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stadtgründungsfeier

Kämpferin für eine inklusive Stadt

Oberbürgermeister Werner Spec zeichnet Brigitte Seiferheld mit Bürgermedaille aus – Feier mit zahlreichen Gästen

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Mit der Bürgermedaille hat OB Werner Spec gestern Brigitte Seiferheld ausgezeichnet. Auch ihr Ehemann Frieder applaudiert.Foto: Karin Rebstock

Ludwigsburg. In gewohnt festlichem Rahmen ist gestern Abend die Stadtgründungsfeier im Ordenssaal des Residenzschlosses begangen worden. Damit erinnert die Stadt Ludwigsburg jedes Jahr an die Grundsteinlegung des Ludwigsburger Residenzschlosses am 7. Mai 1704 und somit an die Anfänge der Stadtgeschichte. Für Oberbürgermeister Werner Spec handelt es sich dabei zweifellos um eine Erfolgsgeschichte, wie er in seiner Rede vor Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Bildung, Kirche und Sozialem deutlich machte.

Mit Brigitte Seiferheld stand jedoch eine Frau im Mittelpunkt, die sich seit 50 Jahren für die Rechte von Behinderten stark macht. Dafür wurde sie mit der Bürgermedaille ausgezeichnet.

Doch zunächst hieß Werner Spec die zahlreichen Gäste willkommen, die mit Musik von Georg Friedrich Händel eingestimmt worden waren. Das Sinfonieorchester Ludwigsburg unter Leitung von Hermann Dukek war für den musikalischen Part verantwortlich. Medienwissenschaftler Prof. Dr. Bernhard Pörksen hielt die Festrede.

Der Oberbürgermeister spannte in seiner Rede den Bogen zum Nachbarland Frankreich, wo es mit Marine Le Pen eine Rechtspopulistin in die Stichwahl zur anstehenden Präsidentenwahl geschafft hat. So bedauerlich die Entwicklung auch sei, so berge diese auch Chancen. „Lassen Sie uns diese ergreifen“, appellierte Spec an seine Zuhörer. Es sei an der Zeit Ideale wiederzubeleben, für die sich Lucien Tharradin eingesetzt habe. Der frühere Bürgermeister von Montbéliard hat die erste deutsch-französische Städtepartnerschaft mit Ludwigsburg begründet.

Diese sei von den Württemberger Herzögen nicht als irgendeine Stadt geplant worden, sondern als neue Residenz und als modellhafte Stadt. „Heute würde man sagen Zukunftsstadt“, so Spec. Die Barockstadt habe sich seitdem kontinuierlich entwickelt. „Wir frönen nicht dem Mainstream, sondern suchen beständig nach den besten Lösungen der Gegenwart und Zukunft“, knüpfte er an den Beschluss des Gemeinderats an, der sich in dieser Woche für die Einführung von Stadtbahn und BRT-Bussen ausgesprochen hat.

Der OB würdigte den Einsatz von Brigitte Seiferheld, die seit einem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen ist. Trotzdem habe sie nicht resigniert, sondern engagiere sich mit unermüdlichem Engagement – ob im VDK, im Stadtseniorenrat, im Frauenforum oder als Vorsitzende des Vereins „Selbstbestimmt Mobil“. Spec hob hervor, dass sie „eine unverzichtbare Ratgeberin auf dem Weg zu einer inklusiven Stadt“ geworden sei. „Sie sind ein herausragendes Beispiel für aktives bürgerschaftliches Verständnis und Engagement“, sagte er, bevor er die Auszeichnung überreichte. „Die Bürgermedaille ist eine große Überraschung für mich gewesen“, sagte Brigitte Seiferheld. Sie nutzte die Gelegenheit, um ihre Initiativen vorzustellen. Besonders hob sie den Einsatz für erhöhte Bushaltestellen, für den Einbau von Aufzügen am Bahnhof oder für verbesserte Zugänge zu den Geschäften und für barrierefreies Bauen hervor.

Als Zukunftsaufgaben benannte sie, Wege und Übergänge in der Stadt zu verbessern. Ein großes Manko ist für sie das Fehlen eines behindertengerechten Hotels. Schwächen macht sie auch in Kinos und im Forum am Schlosspark aus. Die wenigsten Arztpraxen in Ludwigsburg seien barrierefrei erreichbar. „Es gibt also noch viel zu tun, packen wir es an.“ (Weiterer Bericht folgt in der Montagsausgabe)