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Betreuung

Kein Platz für bis zu 500 Kita-Kinder

Starke Geburtenjahrgänge, die Corona-Einschränkungen, neue Stichtagsregeln und der Fachkräftemangel sorgen für enormen Druck in den Kitas

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Kein Zweifel: Die von Corona gebeutelten Eltern, die mit der Doppelbelastung Kinderbetreuung und Homeoffice – und unter Umständen eigenem Arbeitsplatzverlust – bis heute zu kämpfen haben, können auch in der kommenden Saison nicht mit Normalbetrieb rechnen. Schlimmer noch: Bei den unter Dreijährigen (U3) gibt es bei 727 Neuanmeldungen nur 348 Plätze. Bei den Drei- bis Sechsjährigen können von 898 Kindern nur 772 aufgenommen werden. Die Zahlen hat die Fachbereichsleiterin Bildung und Familie, Renate Schmetz, am Mittwoch im Sozialausschuss vorgestellt.

Wie berichtet, fahren viele Kitas weiter mit eingeschränktem Angebot. Um das die Eltern wohl froh wären, die jetzt keinen Platz bekommen. Nach der Rechnung der Stadtverwaltung fehlen trotz weniger Anmeldungen als im Vorjahr in den Kitas 500 Plätze für U3 und Ü3. Wie Schmetz sagte, reduzierten sich die Defizite erfahrungsgemäß bis zum Start am 14. September noch. So könne es zumindest bei den fehlenden Ü3-Plätzen – das sind rund 130 – noch Bewegung geben. Dies sei „auf Kante genäht, aber vielleicht noch hinzubekommen“, sagte sie.

Entspannung ist in nächster Zeit nicht in Sicht

Anders bei den unter Dreijährigen: Hier hat Schmetz nur geringe Hoffnung, dass es bei 379 fehlenden Plätzen eine große Entspannung geben wird. Ihr Fazit für das Kita-Jahr 2020/21: „Wir werden 200 bis 250 Kindern kein Angebot machen können.“ Der Druck sei enorm, sagte Erster Bürgermeister Konrad Seigfried, die Coronapandemie belaste die Eltern massiv, vornedran die Mütter: „Bei vielen Frauen liegen die Nerven blank.“ Durch Corona habe sich die Lage noch verschärft. „Wir schauen mit großem Respekt auf die nächsten Wochen“, sagte er mit Blick auf den möglichen Anstieg der Infektionszahlen, der erneut zu Einschränkungen führen könnte.

Einen Grund sieht die Verwaltung auch in dem geänderten Stichtag für die Einschulung (siehe Text rechts). Damit können alle Kinder, die zwischen August und September sechs werden, weiter in der Kita bleiben – eine Option, die laut Seigfried offensichtlich viele Eltern ergreifen. Das Resultat: Die Fluktuation hat ihren alten Rhythmus verloren – Kinder, die sonst die Kita verlassen, blockieren jetzt die Plätze für den Nachwuchs. Geld für einen Ausbau sei nicht da: „Ich sehe kein Potenzial, in einer großen Anzahl neue Gruppen aufzumachen.“ Auch der Fachkräftemangel schlage voll durch, zusätzlich zu Erzieherinnen, die durch Vorerkrankung oder Schwangerschaft nicht arbeiten dürfen. „Wir können froh sein, wenn wir im Bau befindliche Einrichtungen bestücken können.“ Das geplante Direkteinsteigermodell sieht er mit Vorsicht, Inhalt und Umsetzung seien unklar. „Wir haben die Lösung nicht.“

Hinzu kommt die Finanzkrise: Anfang Juli haben baden-württembergischer Gemeindetag, Städtetag sowie die vier Kirchenleitungen eine Erhöhung der Elternbeiträge um 1,9 Prozent für 2020/21 empfohlen. Ludwigsburg ist weiter: Die im Februar beschlossene Beitragserhöhung um durchschnittlich drei Prozent kommt pünktlich im September. Allerdings gingen Städte- und Gemeindetag davon aus, dass es zunehmend gelingen wird, den Betreuungsrahmen und die Qualität von vor Corona wieder anzubieten. Und weitere Erhöhungen ab 2021 sind in Ludwigsburg wahrscheinlich: Die ausgefallenen Kita-Gebühren werden vom Land nicht komplett ersetzt, in der Haushaltsklausur von Stadt und Gemeinderat stand nach LKZ-Informationen auch die Kostensenkung bei den Kitas – per Beitragserhöhung – auf der Liste.

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