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Kontroverse

Kein Oben-ohne-Baden für Frauen in Ludwigsburg

Die Stadt Göttingen ist Vorreiter: Seit Mai dürfen Badegäste in allen städtischen Schwimmbädern obenrum die Hüllen fallen lassen. Ob das auch ein Modell für Ludwigsburg ist? Wir haben nachgefragt.

Freibad
Oben rum frei dürfen sich im Schwimmbad bisher meist nur Männer zeigen. In Göttingen soll sich das ab Anfang Mai ändern. Dabei geht es den Oben-ohne-Befürwortern um mehr als dem Spaß am Nacktbaden. Foto: Annette Riedl

Ludwigsburg. Noch bis vor kurzem galt auch für die Göttinger Schwimmbäder das, was auch sonst üblich ist: Badehose für Männer, Badeanzug oder Bikini für Frauen.

Ausgelöst hatten die Debatte Mina Berger und das feministische Göttinger Bündnis „Gleiche Brust für alle“. Berger heißt eigentlich anders, möchte aber anonym bleiben. Im August vergangenen Jahres hatte Berger in einem Göttinger Hallenschwimmbad das Bikini-Oberteil ausgezogen. „Das hat sich gut angefühlt zu merken: Ich fühle mich einfach wohler, wenn ich nicht dieses Oberteil an meinem Körper kleben habe“, wird sie von der Deutschen Presseagentur zitiert. Berger bezeichnet sich selbst als non-binär, identifiziert sich also weder als Frau noch als Mann. Das Schwimmbad-Personal sah Mina Berger jedoch als Frau an und erteilte ihr mit Blick auf die Badeordnung einen Schwimmbadverweis sowie ein Hausverbot wegen Oben-ohne-Badens.

Bewegungen in ganz Deutschland

Warum ist ein nackter Männeroberkörper okay, nackte Brüste aber nicht? Diese Frage stellen sich nicht nur Aktivistinnen und Aktivisten in Göttingen. Deutschlandweit gründen sich Bewegungen die ein Oben-ohne-Recht für alle Menschen fordern – zumindest für die Orte, an denen sich auch Männer mit nacktem Oberkörper zeigen dürfen. Nun hat Göttingen also entschieden: Oben ohne ist an den Wochenenden auch für Frauen erlaubt. Allerdings vorerst nur bis August. Dann soll die Regelung erneut auf den Prüfstand. In Ludwigsburg ist Oben-ohne-Baden für Frauen nicht möglich. „An uns sind Anfragen in dieser Richtung bis dato noch nicht herangetragen worden“, sagt Astrid Schulte, Pressesprecherin der für die Bäder zuständigen Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim.

Erst mit der Berichterstattung über das Bekanntwerden des „Oben-ohne-Schwimmens“ in Göttingen habe man sich in Ludwigsburg mit der dortigen Regelung beschäftigt. „Aktuell besteht kein Bedarf, ein Oben-ohne-Schwimmen in unseren Bädern anzubieten. Das geht einher mit der Mehrheit der Badbetreibenden in Baden-Württemberg.

Aber FKK ist möglich – zumindest manchmal

Schulte weist jedoch auf folgendes Angebot hin: „Wer sich ohne Badebekleidung wohler fühlt, kann die textilfreie Saunalandschaft im Stadionbad sowie das textilfreie Schwimmangebot im Winterhalbjahr (ebenso im Stadionbad) nutzen.“

Eine Regelung nach Göttinger Vorbild ist in Ludwigsburg derzeit also kein Thema. „Sollte es Anfragen unserer Badegäste geben, setzen wir uns gern damit auseinander“, so Schulte.

Der Göttinger Fall ist nicht der einzige, bei dem darüber diskutiert wurde, was beim Schwimmen als Bekleidung erlaubt oder nicht erlaubt ist. Die Stadt Koblenz hatte vor wenigen Jahren ein Burkini-Verbot (also ein Ganzkörperbadeanzug) in den städtischen Schwimmbädern erlassen. Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz sah darin allerdings das verfassungsrechtliche Gleichbehandlungsgebot verletzt und kippte die Entscheidung der Stadt Koblenz.

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