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württembergische meisterschaften

Karnevalsspaß ist auch Leistungssport

An beiden Tagen jeweils über 600 Besucher und somit zweimal ausverkauftes Haus im Sport- und Kulturzentrum in Eglosheim: Die am Wochenende von den Neckarweihinger Mistelhexen erstmals ausgerichteten 49. Württembergischen Meisterschaften in den karnevalistischen Tänzen bewiesen, dass es sich hier um Leistungssport gepaart mit Akrobatik handelt.

Von wegen Rumgehüpfe: Bei den Gardemannschaften geht es um Hochleistungsturnen, das ganze Jahr wird trainiert.Fotos: Holm Wolschendorf
Von wegen Rumgehüpfe: Bei den Gardemannschaften geht es um Hochleistungsturnen, das ganze Jahr wird trainiert. Foto: Holm Wolschendorf
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Ludwigsburg. Weit über 700 Tänzer stellten sich am Wochenende in drei Altersklassen einer siebenköpfigen Fachjury. Auch wenn die Tanzpaare, Tanzmariechen und Garden zum närrischen Geschehen gehören, sind diese Tanzwettbewerbe alles andere als Jux und Tollerei, sondern sportliche Großereignisse, wo schon die Jüngsten ab sechs Jahren Höchstleistungen bringen.

Warmmachen früh am Morgen

Und die standen bereits zusammen mit Angehörigen und Betreuern am Samstag in aller Herrgottsfrühe auf der Matte, um sich beim Jugendwettbewerb mit anderen Teilnehmern zu messen. Kaum hatten die Organisatoren die Türen geöffnet, begann das Aufwärmtraining in der zweigeteilten Sporthalle, während in der benachbarten Kulturhalle die ersten Besucher Platz nahmen. Die Spannung war deutlich zu spüren und bald glich der Austragungsort einem sportlichen Hexenkessel. Die startenden Tanzmariechen, Paare, Garden und Schautanzgruppen wurden mächtig angefeuert.

Der Vorsitzende der Mistelhexen, Stefan Diefenbach, eröffnete zusammen mit dem Vorsitzenden des Tanzausschusses im Landesverband Württembergischer Karnevalsvereine, Jürgen Heugel, die Veranstaltung, bei der es schließlich Schlag auf Schlag ging und bei der eine kritische Jury die Darbietungen bewertete.

Schon der Aufmarsch der Garden wird bewertet. Dieser sollte im Gleichschritt sowie im Takt der Musik geschehen. Das äußerliche Erscheinungsbild mit herausgeputzten, einheitlichen Uniformen spielte ebenso eine Rolle wie der natürliche Gesichtsausdruck. Es sollten dabei möglichst viele verschiedene Schrittkombinationen gezeigt werden. Spagat, Sprünge und Radschlagen brachten ebenso Punkte wie die Exaktheit der Ausführung. Auch die Choreographie spielte eine Rolle, Musik und Tanz sollten eine Einheit bilden. Was im karnevalistischen Tanzsport möglich ist, zeigte die Rote Garde des Vereins „Die Filderer“, die im vergangenen Jahr immerhin Deutscher Meister wurde und jetzt auch wieder bei den Württembergischen Meisterschaften brillierte und sich für die Süddeutschen Meisterschaften qualifizierte. Die Filderer setzen Maßstäbe. Und der Jubel war groß, als sie nach ihrer Aufführung wieder etliche Punkte holten.

„Der Leistungssportgedanke ist bei uns nicht so stark ausgeprägt“, sagte die Betreuerin der Neckarweihinger Mistelhexen-Garden, Heidi Neumann. „Wir sind keine Kaderschmiede“, ergänzte der sportliche Leiter Michael Fickert. Dabeisein war für den Verein, der närrisches Brauchtum und Tanzsport gleichermaßen pflegt, alles. Die Mistelhexen waren mit zwei Tanzmariechen und einer Schautanzgruppe in der Jugendklasse, mit einer Garde und zwei Tanzmariechen bei den Junioren ab zwölf Jahren und mit drei Tanzmariechen sowie einer Garde bei den Aktiven über 15 Jahren vertreten.

Meisterschaft lief wie am Schnürchen

Mit der Ausrichtung der Württembergischen Meisterschaften betraten die Mistelhexen Neuland und sie bewältigten diese Aufgabe mit Bravour. Immerhin herrschte das ganze Wochenende durch Hochbetrieb, und da mussten die Räder ineinander laufen. Von der Registrierung der Starter bis zur Bewirtung: Rund 100 Mitglieder waren eingespannt, alles lief wie am Schnürchen. Die Verlegung des Ausrichtungsortes von der ursprünglich vorgesehenen Mehrzweckhalle Oßweil in das Sport- und Kulturzentrum in Eglosheim war richtig. Die Lösung mit den zwei Hallen und somit den größeren Raumkapazitäten hatte sich angesichts des großen Starterfeldes als optimal erwiesen.

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