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Schloss Monrepos

Hochzeitsfotos ab sofort verboten

Müll, Lärm, Aggression: Weil am Wochenende immer öfter riesige Hochzeitsgesellschaften am Seeschloss Monrepos eingefallen sind, zieht die Hofkammer Konsequenzen. Hochzeitsfotos sind ab sofort verboten. Um das Schlösschen patrouillieren Sicherheitsleute.

Diese Verbotsschilder und ein Sicherheitsdienst begrüßen die Besucher jetzt auf den Wegen vor Schloss Monrepos.Fotos: Ramona Theiss
Diese Verbotsschilder und ein Sicherheitsdienst begrüßen die Besucher jetzt auf den Wegen vor Schloss Monrepos. Foto: Ramona Theiss
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Ludwigsburg. Vor ungefähr einem Jahr hat es angefangen. „Jedes Wochenende, teilweise auch unter der Woche ging hier der Punk ab“, erzählt Bernd Rieger, der Geschäftsführer der Hofkammer. Brautpaare aus Nah und Fern seien mit teilweise 100 oder 150 Leuten am Seeschloss eingefallen. Dann wurde gefeiert, gegrillt oder ein Sektempfang veranstaltet. „Und am Ende blieb all der Müll liegen“, sagt Rieger.

Er vermutet, dass sich in der Region herumgesprochen habe, dass man am Monrepos nach Lust und Laune feiern könne. Das ist aber nicht so. Der Monrepossee und das umliegende Gelände sind im Privatbesitz des Hauses Württemberg. Die Hofkammer verwaltet das Areal. „Verbote und Verbotsschilder sind eigentlich schrecklich“, sagt Rieger. Aber die Hofkammer habe sich nicht mehr anders zu helfen gewusst. „Die Situation war dramatisch. Wir mussten weitere Auswüchse verhindern.“ An allen Eingängen zum Seeschloss stehen daher jetzt die Verbotsschilder.

Künftig braucht man eine Genehmigung

Teilweise sei man nicht mehr Herr im eigenen Haus gewesen, erzählt Rieger. „Die Leute waren sehr aggressiv und ließen sich nicht wegschicken.“ Vor allem direkt am Schloss kam es zu Konflikten, da das schmucke Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert auch für Veranstaltungen vermietet wird. „Und wir wollen das Recht derjenigen wahren, die das Schloss als Mieter nutzen“, erläutert der Geschäftsführer. An einigen Wochenenden seien Veranstaltungen aber kaum noch möglich gewesen.

Da weiterhin Hochzeitsgesellschaften zum Monrepos strömen, wurde jetzt jeweils von Freitag bis Sonntag ein Sicherheitsdienst engagiert. Die Profis schicken alle unliebsamen Gäste vom Gelände. Rieger bedauert das, denn „im Prinzip haben wir natürlich nichts dagegen, wenn sich Paare vor dem Schloss fotografieren lassen. Allerdings sind drumherum zu viele Probleme entstanden“. Das schade dem gesamten Gelände und „wir wollen, dass das Schloss so erhalten bleibt, wie es jetzt ist“.

Wer künftig Fotos vor dem Gebäude machen will, sollte sich bei der Schlossverwaltung am Monrepos anmelden. Profifotografen müssen laut Rieger ab sofort einen „kleinen Obolus“ entrichten. Neben dem Fotografieren von Brautpaaren wurden auch Drohnen, Filmen und Grillen verboten. „Jeder Gast ist bei uns willkommen. Aber jeder muss sich an die Regeln halten“, sagt Rieger. Denn am Monrepos sollen sich alle wohlfühlen.

Von solchen Problemen ist man im Ludwigsburger Schloss weit entfernt. Allein 2018 haben 831 Hochzeitspaare die Möglichkeit genutzt, im Schloss Fotos zu machen. 150 Euro haben sie dafür bezahlt. Auch im öffentlich zugänglichen Innenbereich des Schlosses, also in den Innenhöfen, machen manche Paare Hochzeitsfotos – dort kostet es nichts. Laut dem Schlossverwalter Stephan Hurst gibt es kaum Probleme. „Sicher gibt es auch Wünsche, die wir nicht erfüllen können, Steigenlassen von Luftballons, Konfettikanonen oder Reiswerfen.“ Wenn die Gäste die Gründe für das Verbot erfahren, seien sie aber einsichtig. Aber auch das Schloss hat einen Sicherheitsdienst vor Ort, der gegebenenfalls noch Hinweise gibt.

Keine Probleme im Blühenden Barock

Überhaupt keine Probleme sind Hurst von Schloss Favorite bekannt. „Es liegt in einem Naturschutzgebiet, die Auflagen sind noch einmal höher, die Erreichbarkeit ist nicht so gut wie im Residenzschloss“, sagt Hurst. Zudem sei das Schlösschen derzeit eingerüstet. Brautpaare machen da einen großen Bogen drumherum.

Das Blühende Barock nutzt die Fotos der Hochzeitspaare sogar für das eigene Marketing, erklärt der Geschäftsführer, Volker Kugel. Denn jedes Bild mit dem Schloss oder dem Park im Hintergrund ist Werbung. „Brautpaare erhalten bei uns samt Trauzeugen und Fotograf freien Eintritt. Wir haben in diesem Punkt keinerlei Probleme.“ Einzige Bedingung: Das Paar muss als Hochzeitspaar erkennbar sein. Laut Kugel gibt es im Blüba auch deshalb keinen Ärger mit Hochzeitsgesellschaften, weil der Eintritt in den Park Geld kostet.

Ermittlungsverfahren zu zwei Hochzeitskorsos

Nicht nur am Schloss Monrepos, sondern auch auf den Straßen des Landkreises sorgen Hochzeitsgesellschaften immer öfter für Ärger. Am 30. März blockierten mehrere Teilnehmer einer Hochzeitsfeier mit ihren Autos die A.81 bei Möglingen. Gegen elf beteiligte Fahrer führt die Polizei mittlerweile ein Ermittlungsverfahren wegen Nötigung im Straßenverkehr, so die Ludwigsburger Polizei auf Anfrage unserer Zeitung. Ihnen droht eine Geldbuße oder eine Geldstrafe.

Auch im Fall der Blockade der Ludwigsburger Innenstadt durch eine Hochzeitsgesellschaft am 6. April hat die Polizei gegen mehrere Fahrer ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Unter anderem wegen Verursachung unnötigen Lärms und vermeidbarer Abgasbelästigung sowie wegen missbräuchlichen Hupens und Abkleben der Nummernschilder. Alle Teilnehmer werden zudem angezeigt, weil sie die Straßen der Innenstadt in einer unerlaubten Weise genutzt haben.

In beiden Fällen hat es sich um türkische Hochzeitsgesellschaften gehandelt. In Nordrhein-Westfalen kommt es an Wochenenden mittlerweile zu Dutzenden Polizeieinsätzen, weil bei türkische Hochzeiten Straßen blockiert werden. Laut der Ludwigsburger Polizei handelt es sich um ein deutschlandweites Phänomen. Die Polizei toleriere zwar, wenn Menschen sich freuen und diese Freude in einen Autokorso münde. Die Toleranz finde aber eine Grenze, „wenn andere belästigt, behindert oder gar gefährdet werden“, so ein Sprecher der Ludwigsburger Polizei.

Bisher handele es sich im Raum Ludwigsburg um Einzelfälle. Allerdings: „Wir rechnen schon damit, dass es zu weiteren solchen Vorfällen kommen kann und setzen neben einem möglichen Einschreiten bei festgestellten Verkehrsverstößen auf Aufklärung und gegenseitiges Verständnis“, so die Polizei weiter.

Derzeit sei man dabei, ein Faltblatt mit Verhaltensweisen für Hochzeitsteilnehmer in verschiedenen Sprachen zu erstellen, das in den Standesämtern der Region ausgeteilt werden soll. (wa)

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