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Caritas

Immer mehr Süchtige suchen Hilfe auf

Probleme mit Alkohol und illegalen Drogen halten sich die Waage – Oft fehlt bei Betroffenen die Einsicht, bereits abhängig zu sein

Wegen Cannabis-Sucht kommen die meisten Klienten zur Suchthilfe. Foto: Daniel Karmann/dpa
Wegen Cannabis-Sucht kommen die meisten Klienten zur Suchthilfe. Foto: Daniel Karmann/dpa

Leicht gestiegen ist die Zahl der Menschen mit Suchtproblemen, die im vergangenen Jahr die Beratungsstelle der Caritas aufgesucht haben. „Die Menschen sind sehr unterschiedlich“, so Dorothea Aschke, Leiterin der Suchthilfe. Manche kommen unter dem Eindruck wiederholt entgleister Wochenenden und Klagen der Angehörigen, manche suchen Rat, weil sie den Führerschein verloren haben. Andere sind wiederum wegen ihres Drogenkonsums mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

„Oft reicht ein Impuls wie der Hinweis auf eine Selbsthilfegruppe aus“, so Aschke im Gespräch. Es gebe aber auch viele Menschen, die eine kontinuierliche Behandlung benötigen. Die Scham, ein Problem mit Alkohol oder Drogen zu haben, sei nach wie vor sehr groß, erzählt die Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin. Fließend seien die Grenzen zwischen einem Missbrauch und einer Abhängigkeit. Kritisch wird es ihrer Einschätzung nach, wenn Menschen Alkohol benötigen, um sich wohlzufühlen, und nicht mehr die Menge des Alkohols, den sie konsumieren, kontrollieren können. Für Betroffene sei die Erkenntnis, dass es sich bei ihnen bereits um eine Abhängigkeit handelt, meist sehr mühsam.

Dass die Klientenzahl seit dem Jahr 2017 gestiegen ist, ist laut Jahresbericht auch eine Folge der offenen Sprechstunde von Chillout: Dieses Beratungsangebot richtet sich speziell an Jugendliche und Erwachsene bis zu 27 Jahren. Bereits seit Oktober 2016 findet auch in der Psychozialen Beratungs- und ambulanten Behandlungsstelle für Suchtgefährdete und Suchtkranke, so die offizielle Bezeichnung, eine offene Sprechstunde statt. Ohne Anmeldung können Erwachsene dienstags von 15 bis 16.30 Uhr in die Einrichtung an der Mömpelgardstraße 4 kommen. Wie in den Jahren zuvor handelte es sich in 2018 bei den meisten Ratsuchenden um Menschen zwischen 30 und 60 Jahren, wobei der Anteil der Menschen von 50 Jahren und darüber konstant ansteigt.

In einigen Fällen kann das Suchtproblem mit der ambulanten Beratung allein nicht gelöst werden: Dann werden die Suchtkranken an stationäre oder ambulante Rehabilitationseinrichtungen vermittelt. Hier bietet die Caritas in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt Hilfe bei der Antragstellung und Vorbereitung an. Weil jede Klinik über individuelle Behandlungsschwerpunkte verfügt, wird bei der Auswahl geholfen, um die bestmögliche Behandlung hinzubekommen. Die Nachsorge kann dann wieder in der Beratungsstelle der Caritas stattfinden. Richtig froh ist Dorothea Aschke über die personelle Verstärkung im Bereich der Begleitung von Menschen, die substituiert werden, also an einem Drogenersatzprogramm teilnehmen. Die Caritas-Mitarbeiter suchen regelmäßig die drei teilnehmenden Arztpraxen auf. Aktuell trifft das auf 250 Menschen im Landkreis zu, die in drei Arztpraxen behandelt werden. „Leider fehlen im Landkreis zwischen 30 und 50 Plätze“, stellt die Leiterin der Beratungsstelle mit Bedauern fest. Gerade Menschen, die nicht stabil sind und jeden Tag die Ersatzdroge benötigten, verbringen viel Zeit auf der Strecke. Dass es kaum noch eine offene Drogenszene im Landkreis Ludwigsburg gibt, ist ihrer Meinung nach der Substitution Drogenkranker zu verdanken.

„Für viele Menschen ist der Verlust des Führerscheins wegen Alkohol- oder Drogenkonsums das Schlüsselerlebnis, das sie in die Beratungsstelle führt“, hat Dorothea Aschke festgestellt. So werden Wochenendkurse für die Vorbereitung auf die Medizinisch-Psychologische Überprüfung angeboten. Im Vorjahr lag die Teilnehmerzahl bei 38.

Dass die Arbeit der Caritas-Mitarbeiter Früchte trägt, zeigt der Blick auf die Situation der Klienten, die ihre Betreuung beendet haben. Bei 354 Menschen – das entspricht einem Anteil von 48 Prozent – war das Suchtproblem gelöst oder zumindest eine Verbesserung erzielt worden. Bei 14 Personen hatten sich die Symptome verschlechtert. Als unverändert wird aus rein statistischer Sicht die Problematik bei den Menschen eingestuft, bei denen es bei einem Einmalkontakt geblieben ist.

Info: Informationen über das Beratungsangebot im Internet unter www.caritas-ludwigsburg-waiblingen-enz.de. Ein telefonischer Kontakt ist möglich unter (0.71.41) 97.71.10.

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