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Grundschule Hoheneck

Kinder demonstrieren gegen Eltern-Taxis

Viele Eltern missachten das Halteverbot auf der Wendeplatte vor dem Schulhaus – Durchfahrtverbot auf einem Teil der Ostertagstraße

Die Schüler der Grundschule Hoheneck machen sich stark für den Schulweg zu Fuß.FotoL Holm Wolschendorf
Die Schüler der Grundschule Hoheneck machen sich stark für den Schulweg zu Fuß.FotoL Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Gegen Elterntaxis, die morgens und mittags die Sicherheit vor ihrer Schule gefährden, haben gestern Morgen die Kinder der Grundschule Hoheneck protestiert. „Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft“, „Wir riechen lieber frische Luft statt Abgasduft“ oder „Rirarutsche, wie brauchen keine Kutsche“ war auf den Plakaten zu lesen, die die Mädchen und Jungen an der Zufahrt vor ihrer Schule in die Höhe hielten.

„Das ist eine friedliche Demo, denn Gewalt ist nicht gut“, erklärte Paul, der die vierte Klasse besucht. Er selbst komme zu Fuß zur Schule, viele seiner Mitschüler dagegen nicht, kritisierte er. Dass viele Eltern sogar auf die Wendeplatte fahren, um ihre Kinder direkt vor dem Schulhaus abzusetzen und später wieder dort abzuholen, findet er doof. „Das ist gefährlich für die Kinder, die zu Fuß zur Schule kommen“, wies er darauf hin, dass ein Kind aus seiner Klasse schon mal am Schulranzen von einem Auto „angerempelt“ worden sei. „Das Kind, das mit dem Auto gebracht wird, ist geschützt, aber die anderen Kinder sind gefährdet“, pflichtete ihm Benjamin bei.

Parallel zu dieser Aktion, die von der Schulkindbetreuung organisiert worden ist, hat die Ludwigsburger Stadtverwaltung neue Verkehrsschilder aufgestellt: Für Autos und Motorräder gilt demnach ab sofort in der Zeit von 7 bis 8.30 Uhr sowie von 11 bis 13 Uhr ein Durchfahrtverbot – außer für Bewohner und Schulbedienstete.

Gestern wachten mit Melanie Metz und Ulli Weimer zwei Polizeibeamte auf die Einhaltung des Durchfahrtverbotes. Mit Erfolg: So mancher Autofahrer, der wie gewohnt in die Ostertagstraße einbiegen wollte, drehte kurzerhand um. „Wir setzen auf Aufklärung und Gespräch“, so Melanie Metz. Ein Mitarbeiter des städtischen Vollzugsdienstes hielt dagegen die für Kurzeitparker reservierten Stellplätze auf der Wilhelm-Nagel-Straße im Blick: Diese sind vor einigen Jahren als sogenannte Kiss-and-drop-Zone eingerichtet worden. Eltern können dort kurz anhalten, um ihr Kind aus dem Auto zu lassen oder mittags von der Schule abzuholen. Dass dort Autos für einen längeren Zeitpunkt abgestellt werden, ist nicht zielführend und wird mit einem Knöllchen geahndet. „Es wäre schön, wenn mehr Kinder den Weg zur Schule zu Fuß zurücklegen würden“, machte Schulleiterin Dorothee Hoff aus ihrer Meinung keinen Hehl. Sie verwies auf das Angebot „Bus auf Beinen“, bei dem die Kinder in Gruppen den Weg zur Schule zu Fuß zurücklegen. Das führe nicht nur zu einer Entlastung des Verkehrsaufkommens im Bereich der Schule, sondern fördere auch die Selbstständigkeit der Kinder, zeichnete Hoff die Vorzüge auf. „Obwohl auf der Wendeplatte ein absolutes Halteverbot gilt, halten sich viele Eltern nicht daran“, schilderte sie ihre Beobachtung. Sie selbst spricht immer wieder Mütter und Väter an, die verkehrswidrig auf der Wendeplatte anhalten. „Das sorgt teilweise für Unmut“, berichtete sie von einigen uneinsichtigen Eltern.

Bei dem Nachwuchs scheint das dagegen nicht der Fall zu sein. „Wenn es nach den Kindern gegangen wäre, wären die Sprüche auf den Plakaten radikaler formuliert worden“, sagte Traude Schumacher, Leiterin der Schulkindbetreuung in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt. Im Rahmen des dort angesiedelten Projektes „Sozial und umweltbewusst – Ich tu was“ hatten sich die Viertklässler der Schulkindbetreuung damit beschäftigt, wie ihr Schulweg sicherer gestaltet werden kann, so Traude Schumacher. Und so war diese Aktion zustande gekommen.

Das Thema beschäftigt längst nicht nur Schüler, Eltern und Lehrer – und das seit vielen Jahren. Auch der Stadtteilausschuss hat sich in der Vergangenheit immer wieder mit der Problematik befasst.

Ob die jüngste Aktion Früchte trägt, wird sich erst zeigen. Auch wenn die demonstrierenden Kinder und die Polizisten verschwunden sind, bleiben die Schilder mit dem Durchfahrtsverbot stehen. Die mit Blumen bepflanzten und mit Sprüchen versehenen Stühle werden ebenso wie einige der Plakate vor der Zufahrt zur Schule stehen bleiben – als Gedankenstütze für die vergesslichen Chauffeure am Steuer der Elterntaxis.

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