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Verkehr

Kein Blankoscheck für die Bahn

Verbreiterung der Brücke in der August-Bebel-Straße kostet 7,6 Millionen Euro – Neue Brücke bei Stadtbahn-Haltestelle?

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Vier Gleise oben, unten die Autos. Eine Verbreiterung für Radfahrer und Fußgänger rückt in weite Ferne.Archivfoto:Janina Rodeit

Ludwigsburg. Was die Verwaltung noch vor einem Jahr als „Befreiungsschlag für sämtliche Verkehrsteilnehmer“ gefeiert hat, soll nun beerdigt werden. Es geht um die Verbreiterung der Bahnunterführung in der August-Bebel-Straße – mit nur einer Stimme mehr beschloss der Bauausschuss des Gemeinderats den Vorschlag der Stadt, nicht mehr Geld zur Verfügung zu stellen und notfalls auf diese zunächst als wichtig erachtete Maßnahme zu verzichten.

Der Grund für den Rückzug sind deutlich höhere Kosten: Statt 3,7 Millionen Euro will die Bahn nun 7,6 Millionen Euro von der Stadt. Und das, so Baubürgermeister Michael Ilk, sei noch nicht das Ende der Fahnenstange, weil es lediglich eine Kostenschätzung ist. „Die Stadt soll einen Blankoscheck unterschreiben“, sagte Ilk im Ausschuss. „Das machen wir nicht, das geht mir zu weit.“

Wie berichtet, will die Bahn die Eisenbahnüberführung in der August-Bebel-Straße – es ist die Strecke in Richtung Asperg – ersetzen. Die Stadt wollte sich einklinken, um diese Verbindung zwischen Weststadt und Ludwigsburg, die zum Hauptverkehrsstraßennetz gehört, zu verbessern. Die dortige Kreuzung sollte übersichtlicher werden, Rad- und Gehwege sollten eingerichtet werden. Die Strecke gilt bislang auch als eine der Hauptradrouten im Radverkehrskonzept.

Haltestelle für die Bahn beim Bildungszentrum West

Sollte die Bahn die Brücke ohne eine höhere Kostenbeteiligung nun nicht verbreitern wollen, sei auch möglich, eine Querung – als Durchstich oder Brücke – von der Bismarckstraße in die Kurfürstenstraße in Betracht zu ziehen, so die Verwaltung. Diese könnte auch mit der Stadtbahn-Haltestelle am Bildungszentrum West zu tun haben. Die Stadt überlegt, auf dem kürzlich dort zum Kauf angebotenen Gelände direkt am Bahngelände, eine Haltestelle an der geplanten reaktivierten Bahnstrecke Richtung Markgröningen einzurichten. Die Stadt will dazu ein Konzept ausarbeiten und beide Themen zusammenführen.

Für CDU und Freie Wähler kommt diese Wende gerade recht. Sie wollen in der August-Bebel-Straße und Kurfürstenstraße keinen Radweg und schlagen vor, das Geld lieber für eine Route über die Bismarckstraße zu verwenden. „Wir hätten dann dafür das Geld frei“, so Wilfried Link (CDU). Er sieht in der August-Bebel-Straße das Problem mit der zweiten Brücke nicht gelöst. Diese könne nicht verbreitert werden, und wenn, müsste nicht nur eine, sondern beide Brücken gemacht werden. „Wir hätten viel Geld ausgegeben und es wäre doch nur eine halbe Sache“, betonte auch Bernd Remmele (Freie Wähler).

Ganz anders sahen es Grüne, SPD und Lubu. „Wenn wir es jetzt nicht machen, bleibt es so für die nächsten hundert Jahre“, warnte Dieter Juranek (SPD). „Das jetzt abzusagen, finde ich riskant.“ Dass sich Ludwigsburg an den Kosten beteiligen müsse, sei von vornherein klar gewesen. Er bezweifelt, ob es günstiger ist, von der Bismarckstraße aus einen Durchstich zu machen, zusätzlich braucht man eine Brücke. „Das wird nicht billiger.“ Die Verbreiterung in der August-Bebel-Straße wäre eine deutliche Verbesserung der Verkehrssituation.

Elfriede Steinwand (Grüne) schlug vor, mit der Bahn erneut zu verhandeln, es sei bekannt, dass sie bei den Kosten „möglichst viel abschieben“ wolle. Das Projekt sollte jetzt nicht auf Eis gelegt werden. „Ein ganz falsches Signal für die Verkehrspolitik“, so Elga Burkhardt (Lubu). Die August-Bebel-Straße sei wichtig für die gesamte Infrastruktur dort. „Wir müssen uns auch ein bisschen mehr um umweltfreundlichen Verkehr kümmern.“

Die Grünen forderten die Verwaltung auf, den Beschluss zurückzuziehen. Markus Gericke wehrte sich gegen den „Todesstoß“ für das Projekt. „Wir verbauen uns die Zukunft“, warnte Margit Liepins (SPD). Der Baubürgermeister, der es auch bei einer Info für die Stadträte belassen hätte, sagte zu „nochmal zu verhandeln“: „Ich werde bei der Bahn anrufen.“ Bis der Gemeinderat berät, gibt es möglicherweise neue Erkenntnisse.

Bahn verweist auf gesetzlich geregelte Kostenteilung

Die Bahn zeigt sich bei solchen Themen allerdings wenig gesprächsbereit, hieß es seitens der Verwaltung. Sie halte sich bei der Kostenaufteilung an das Eisenbahnkreuzungsgesetz, das für sie bindend sei. „Wir waren auch erschrocken“, sagte die Leiterin des Fachbereichs Tiefbau und Grünflächen, Ulrike Schmidtgen, zu den von der Bahn ermittelten Kosten. Fest stehe aber: „Die Stadt muss den größeren Part übernehmen.“