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Keine Entspannung in Sicht

Keine freien Plätze, zu wenig Erzieher und ein Kita-Ausbauprogramm, das dem Bedarf hinterherhinkt – der aktuelle Verwaltungsbericht zur Kinderbetreuung trägt denselben Titel wie die vergangenen Jahre: Die Kitas sind voll. Und der Bedarf wird noch steigen.

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Ludwigsburg. Die Reaktion der Lokalpolitik auf die Hiobsbotschaft, die die Stadtverwaltung in schönster Regelmäßigkeit überbringt, schwankt jedes Mal zwischen zwei Extremen: Großes Lob für das Ausbauprogramm, auf der anderen Seite die Kritik an der fehlenden Bereitschaft der Stadt, längerfristig zu denken. „Das reicht vielleicht bis 2022 oder 2023“, sagte Claus-Dieter Meyer (CDU) im Sozialausschuss, was aber danach komme, „ist nicht abgedeckt“.

Das stieß auch Reinhardt Weiss auf. „Wir müssen einen Acht- bis Zehnjahresplan machen, nicht nur drei Jahre“, sagte der FW-Rat. Ähnlich argumentierte die SPD mit Hubertus von Stackelberg: „Wir müssen uns besser aufstellen.“ Die Planungen nannte er einen „kleinen Silberstreif am Horizont“, die aber 2022 – wenn die ersten geplanten Einrichtungen fertig sein sollen – schon wieder zu spät kämen. „Der Bedarf ist jetzt schon da.“

Das bestätigte in der Sitzung auch der Abteilungsleiter Kinder und Familie im Fachbereich Bildung und Familie. „Wir haben damit noch nicht alles abgearbeitet, was wir abarbeiten müssen“, so Thomas Brändle. In der laufenden Saison fehlen laut Stadt 189 Plätze für über Dreijährige sowie 208 Plätze für unter Dreijährige – bei einer angenommenen U 3-Versorgungsquote von 40 Prozent. Und die Bedarfe steigen: 2020 sollen es zwar nur noch 160 fehlende U 3-Plätze sein, das Defizit bei Ü 3 beträgt aber 430, um bis 2025/26 auf knapp 800 zu steigen.

Die Verwaltung hält wie seit 15 Jahren weiter an den Prognosen der Projektgruppe Bildung und Region (BiRegio) fest. Derzeit setzt BiRegio den Höhepunkt des Kinderreichtums bei U 3 auf die Saison 2023/24 (mit rund 1100 Kindern pro Jahrgang von 0 bis 6,5 Jahren), entsprechend bei Ü 3 auf 2026/27 (rund 1150 pro Jahrgang). Berücksichtigt sind hier Zuzüge in 4000 neue Wohneinheiten bis Mitte der Zwanziger, danach sollen die Kinderzahlen sinken. Bis etwa 2030 wird die Stadt laut BiRegio auf 103 500 Einwohner wachsen, um bis etwa 2045 wieder auf knapp 100 000 zu schrumpfen.

Ein Rückblick lohnt: 2009 ging die Stadt noch davon aus, dass es ab 2013 weniger Kinder geben werde, später setzte BiRegio den Höchststand auf das Jahr 2012 (U 3) und 2015 (Ü 3). Geburtenreichtum und Zuzüge rissen aber nicht ab. Entsprechend formuliert die Stadt in ihrer Vorlage, die ab 2028 keine Neubaugebiete inkludiert: „Daher ist der prognostizierte starke Rückgang der Kinderzahlen mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.“

Keinen Stillstand gibt es entsprechend bei den Planungen: Das neue Kinder- und Familienzentrum in Neckarweihingen hat gerade eröffnet, die private Einrichtung Unsere Champions (40 U 3, 35 Ü 3) soll laut Brändle Anfang 2019 aufmachen. Mit den sieben Einrichtungen in der Planung (in der Karte rot) sollen 355 neue Plätze geschaffen werden, davon 135 für unter Dreijährige. Die sieben Einrichtungen in der Vorplanung (blau) kämen auf weitere 440 Plätze, davon 110 unter Dreijährige. Dafür fällt der Kindergarten St. Georg (Poppenweiler) mit 28 Plätzen weg. Zudem setzt die Stadt verstärkt auf die Kombination mit normalem oder Seniorenwohnen sowie Gemeinbedarfsflächen in Neubaugebieten, bei Kita-Sanierungen sollen Erweiterungen eingeplant und insgesamt mehr Träger eingebunden werden.

Deutlich war die Mahnung an die Verwaltung, dabei die Finanzen im Blick zu behalten. Bei einem geplanten Gesamtinvest von 27 Millionen Euro sei die SPD-Fraktion „ziemlich zusammengezuckt“, sagte von Stackelberg. „Auf den Haushaltsentwurf bin ich gespannt.“ Gabriele Moersch (FW) forderte Einssparungen: „Wir können auf diesem hohen Niveau vermutlich nicht mehr weiterfahren.“ Dabei hatte sie auch das neue Kifaz in Neckarweihingen im Blick, das stolze 8,4 Millionen Euro gekostet hatte. Das nahm auch Claus-Dieter Meyer aufs Korn, der mahnte, „Leuchtturmprojekte abzuspecken“. Johann Heer (FDP) forderte gar Modulbauten für Engpässe: „Die Qualität der Bildung macht sich nicht zwangsläufig an der Art der Bebauung fest.“