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Antigen-Schnelltests

Kein Wundermittel, aber eine Hilfe

Um den Schutz in Alten- und Pflegeeinrichtungen zu erhöhen, hat die Landesregierung vor einigen Wochen die Teststrategie aktualisiert. Mithilfe von prophylaktischen Antigen-Schnelltests für Bewohner, Mitarbeiter und Besucher sollen Infektionsketten schneller erkannt werden. Auch in den Ludwigsburger Einrichtungen laufen die Testungen an.

Die Antigen-Schnelltests liefern in kurzer Zeit ein Ergebnis. Foto: Sven Hoppe/dpa
Die Antigen-Schnelltests liefern in kurzer Zeit ein Ergebnis. Foto: Sven Hoppe/dpa

Ludwigsburg. Das Coronavirus macht auch vor Alten- und Pflegeheimen nicht Halt. Dort leben Menschen, die aufgrund ihres Alters oder auch ihres gesundheitlichen Zustandes zur Gruppe der Personen gehören, die einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sind. Deshalb sollen die sogenannten Antigen-Schnelltests Abhilfe schaffen. Die Tests, die nicht nur bei Bewohnern, sondern auch bei Mitarbeitern und Besuchern durchgeführt werden, sollen das Risiko einer Infektion verringern. Doch noch nicht überall in Ludwigsburg sind die Schnelltests auch angekommen und bereits einsatzbereit.

Zahl der Besuchertests relativ gering

Als eine Art „Vorreiter“ gilt das Albert-Knapp-Heim. Schon Mitte September fanden dort Tests mithilfe der sogenannten Antigen-Schnelltests statt. „Wir haben uns schon früh eine gewisse Anzahl an Tests gesichert und das Gesundheitsamt hat uns auch schon damals erlaubt, diese Tests durchzuführen“, sagt Diakon Bernhard Wandel, Leiter der Stiftung Evangelische Altenheime in Ludwigsburg. „Unser Ziel ist es jetzt, jede Woche die Mitarbeiter und Bewohner einmal prophylaktisch zu testen.“

Auch die Besuchertests seien angelaufen. „Die Zahl ist allerdings sehr gering“, so der Leiter. Dennoch sei man im Albert-Knapp-Heim „insgesamt gut unterwegs“. In den kommenden Tagen solle eine weitere Person eigens für die anfallenden Schnelltests eingestellt werden. „Eine Person kann das alleine nicht mehr stemmen“, so Wandel. „Wenn wir das Konzept weiterhin so durchziehen, dann kommen wir auf rund 4000 Tests im Monat. Die Schnelltests seien zwar kein Wundermittel, aber eine große Hilfe für die Alten- und Pflegeeinrichtungen.

Auch im Pflegezentrum Hans-Klenk-Haus hätte mit den prophylaktischen Tests eigentlich schon gestartet werden sollen. „Wir haben zunächst einmal 5000 Tests bestellt“, sagt Einrichtungsleiter Knut Happe. Vergangenen Freitag hätten sie die Ludwigsburger Einrichtung erreichen sollen. „Doch dann kam ein Anruf unseres Lieferanten. Die Tests wurden von der Bundesregierung zunächst als Notfallreserve beschlagnahmt“, so Happe. „In der nächsten Woche, spätestens in der übernächsten Woche sollen aber auch bei uns die Tests eingesetzt werden.“ Der Fokus im Hans-Klenk-Haus liege dann darauf, die Mitarbeiter in möglichst engen Zyklen zu testen. „Wir stellen uns die Frage, ob wir nicht öfter als einmal pro Woche einen Test durchführen“, so Happe. „Wir sind eher auf dem Rechenmodell, die Mitarbeiter alle drei Tage zu testen. Das muss sich aber alles erst einmal einspielen.“

Auch organisatorisch sieht Happe aktuell keine Probleme. „Einige Bereiche sind zurzeit nicht so ausgelastet, so dass Fachkräfte von dort abgestellt werden können.“ Er sagt allerdings auch, dass die Schnelltests immer nur eine Momentaufnahme darstellen und keine absolute Sicherheit gewährleisten. „Dennoch warten wir als Einrichtung sehr darauf, die Tests endlich einsetzen zu können.“

Ebenfalls auf die Tests gewartet hat die Evangelische Heimstiftung. „Seit dieser Woche können wir sie endlich einsetzen“, sagt Regionaldirektorin Michaela Sowoidnich. Auch dort werden Bewohner und Mitarbeiter von nun an einmal wöchentlich prophylaktisch getestet. Um die Organisation der Tests sicherzustellen, habe sie beim Roten Kreuz und bei den Maltesern angefragt. „Sie haben ihre Hilfe bei den Durchführungen der Tests angeboten“, so die Regionaldirektorin. „Wir prüfen das nun und setzen es dann bei Bedarf in die Tat um.“

Während die Mitarbeiter und Bewohner – überall wo möglich – nun regelmäßig getestet werden, sei der Run auf die Besuchertests zunächst einmal ausgeblieben. „Wir haben festgestellt, dass die Besucher eher verhalten sind, was die Schnelltests angeht“, sagt Sowoidnich. Das kann auch Bernhard Wandel von der Stiftung Evangelische Altenheime bestätigen. „Die Besucher denken sich vielleicht, dass sie die Tests nicht den Mitarbeitern oder Bewohnern wegnehmen wollen und sind deshalb etwas vorsichtiger“, sagt er. „Wir wollen die Besucher in der nächsten Zeit vermehrt auf die Tests ansprechen. Gerade die, die sowieso täglich zu Besuch sind.“ Zu Lieferschwierigkeiten sei es bisher nicht gekommen, auch wenn einige Lieferanten genaue Liefertermine nicht mehr so leicht zusagen wie noch vor einigen Wochen. „Die Hersteller sagen aber auch, dass sie die Kapazitäten nach oben fahren wollen“, so Wandel.

20 Schnelltests pro betreuter Person

Wie das Sozialministerium auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, sind mit Stand der vergangenen Woche in Baden-Württemberg bereits Schnelltest-Bestellungen aus 2400 Einrichtungen eingegangen. „Diese bekommen postwendend die für sie jeweils geltende, durch die Verordnung des Bundes festgelegte Höchstmenge genehmigt und finanziert. Das sind in Krankenhäusern und Pflegeheimen maximal 20 Schnelltests pro betreuter Person jeden Monat. Betreuer und Besucher sind inkludiert“, heißt es. Bislang habe es auch laut Sozialministerium keine Problemmeldungen seitens der Einrichtungen gegeben. „Wir hören aber von anderen Bundesländern, wie etwa Bayern, dass es dort Engpässe gibt. Deshalb beobachten wir die Situation sehr genau. Das Angebot an Antigen-Schnelltests wird durch die Produktionskapazitäten der Hersteller bestimmt“, so eine Sprecherin.

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