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Krippenplätze

Kinderbetreuung wird schwieriger

Es wird wieder schwieriger für Eltern, einen Betreuungsplatz für ihre Kinder unter drei Jahren zu finden. Der Grund: Es gibt wieder mehr Geburten.

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Diese Zahlen schmecken auch den Kindern nicht.Foto: Fotolia

Kreis Ludwigsburg. Die Zeiten haben sich geändert. „Bis 2015 hatten wir einen Versorgungsgrad von 35,1 Prozent bei der Kleinkinderbetreuung“ erinnert der zuständige Fachbereichsleiter für Jugendhilfeplanung am Landratsamt, Karl Thumberger. Als er jetzt die neuesten Zahlen dem Jugendhilfeausschuss vorstellte, hatte sich die Situation eingetrübt. Jetzt ist die Quote auf 32,4 Prozent gefallen. Rechnerisch kommen also auf 16 025 Kinder 5246 Krippenplätze. Für Thumberger ist die Ursache klar: „Es gibt seit 2015 1300 Kinder mehr in dieser Altersgruppe.“ Schon vor zehn Jahren wurde auf einem Krippengipfel der damaligen Bundesregierung vereinbart, bis 2013 bundesweit für 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren ein Angebot zur Kindertagesbetreuung zu schaffen. Mittlerweile wird die Zahl immer nach oben hin korrigiert.

Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums wünschen sich 43 Prozent der Eltern mit Kindern unter drei Jahren einen Betreuungsplatz für ihr Kind. Allerdings hat auch das Landratsamt Ludwigsburg erkannt, dass die meisten Eltern ihr Kind noch nicht zur Betreuung geben, wenn es noch kein Jahr alt ist. Deshalb rechnet man intern diese Gruppe raus und kommt damit auf eine deutlich bessere Quote von fast 40 Prozent.

Im Kreis gibt es ein deutliches Gefälle bei der Versorgung mit Krippenplätzen. Schlusslicht ist Marbach, das für 489 Kinder gerade mal 120 Plätze anbieten kann. Das entspricht einer Versorgungsquote von 24,5 Prozent. Auch Walheim (25,6), Steinheim (26,4) und Sachsenheim (27 Prozent) und selbst das reiche Gerlingen (27,2 Prozent) haben große Probleme, den Rechtsanspruch zu erfüllen. Dieser besteht seit dem 1. August 2013. Bislang gab es aber nur eine Klage im Landkreis. Dabei ging es aber vorrangig um Verdienstausfall. Die Klägerin zog damals zurück.

„Damit hat vor drei Jahren sicher noch keiner gerechnet, dass die Geburtenzahlen wieder ansteigen.“ CDU-Kreisrat Ralf Trettner hält die Entwicklung nicht für alarmierend und erklärbar. Der Bürgermeister von Pleidelsheim, dessen Kommune auch nur auf 29,4 Prozent kommt und damit 53 von 180 Kindern unter drei Jahren ein Betreuungsangebot machen kann, hält es für extrem schwierig, kurzfristig die Situation zu verbessern. Das liege weniger an den Kosten als an den fehlenden Fachkräften. „Wir sind bei den Betreuerinnen schlichtweg blank“, sagte auch FDP-Kreisrätin Erika Schellmann aus Remseck, die selbst als Erzieherin arbeitet.

Besser sieht es bei den Kindergartenkindern aus. Hier ist ein Betreuungsgrad von 102 Prozent erreicht. Bei den Schulkindern liegt die Versorgungsquote bei 36,9 Prozent.