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Alleenstraße

Jetzt werden die Radfahrer gezählt

Gestern hat sich Ludwigsburg eingereiht in die Städte, die ein Rad-Barometer haben. Über Induktionsschleifen in der Fahrbahn werden die Radfahrer gezählt, die in der Alleenstraße vorbeifahren.

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Ludwigsburg. Richtig Einsatz zeigte gestern Ludwigsburgs „Rad-Bürgermeister“ Michael Ilk. Ausgerüstet mit E-Bike und Fahrradhelm fuhr er bei nasskaltem Wetter die Alleenstraße entlang – um die neue Fahrradzählstelle einzuweihen. „Es funktioniert“, sagte er erleichtert, vom Regen tropfte das Wasser nur so vom Helm. Mit dabei waren an diesem Tag auch Vertreter der Radinitiative und des ADFC.

Schon wenige Minuten nach 16 Uhr hat der Rad-Barometer, wie ihn die Firma Eco Counter nennt, schon 25 Radler gezählt. Genauer gesagt: Radfahrten. Denn so mancher fuhr zweimal durch, um zu sehen, ob die Zählstation auch wirklich jeden Radfahrer erfasst. Die ersten, die vorbeifuhren, waren übrigens eine Frau mit zwei Kindern. Ilk, obwohl schon früh am Start, kam als Nummer 5 durch.

Inzwischen haben viele Städte eine solche Zählstation, die anzeigt, wie viele Radfahrer pro Tag vorbeifahren und wie viele es insgesamt sind. Bremen war ganz früh dran, in Baden-Württemberg stellte Freiburg vor fünf Jahren die erste Zählstation auf. In Hamburg testete ein Fernsehsender die Station und stellte fest, dass ein Lastenfahrrad nicht gezählt wurde, dafür aber auch ein Gassigeher mit seinem Hund.

Die Zählstationen haben dennoch eine sehr hohe Genauigkeit von 95 Prozent. Die schmale technische Stele – sie steht auf Höhe der Alleenhalle – kann sogar Radfahrer erfassen, die im Pulk vorbeifahren, wie das bei Schülern oft der Fall ist. Es werden auch beide Fahrtrichtungen gemessen und zusammengezählt. Autos werden nicht erfasst. Die Kosten für die Station belaufen sich auf 30 000 Euro.

Die Alleenstraße gilt als eine der Hauptrouten des Radverkehrs und wird insbesondere von Schülern, aber auch von Pendlern zum Bahnhof intensiv genutzt. Die Dauerzählstelle bietet die Möglichkeit, die Radverkehrsmengen über einen längeren Zeitraum zu beobachten und zu analysieren, so die Radbeauftragte Karin Rebstock. Um beispielsweise den Einfluss von Jahreszeiten, Wetter oder auch Ferienzeiten zu ermitteln. Auch wie sich Änderungen in der Radinfrastruktur auswirken, kann mit Hilfe der Zählstation abgeschätzt werden. Die Ergebnisse sollen im Internet veröffentlicht werden. „Fahrräder sind auf der Alleenstraße das vorherrschende Verkehrsmittel“, heißt es – Autofahrer können das nun täglich ablesen. Die Zählstelle motiviere vielleicht auch manchen dazu, öfter mal aufs Rad umzusteigen.

Die Alleenstraße ist derzeit provisorisch eine Fahrradstraße. Nächstes Jahr soll entschieden werden, wie es weiter geht. Im oberen Teil ist die Straße testweise für Autos gesperrt worden. Dies wird, so Ilk, wohl nicht zu halten sein. Zumindest zeitweise – außerhalb der Schulzeiten oder in den Ferien – werde man die Straße öffnen müssen, weil der Verkehr nicht abfließen kann. Planungen, die Fahrradstraße über die B 27 hinweg in die Friedrich-Ebert-Straße fortzuführen, stocken derzeit. Größere Baumaßnahmen, etwa für eine eigene Fahrspur zu den Bärenwiesen-Parkplätzen, wird es nicht geben. Allerdings soll der Übergang gesichert werden, auch eine getrennte Radfahrspur ist weiter im Gespräch.