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Wohnungsmarkt

Idee einer Kreisbau hat im Kreistag kaum Chancen

Bezahlbarer Wohnraum ist im Kreis Ludwigsburg ein extrem knappes Gut. Das wurde im Verwaltungsausschuss des Kreistags allenthalben beklagt. Doch die Chancen, dass der Landkreis selbst auf dem Wohnungsmarkt aktiv wird, sind wohl äußerst gering.

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Der Landkreis wird aller Voraussicht nach nicht auf dem Wohnungsmarkt aktiv. Archivfoto: animaflora/Fotolia

Ludwigsburg. Sie sind ein Instrument der Nachkriegszeit: Um der Wohnungsnot nach Ende des Zweiten Weltkriegs zu begegnen, gründeten etliche Landkreise kommunale Baugesellschaften: Die Kreisbaugesellschaft Waiblingen, gegründet 1949, und die Kreisbau Neckar-Enz, 1946 als Kreisbaugenossenschaft Vaihingen/Enz entstanden, sind zwei noch auf dem Wohnungsmarkt aktive Beispiele.

In Anbetracht des eklatanten Mangels an günstigen Mietwohnungen in Region und Landkreis würden SPD und Grüne im Kreistag diese Idee nun gern wiederbeleben. In je eigenen und im Detail variierenden, der Stoßrichtung nach aber identischen Anträgen regen sie an, der Kreis Ludwigsburg möge mittels einer eigenen Kreisbau als neuer Akteur auf dem Wohnungsmarkt auftreten, um – so die Formulierung der SPD – „bezahlbaren Wohnraum anzubieten oder in den Bau und Erhalt von bezahlbaren Wohnraum zu investieren“.

Zwar gehöre der soziale Wohnungsbau keineswegs zu den Pflichtaufgaben des Landkreises, räumte der Ingersheimer Sozialdemokrat Thorsten Majer ein. Doch in Anbetracht des eklatanten Wohnungsmangels dürfe sich die Kreispolitik „nicht hinter Kompetenz-Diskussionen verstecken“, sondern müsse das Thema angehen. Finanziell jedenfalls könne sich der Kreis ein solches Engagement allemal leisten, verwies Majer auf die aktuellen Millionen-Überschüsse in der Kreiskasse (wir berichten am Samstag). Grünen-Kreisrat Peter-Michael Valet (Asperg) argumentierte ähnlich: Die Wohnungsnot zeige, dass die Privatwirtschaft das Problem nicht löse, und die Gemeindeordnung lasse ein kommunales Engagement auf dem Wohnungsmarkt ja durchaus zu.

Gerade weil es im Kreis neben großen privaten Immobilienunternehmen aber bereits einige kommunale Wohnbaugesellschaften gibt – voran die in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen – sind die Skeptiker im Kreistag aber offenkundig in der Mehrheit. Freidemokrat Johann Heer (Ludwigsburg) verwarf die Gründung einer Kreisbau in Bausch und Bogen, und CDU-Fraktionschef Manfred Hollenbach gestand zwar zu, dass sich die öffentliche Hand aus dem Thema Wohnungsnot nicht heraushalten könne, hält den Landkreis aber für die falsche politische und Verwaltungsebene: Die Gründung einer Kreisbau könne er sich „absolut nicht vorstellen“, so der Murrer Alt-Schultes. Auch Landrat Rainer Haas äußerte beträchtliche Reserven. Es sei für ihn nicht absehbar, wie der Landkreis als zusätzlicher Akteur auf dem Markt etwas bewirken könne, müsse er sich doch mit denselben Gegebenheiten auseinandersetzen und um dieselben Bauplätze und Baufirmen konkurrieren wie andere Bauträger auch.

Immerhin will Haas zu einem Informationsabend ins Landratsamt einladen, um die Frage, wie bezahlbarer Wohnraum zu schaffen sei, mit Fachleuten näher zu erörtern. Hans-Jürgen Kemmerle (Linke, Ludwigsburg) mahnte im Blick auf die Skeptiker, eine solche Runde sei Zweitverschwendung, wenn sie nicht ergebnisoffen diskutiere.