Logo

Initiative

IHK hilft jungen Flüchtlingen

Kammer will Ausbildungsbotschafter mit Fluchthintergrund an Schulen im Landkreis einsetzen

350_0900_20102_dpa_1496220052A1B36D.jpg
Eine Berufsausbildung fördert die gesellschaftliche Eingliederung von Flüchtlingen. Foto: Felix Kästle/dpa

Ludwigsburg.. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ludwigsburg will sich verstärkt um junge Flüchtlinge kümmern. Deshalb schickt sie künftig Ausbildungsbotschafter mit Fluchthintergrund, die bereits eine Lehrstelle haben, in die Schulen, damit sie für eine duale Ausbildung werben.

„Uns ist aufgefallen, dass sehr viele Flüchtlinge auf Ausbildungsmessen nach einer Lehrstelle suchen“, sagt Ralf Litschke, der Leiter des Referats für berufliche Qualifizierung bei der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg. Ihre Zahl nehme zu. Es sei deshalb hilfreich, wenn Jugendliche, die ähnliche Fluchterlebnisse hatten, nun an Schulen über ihre Ausbildung in einem Unternehmen im Landkreis berichten.

Litschke sieht Vorteile: Schon allein wegen der Muttersprache hätten sie einen besseren Zugang zu den jungen Flüchtlingen und wüssten eher, welche Fachbegriffe genauer erklärt werden müssten. Deutsche Ausbildungsbotschafter setzten zum Teil zu viel Wissen voraus.

Die IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg sieht sich mit diesem Projekt in einer Vorreiterrolle. „Wir freuen uns sehr über diese neue Möglichkeit und sehen hier eine starke Vorbildwirkung für den Landkreis Ludwigsburg“, sagt Nicole Porsch, die Vizepräsidentin der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg. Es sei wichtig bekanntzumachen, wie gut die Karrierechancen in Deutschland nach einer Dualen Ausbildung seien. Auch der Mehrwert für die Schulen bei der Berufsorientierung sei deutlich. Viele Flüchtlinge hätten mittlerweile den Aufenthaltsstatus erlangt und verfügten über gute Deutschkenntnisse.

Kammer schreibt Unternehmen an

Zwischen sechs und acht Personen will die IHK laut Litschke für den Einsatz als Ausbildungsbotschafter schulen. Im Herbst soll es losgehen. Die Kammer werde jetzt die Unternehmen anschreiben und um die Freistellung der Lehrlinge bitten. Die IHK weist darauf hin, dass zahlreiche Betriebe im Landkreis das Projekt aktiv für ihr Ausbildungsmarketing nutzen.

An welchen Schulen die Ausbildungsbotschafter aktiv werden sollen, steht noch nicht fest. Zu tun gibt es auf alle Fälle eine Menge. Nach Auskunft des Staatlichen Schulamts besuchen allein 630 junge Flüchtlinge Schulen mit Sekundarstufe 1 – also Klasse fünf bis zehn – im Landkreis Ludwigsburg. 620 Flüchtlingskinder gehen in Grundschulen im Kreis.

Mit Hilfe eines sogenannten Kümmerer-Projekts haben IHK-Mitarbeiter laut Litschke bereits 28 Flüchtlinge im Landkreis Ludwigsburg in eine Ausbildung vermittelt. Die meisten von ihnen seien Syrer. 30 weitere junge Flüchtlinge seien in eine Einstiegsqualifizierung gebracht worden – das ist ein Praktikum in einem Unternehmen, bei dem sie auf den Beruf, für den sie sich entschieden haben, vorbereitet werden.