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Landesgartenschau

Ja zur Bewerbung ohne Tunnel

Eine Überdeckelung der Bundesstraße zwischen Schloss und Innenstadt sollte der große Mehrwert einer Landesgartenschau in Ludwigsburg sein. Doch die Tunnelpläne werden aus Kostengründen gestrichen. Der Gemeinderat steht trotzdem hinter der Bewerbung – und die Stadt macht jetzt erstmals die Kosten transparent.

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Ludwigsburg. „Wir denken den Tunnel als additives Element mit, aber eine Landesgartenschau in Ludwigsburg wird auch ohne ihn funktionieren“, sagte Bürgermeister Michael Ilk, als er jetzt bei den Stadträten im Ausschuss für Mobilität, Umwelt und Technik um Zustimmung warb.

Schon einmal, nämlich 1954, gab es in Ludwigsburg eine Gartenschau. Die war damals als Blumenschau angelegt und sehr erfolgreich. Geblieben ist der Stadt davon das Blühende Barock. Zu dessen 80. Geburtstag im Jahr 2034 soll im besten Fall wieder eine Landesgartenschau stattfinden – und zwar in der ganzen Stadt. Die Idee: neue Grünflächen, Entsiegelung und Ausgleichsräume durch den grünen Ring. „Unsere Maßnahmen sind klimawirksam“, sagte Jürgen Straß (Projektleitung Landesgartenschau im Rathaus). Tests hätten ergeben, dass die gefühlte Temperatur sich im Sommer gezielt um bis zu 17,5 Grad Celsius senken lasse.

„Mit der Gartenschau gegen den Klimawandel unterscheiden wir uns von den anderen Bewerbern“, so Straß. „Wir wollen den Menschen und seine Bedürfnisse in den Fokus nehmen“, ergänzte Jens Kenserski von der Agentur Pulsmacher, welche die Bewerbung begleitet. Deswegen werde es auch im Februar und März Grüner-Ring-Tage in den Stadtteilen geben.

Das Konzept war den Stadträten nicht ganz neu – wobei zuvor der Fokus immer auf dem Tunnel lag, der bei den aktuellen Haushaltsberatungen aber von der Agenda gestrichen wurde. Erstmals legt die Stadt jetzt einen Kostenplan für eine Gartenschau vor: Für die Daueranlagen rechnet sie mit Kosten von 12,5 Millionen Euro. Den größten Posten macht dabei der Grüne Ring mit vier Millionen Euro aus. Für mehr grüne Innenhöfe werden 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Grün werden sollen auch der Karlsplatz bei der Friedenskirche und der große Hof im Kunstzentrum Karlskaserne, das schlägt mit 1,5 und einer Million Euro zu Buche. Diese Investitionen in eine grüne Infrastruktur sollen knapp zur Hälfte, nämlich mit sechs Millionen Euro, durch Fördermittel refinanziert werden. Neben den Investitionen werden auch die Organisation und die laufenden Kosten im Ausstellungsjahr das städtische Budget belasten. Bisher sind dafür zwölf Millionen Euro kalkuliert.

Von den Kosten, so hofft die Stadt, könnten mindestens zehn Millionen Euro über Einnahmen finanziert werden. Auf die Stadt käme nach bisherigen Berechnungen ein Eigenanteil von 8,5 Millionen Euro zu.

Im April rechnet das Projektteam im Rathaus mit dem Besuch der Bewerbungskommission. „Wir haben die Hoffnung, dass durch Zuschüsse eine andere Dynamik entsteht“, so Straß. Viele Projekte sollen auch dann vorangetrieben werden, wenn es mit der Bewerbung nicht klappt.

„Die Bewerbung macht Sinn, wir hoffen auf einen Zuschlag“, sagt Frank Handel (Grüne). Auch die CDU begrüßt die Bewerbung, doch es sei noch Luft nach oben. „Ich sehe noch nicht, wie die Stadtteile genau integriert werden“, kritisiert Armin Klotz. „Es ist ein Zukunftsprojekt, keiner weiß, wie es dann in Ludwigsburg aussieht“, erinnert Andreas Rothacker (FW). Wichtige Mobilitätsfragen müssten vorher geklärt werden. „Alle Städte mit Gartenschauen in Baden-Württemberg waren begeistert“, erinnerte Margit Liepins (SPD). „Wir müssen unabhängig von der Bewerbung etwas machen“, mahnt sie. Die FDP hält nicht viel davon, auf den Tunnel zu verzichten: „Wir stehen dazu, weil wir das Optimale für unsere Bevölkerung wollen“, sagt Stefanie Knecht.

Die FDP stimmte am Ende nicht für die Gartenschau-Bewerbung, sondern enthielt sich, ebenso wie die zwei Linken-Stadträte. Für Jürgen Müller (Linke) sind Mobilitätsfragen nicht befriedigend geklärt. Parkmöglichkeiten am Stadtrand seien ihm immer noch viel zu nah dran. „Asperg, Tamm und Kornwestheim wollen nicht zum Parkplatz für unsere Gartenschau werden“, argumentierte dagegen Bürgermeister Michael Ilk.

Fraglich ist für viele Stadträte derweil, ob die eingezäunten Bereiche schlussendlich ausreichen, um genügend Eintrittsgelder einzunehmen. Laut Jürgen Straß sind 10 bis 15 Hektar eingezäunte Fläche von der Kommission gefordert. „Wir haben selbst ohne das Blühende Barock 12 Hektar“, so Straß, der überzeugt ist, die Besucherzahlen von Lahr auch hier zu erreichen.

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