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Schulen

Immer wieder Ärger mit den Elterntaxis

In Ludwigsburg gibt es bereits mehrere Elternhalts vor den Schulen –VCD und Kinderhilfswerk regen an, mit Bus, Rad oder zu Fuß zu kommen

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Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Die Schule beginnt – und damit wächst auch wieder der Druck in den Straßen. „Heute fahr’ ich sie mal“, heißt es dann bei den Eltern, oder man ist an diesem ersten Tag nach den Ferien trotz allem spät dran. Dann muss es schnell gehen, das Auto steht bereits vor der Tür. Vor den Schulen – das zeigt ein Blick in die Diskussionen in der Innenstadt wie in den Stadtteilen – gibt es dann meist Ärger. Elterntaxis verstopfen die Straßen, gefährden schlimmstenfalls die Kinder.

Solche Situationen will der Verkehrsclub Deutschland und das Kinderhilfswerk vermeiden helfen. „Das Elterntaxi hilft den Kindern nicht“, so das Kinderhilfswerk. Für Claudia Neumann gibt es eigentlich „keinen Grund, Kinder morgens mit dem Auto zur Schule zu chauffieren“. Die Verbände ermuntern, die Kinder zu Fuß, mit Roller oder Fahrrad zur Schule zu schicken. Bei weiteren Strecken hilft der Bus.

In den Schulen ist das Dauerthema. Die Rektoren werben dafür, auf das Elterntaxi zu verzichten und lieber mit den Kindern zu üben, wie sie am besten in die Schule kommen. „Das habe ich meinen Fünfern beim Elternabend empfohlen“, sagt Rektor Wolfgang Medinger, der das Goethe-Gymnasium in der Arbeitsgemeinschaft Campus (ARGE) angehört. „Auf meine Frage, wie viele mit dem Rad in die Schule kommen wollen, hat mehr als die Hälfe gestreckt.“ Als Schulleiter kennt er die Situation in der Alleenstraße gut. „Eltern-Pkw, die sich da reindrängen, sind eine Gefahr für die Kinder“, warnt er. Manchen Eltern sehe man auch das schlechte Gewissen an, wenn sie dort halb auf dem Gehweg parken. Die Sperrung der Allenstraße im oberen Teil hat sich positiv ausgewirkt, so der Eindruck.

„Die Schüler fühlen sich sicherer“, so auch die Rückmeldung von Christine Bechmann, Sprecherin der ARGE. Mit Bus oder Fahrrad in die Schule zu fahren, habe noch keinem geschadet, sagt sie. „Eltern sollten den Kindern auch zutrauen, dass sie den Weg allein meistern können.“ Zumal auch die Bushaltestellen nicht weit vom Campus entfernt sind. Sie will allerdings niemand bevormunden, je nach Situation sei es auch vertretbar, sein Kind mit dem Auto zu bringen. Sie selbst fährt auch ab und zu vor.

Für solche Zwecke hat die Stadt extra Haltestellen für Eltern eingerichtet. Mal werden sie als Elternstopps oder Elternhalte bezeichnet, mal als „Kiss & drop“-Zone. Beim Campus gibt es zwei, und zwar seit dem Frühjahr in der Solitudestraße und bei der Filmakademie in der Mathildenstraße. Die Elternhalte werden gut angenommen, so der Eindruck von Bechmann. Es kommt weniger zu Verkehrsstockungen. Ein Leser schlägt stattdessen Haltepunkte für Eltern in der Leonberger Straße und Stuttgarter Straße vor, um die Alleenstraße und die Karlstraße zu entlasten.

Auch in den Stadtteilen gibt es stets Ärger mit den Eltern, die mit ihrem Auto möglichst direkt vor der Schule halten wollen. Erst jüngst ist heftig über die Situation an der Eichendorfschule in Grünbühl diskutiert worden. Obwohl vor der Schule absolutes Halteverbot herrscht, halten dort viele Eltern mit ihrem Auto, um ihre Kinder zu bringen und zu holen. Nicht nur das: In der Donaustraße parken sie auch in zweiter Reihe. „Gott sei Dank ist da noch nichts passiert“, resümiert die SPD-Stadträtin Regina Orzechowski, die in Grünbühl-Sonnenberg wohnt und die Situation als gefährlich einstuft. Denn die Kinder, die zu Fuß oder mit dem Rad kommen, müssen dort über die Straße. Die Stadt überlegt nun, in der Pregelstraße beim TSV-Vereinsheim einen Elternhalt einzurichten. Aus ihrer Sicht der richtige Weg. Vor der Schule, sagt sie, geht das gar nicht.

In Poppenweiler ist das ebenfalls ein Thema. Elterntaxis sollten ausgebremst werden, hieß es dort im Stadtteilausschuss. Besser wäre ein Bus auf Beinen – eine Aktion, bei der die Schulkinder sich gemeinsam auf den Schulweg machen. In Oßweil hat sich die August-Lämmle-Schule mit den Eltern beschäftigen müssen, die direkt vor der Schule vorfahren und andere Kinder gefährden. Zumal sich ein großer Teil zu Fuß auf den Weg gemacht hat.

In Hoheneck, wo herbeifahrende Eltern vor der Grundschule regelrecht die Sackgasse mit ihren Autos verstopften, ist vor zwei Jahren der erste Elternhalt in Ludwigsburg eingerichtet worden. „Ein absolutes Novum in unserer Stadt“, hatte damals der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried für die eigens ausgewiesenen Elternparkplätze geworben. Die Hol- und Bringzonen befinden sich im Umfeld der Schule an der Wilhelm-Nagel- sowie an der Überkinger Straße. Neu eingerichtet wurde in diesem Jahr ein weiterer Elternhalt in der Weststadt beim Bildungszentrum. Parkplätze sind in diesem Umfeld jedoch ein knappes Gut – weshalb der eigens ausgewiesene Elternhalt vor der Osterholzschule seinerseits Ärger verursacht hat. Anwohner beklagten sich darüber. Die Stadtverwaltung verwies indes auf die Gefährdung der Kinder. Immer wieder seien vor Schulbeginn und nach Unterrichtsende in der Kaiserstraße die Fahrbahn, aber auch Gehwege und sogar Feuerwehrzufahrten durch Autos wartender Eltern blockiert gewesen, dazwischen jene Kinder, die tatsächlich noch zu Fuß zu den Schulgebäuden gehen. Die Elternhalte hätten sich bewährt.

Der Verkehrsclub Deutschland und das Kinderhilfswerk sind dennoch der Auffassung, dass Eltern den Kindern etwas vorenthalten. Kinder, die sich selbst auf den Schulweg begeben, lernen, auf sich und andere aufzupassen, heißt es in einer Pressemitteilung. „Das stärkt die Eigenverantwortung und das Selbstbewusstsein.“ Für ARGE-Sprecherin Bechmann ist der Schulweg auch ein Freiraum, den die Kinder selbst ausfüllen können – und sei es, dass sie sich mal einen Kaugummi kaufen.

Die Polizei Ludwigsburg rät, darüber nachzudenken, dass Eltern vor den Schulen teils regelwidrig anhalten und etwa beim Wenden auch andere gefährden können. „Solche Situationen sollten möglichst vermieden werden“, sagt Polizeisprecherin Tatjana Wimmer. Ihren Angaben zufolge gibt es auf den Schulwegen in Ludwigsburg jedoch keine auffälligen Unfallschwerpunkte. Vergangenes Jahr sind in der Gesamtstadt sechs Unfälle in der Unfallstatistik zu verzeichnen, die auf dem Schulweg passiert sind.

Info: Die Polizei veranstaltet gemeinsam mit der Verkehrswacht und anderen Partnern am Wochenende, 16. und 17. September, die Aktion Sicherer Schulweg im Unteren Schlossgarten im Blühenden Barock. Das Angebot richtet sich Eltern und Kinder.Kinderhilfswerk und Verkehrsclub rufen jedes Jahr einen „Zu Fuß zur Schule“-Tag aus. An diesem Tag werden Kinder aufgefordert, sich zu bewegen – also zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Roller zur Schule zu kommen. Auch Eltern, Lehrer und Erzieher sollen mitmachen und an diesem Tag das Auto stehen lassen. Die Aktionstage richten sich gezielt an Grundschulen und Kindergärten und finden in diesem Jahr vom 18. bis zum 29. September statt.