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Vorhaben

Im Schatten des Leuchtturmprojekts

Ein neues Rathaus, ein Umzug der Feuerwehr aus der Ortsmitte, ein eigenes Gewerbegebiet: Solche Überlegungen kursieren schon länger in Möglingen – nur die Umsetzung dauert einigen zu lange.

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Drei Vorhaben, die in Möglingen auf sich warten lassen: Ein mögliches Gewerbegebiet im Gewann „Dürres Gehege“ an der Autobahnauffahrt, der Neubau des maroden Rathauses (oben) und der Umzug der Feuerwehr aus dem Ortskern an einen anderen Standort. Fotos: Holm Wolschendorf, Oliver Bürkle
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Ludwigsburg. Edgar Blank sitzt seit einigen Jahren nicht mehr im Möglinger Gemeinderat. Das heißt aber nicht, dass der ehemalige Fraktionschef der Freien Wähler keinen Anteil mehr daran nimmt, wie sich die Gemeinde entwickelt. „Schule ist gut, aber nicht alles“, sagt Blank in diesen Wochen gerne. Die Worte sind eine Anspielung auf das größte Investitionsvorhaben, das sich Möglingen jemals geleistet hat: den Neubau der Gemeinschaftsschule mit einer öffentlichen Bibliothek für rund 20 Millionen Euro. Das Projekt steht bereits im Rohbau, nächsten Sommer soll es eingeweiht werden.

Was in Blanks Augen ins Hintertreffen gerät, ist der Umbau der Möglinger Ortsmitte und die Pläne, an der Auffahrt zur A 81 ein Gewerbegebiet anzusiedeln. Beides hat miteinander zu tun. „Ich habe den Eindruck, dass die Vorhaben auf die lange Bank geschoben werden“, sagt er.

Die Ideen seiner Freien Wähler liegen auf dem Tisch: Wenn es nach der dritten Kraft in Möglingen geht, dann wird der Komplex aus marodem Rathaus, Feuerwehrhaus und Post abgerissen. Auf der Fläche könnte dann ein neues Verwaltungsgebäude entstehen. „Kein Prunkbau“, sagt Blank, „sondern ein zweckmäßiges Gebäude.“ Die Feuerwehr könnte nach seinem Geschmack ausgelagert werden.

Änderungsbedarf sehen die Freien Wähler auch auf dem Gelände der Tankstelle im Ortskern. Dort würden sie gerne einen kleinen Busbahnhof errichten, damit die Fahrzeuge nicht mehr durchs Zentrum müssen. Im Gegenzug könnte die Tankstelle in ein neues, etwa 15 Hektar großes Gewerbegebiet an der Autobahnauffahrt ziehen. Das Problem: Die nicht besonders hochwertigen Flächen im Gewann „Dürres Gehege“ gehören Landwirten. Und die sind nicht besonders daran interessiert, dass weitere Flächen versiegelt werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass Möglingen Teil eines interkommunalen Gewerbegebiets des Stuttgarter Regionalverbands in Schwieberdingen wird und die Region im Anschluss wohl kaum zusätzlichen Platz im Flächennutzungsplan schaffen wird.

Die Bürgermeisterin Rebecca Schwaderer, die am Mittwoch 40 Jahre alt geworden ist, hat die Themen in ihrer jüngsten Haushaltsrede angesprochen. Ein Gewerbegebiet an der Autobahn nennt sie darin „naheliegend“. Mit Blick auf das Interkom in Schwieberdingen bekannte sie aber auch: „Derzeit sind uns als Beteiligte die Hände gebunden.“ Die weitere Entwicklung will Schwaderer kritisch verfolgen und Möglinger Interessen „bei passender Gelegenheit in die Diskussion sinnvoller Alternativen einbringen“.

Die Gemeinde braucht jedenfalls Erweiterungsmöglichkeiten. Die letzten Gewerbegrundstücke am Unholder Weg sind im Verkauf, eine Erweiterung ist nur in geringem Umfang möglich, heißt es.

Voraussetzung für eine Offensive im Ortskern ist laut Bürgermeisterin ein neuer Feuerwehrstandort. „Ich bin zuversichtlich, dass wir ein Grundstück finden, das allen Anforderungen gerecht wird“, sagt Schwaderer. Danach würde ein neues Rathaus auf die Tagesordnung kommen. Beim alten Gebäude bröckelt die Fassade, das Dach der Tiefgarage ist undicht, die Raumsituation überreizt.

Was die kommunalen Spitzenbeamten und den Gemeinderat bisher von einem Neubau abgehalten hat, ist die finanzielle Situation in Möglingen. Wegen des Leuchtturms Gemeinschaftsschule nimmt die Stadt in den kommenden Jahren Schulden auf. Eine Neue Mitte würde den Haushalt in der Zukunft weiter erheblich belasten. Schwaderer: „Es nützt aber auch nichts, der nächsten Generation Schulden in Form von Steinen zu hinterlassen. Ich meine, jetzt können guten Gewissens auch mal die Feuerwehr und das Rathaus selbst an die Reihe kommen.“