar ist die Bude aus roh gezimmerten Brettern vor dem Nordbalkon des Schlosses. Doch wer darin eine Spezialbrille aufsetzt, taucht ab in eine völlig andere Welt, steht mitten in einem Hokkaido-Kürbis.

Alisa Käfer taucht in das virtuelle Innenleben eines Hokkaido-Kürbis.Foto: Holm Wolschendorf
Alisa Käfer taucht in das virtuelle Innenleben eines Hokkaido-Kürbis. Foto: Holm Wolschendorf

Aus dem kahlen Verschlag wird nach dem Aufsetzen der klobig schwarzen Virtual Reality- Brille das fleischig satt-rote Innenleben eines Kürbisses. Und das ist möbliert. Der Besucher bekommt einen Joystick in die Hand gedrückt. Mit dem kann er auf Knopfdruck Kürbisse regnen lassen, erfährt dass die Kürbisausstellung vor 20 Jahren klein angefangen hat. Mit 200 unterschiedlichen Sorten und dass der Sieger beim Wiegen 80 Kilo auf die Waage brachte. Im Weltrekordjahr 2016 dagegen wog der dickste Brummer knapp 1.200 Kilo und fast 800 unterschiedliche Sorten waren in den Figuren verbaut.

Man kann einen nicht existenten Kürbis greifen, sich um die eigene Achse drehen und den in einen Basketball-Korb im Halloween-Design werfen. Auf einer Kiste liegen Kürbisprodukte: Kuchen, Öl, Suppe. Wer davon probiert wird demnächst wachsen. Nächste Woche wird auch das möglich sein, sagt Alexander Dais, der zusammen mit dem Hauptverantwortlichen Andreas Hauber von der Bechtle GmbH das Programm entwickelte. Er glaubt, dass mit der Verbreitung auch die Brillen erschwinglicher werden. Derzeit kostet eine noch rund 300 Euro. BlüBa-Direktor Volker Kugel unterstützt das VR-Projekt von Anfang an zusammen mit seinem Kürbis-Partner Jucker Farm. Weitere Innovationsnetzwerk-Partner des Pilotprojekts „VR-Erlebnistour Kürbis“ sind die 3D-Designerin Tao Zhang von der Filmakademie Ludwigsburg sowie die Rikker Holzbau GmbH aus Affalterbach..

Als „Virtual Reality“ wird eine durch Computertechnologie erzeugte Wirklichkeit bezeichnet. Anwendungen aus dem Bereich der virtuellen und erweiterten Realität entwickeln sich gerade vom Nischenphänomen zu einer einflussreichen Zukunftstechnologie mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Eine weltweite Analyse hat ergeben, dass aktuell rund 824000 Jobs weltweit direkt davon beeinflusst werden. Bis 2030 könnte sich die Anzahl der Menschen, damit arbeiten, könnte demnach auf 23,4 Millionen erhöhen. In Deutschland käme dann jeder 100. Beschäftigte, insgesamt also rund 400000 Menschen, am Arbeitsplatz mit dieser innovativen Technologie in Kontakt. Heute sind es bereits 15000 Personen, informiert die Stadt in einer Pressemitteilung.

„Es ist eine Spielerei, die aufzeigen soll, was technisch damit alles möglich ist und sein wird“, erklärt Jolanta Gatzanis vom städtischen Innovationsnetzwerk. Anwendungsbeispiele kann sie sich viele vorstellen. Bei Bildung und Gesundheit zum Beispiel. Ganz praktisch bei der Feuerwehr, die so Einsätze simulieren könnte, ohne sich die Finger zu verbrennen. Auch Stadtrundgänge seien möglich durch Quartiere, die es noch gar nicht gibt. Daran werde gearbeitet.

Seit zwei Wochen sind die Brillen jeweils freitags und samstags im Einsatz und können zwischen 11 und 16 Uhr ausprobiert werden. Zwei davon gibt es, damit immer genug Zeit für Desinfektion ist.

Etwa fünf Minuten dauert der kostenlose Ausflug in den Kürbis. Und er kommt an: „Alleine letzten Samstag haben rund 60 Besucher das Experiment ausprobiert“, schätzt Gatzanis. Wer auch noch zu dem Kreis dazugehören will, hat dazu noch Gelegenheit bis zum 5. Dezember. Vorausgesetz, er hält sich an die jeweils gültigen Coronaregeln.

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