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Baustellen

Kampf gegen den Schleichverkehr

Sperrungen belasten die Weststadt – Anwohner in einem Viertel kritisieren die mangelnde Beschilderung und Beteiligung

Ein ruhiger Moment an der Ecke Jenisch-/Eugen-Bolz-Straße für Reinhard Hanwig, Gisela Hertlein, Wolfgang Rücker, Rolf Slefarski, Wilfried Würth, Karin Slefarski, Christine Wank, Heike Lutz (v.l.). Im Hintergrund ist die Baustelle auf der Osterholzall
Ein ruhiger Moment an der Ecke Jenisch-/Eugen-Bolz-Straße für Reinhard Hanwig, Gisela Hertlein, Wolfgang Rücker, Rolf Slefarski, Wilfried Würth, Karin Slefarski, Christine Wank, Heike Lutz (v.l.). Im Hintergrund ist die Baustelle auf der Osterholzallee zu erkennen. Foto: Janna Werner

Rolf Slefarski wohnt eigentlich in einer ruhigen Straße. Eigentlich. Seit die Stadt aber die Weststadt mit Baustellen zugenagelt hat, drängelt sich der Verkehr durch seine Jenischstraße. Wie das ganze Viertel in der Spange zwischen Osterholz- und Gänsfußallee ist das eine Anliegerstraße. „Daran hält sich keiner mehr.“ Vom Ausweichverkehr geplagt, haben sich die Nachbarn zusammengetan und der Stadt eine Unterschriftenliste übergeben. „Zur Behebung der chaotischen Verkehrsverhältnisse in den Anliegerstraßen.“ Die Umleitungsschilder, so die Anwohner, seien völlig unzureichend.

„Ich fahre jetzt Rad, mit dem Auto komme ich nicht mehr durch.“

Wie berichtet, ist die Weststadt durch parallel laufende Baustellen inklusive Sperrungen in Osterholzallee, Schwieberdinger Straße, Kurfürstenstraße, Tischendorf-/Werner-/Martin-Luther-Straße und nicht zuletzt an der Autobahnauffahrt Ludwigsburg-Süd zum Labyrinth geworden. „Ich fahre jetzt Rad, mit dem Auto komme ich nicht mehr durch“, sagt Heike Lutz. Sie wohnt in der Eugen-Bolz-Straße und arbeitet an der Friedenschule. Sie hat erlebt, dass ohne Ankündigung die Baustelle an der Schwieberdinger Straße eingerichtet wurde. Der Schulweg über die vielbefahrene Straße war plötzlich abgeschnitten. „Wir hatten heulende Kinder, die nicht mehr über die Straße kamen.“ Die Eltern verlangten ergebnislos Schülerlotsen von der Stadt. Mittlerweile sind Ferien und Übergänge wieder möglich.

Ähnliche Gedankenlosigkeit werfen die Anwohner der Stadt in Sachen Weststadt vor. Die gesperrte Gänsfußallee wird an der Ecke Asperger-/Martin-Luther-Straße nicht per Schild angekündigt. „Das wäre der erste Platz für ein Schild“, sagt Christine Wank, die in der Jenischstraße wohnt. „Keine Durchfahrt nach Asperg.“ Die Autofahrer treffen bis zur Baustelle und haben dann die Wahl zwischen Gänsfußallee links und Talallee rechts. Wer rechts fährt und dann in die Kurfürstenstraße einfährt, landet wegen der Sperrung in der Kaiserstraße – das Kreiseln beginnt erneut.

Wer links fährt, sucht sich den Weg durch das Viertel, um hinter der Baustelle wieder auf die Osterholzallee in Richtung Asperg zu kommen. Dabei hat die Stadt eine reguläre Umleitung über die Mörikestraße und Schlieffenstraße eingerichtet. Die aber, so die Anwohner, völlig unzureichend ausgeschildert sei. Und so führt der Weg durch die Eugen-Bolz-, die Wilhelm-Blos- oder die Wernerstraße – um dann doch wieder von der Jenischstraße auf die Mörikestraße einzubiegen. „Sie gewinnen gar nichts“, sagt Karin Slefarski.

In ihrem Viertel haben mit ihren Unterschriften immerhin erreicht, dass die Stadt an der Gänsfußallee mehr Umleitungsschilder installiert hat. In einer Straße steht nun ein Smiley-Geschwindigkeitsmesser. Gisela Hertlein, die in der Eugen-Bolz-Straße wohnt, spricht von gefährlichen Situationen und steigender Aggressivität. Die Baustelle soll noch bis April 2020 dauern. „Da werde ich noch angepöbelt, wenn ich ausladen muss, oder einparke.“

Mehr Kontrollen gefordert: „Die pfeifen hier mit 50 durch.“

Auch ohne Baustellen würden die Anliegerstraßen gerne als Schleichweg benutzt, erzählen die Anwohner. Da sparten die Autofahrer eine Ampel auf dem Weg Schlieffen-/Mörikestraße. „Da wird auch mal gegen die Einbahnstraße gefahren“, erzählt Karin Slefarski. Wilfried Würth ist in der Jenischstraße zu Hause und fordert mehr Kontrollen: „Die pfeifen hier mit 50 durch.“

Hilfreich hätten es die Anwohner auch gefunden, wenn die Stadt sie vor der Baustelle schriftlich informiert hätte. Noch hilfreicher, wenn sie in die Umleitungsmaßnahmen einbezogen worden wären, inklusive verlegten Bushaltestellen, Kontrollen und Beschilderung. „Die Umleitungsschilder sind viel zu klein und es sind zu wenig“, sagt Karin Slefarski. Die schiere Menge an Baustellen wundert ebenfalls. „Wer genehmigt denn sowas?“, fragt Wolfgang Rücker. „Und warum arbeiten sie nicht im Zwei- oder Dreischichtbetrieb?“, schiebt Wilfried Würth hinterher. „Sie gehen gar nicht auf die Leute ein.“

Und langfristig würden sie sich auch eine Parkordnung für ihr Viertel wünschen – für die Ortsfremden und diejenigen, die über die Ecke parken. Früher, erzählt Rolf Slefarski, habe es so eine Art rote Parkzettel für Anlieger gegeben. Jetzt aber werde alles zugeparkt. Ohne Ausweise für die Anwohner sei es gar nicht möglich zu kontrollieren, wer Anlieger ist und wer nicht.

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