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Familie

Kindergartenplatz verzweifelt gesucht

Der Gang zum Briefkasten blieb bisher ohne Ergebnis. Familie Schlitter hat noch keine Post mit einer Zusage für einen Kitaplatz bekommen, dabei endet in dieser Woche die Kitaplatzvergabe. Die verzweifelten Eltern haben sich nun mit einem offenen Brief an den Oberbürgermeister gewandt.

Liane und Sebastian Schlitter wünschen sich, dass ihre Tochter im Kindergarten mit Gleichaltrigen spielen kann. Foto: Holm Wolschendorf
Liane und Sebastian Schlitter wünschen sich, dass ihre Tochter im Kindergarten mit Gleichaltrigen spielen kann. Foto: Holm Wolschendorf

Fröhlich schiebt das kleine Mädchen ihren Puppenwagen durch den Garten, sie mag Puzzle und klettert begeistert die kleine Rutsche hoch – so unbeschwert, wie Zweijährige das einfach tun. Im September feiert das Mädchen aus der Oststadt ihren dritten Geburtstag – ob sie dann jedoch einen Kindergarten in Ludwigsburg besuchen kann, das ist noch ungewiss.

Bereits im Februar 2019 haben Liane und Sebastian Schlitter einen Anmeldebogen für einen Kitaplatz abgegeben. Ihre Tochter war da erst ein paar Monate alt. Der nächste Kindergarten in der Oststadt, das Schwalbennest, ist gerade zwei Minuten von ihrer Wohnung entfernt. Ab Juni 2020, so ihr Wunsch, sollte die Kleine dort eingewöhnt werden, damit Liane Schlitter dann nach den Sommerferien wieder in ihrem Beruf als Realschullehrerin arbeiten kann. „Wir haben uns rechtzeitig gekümmert“, dachte Sebastian Schlitter. Doch ohne Ergebnis. Eine Zusage erhielten sie nicht. „Wir sind aus allen Wolken gefallen. Das hätten wir uns gar nicht vorstellen können.“

Sie suchen das Gespräch mit der Stadt. Carola Miethe von der Beratungsstelle für Kinderbetreuung empfiehlt, eine Tagesmutter zu suchen, damit Liane Schlitter wieder in den Beruf einsteigen kann. Doch die Tageseltern, die sie anschreiben, sind ebenfalls alle bis zum Sommer 2021 ausgebucht. Also ändert die Mutter ihre Pläne, verlängert die Elternzeit um ein weiteres Jahr. Denn Großeltern, die sich kümmern könnten, während Liane Schlitter unterrichtet, gibt es nicht in der Nähe. Sie leben in Rheinland-Pfalz und sind selbst noch berufstätig.

„Was haben wir falsch gemacht?“, diese Frage lässt den beiden keine Ruhe. In Spielplatzgesprächen mit anderen Eltern bekommen sie den Eindruck, dass es vielleicht an der geringen Betreuungszeit lag, die sie zunächst angegeben hatten. Beim nächsten Antrag erhöhen sie die gewünschte Betreuungszeit. „Wir dachten, wir verbessern damit unsere Chancen“, erinnern sich die beiden. Doch auch in diesem Jahr scheinen sie bei den drei Kitas, die sie auf ihrer Wunschliste hatten, keinen Platz bekommen zu haben. In der ersten Runde waren sie jedenfalls nicht dabei, Nachrückerplätze gab es nicht – so die telefonische Auskunft der jeweiligen Leiterinnen, die die beiden kürzlich erhalten haben.

„Wir kriegen einfach keinen Fuß in die Tür“, klagt Sebastian Schlitter. Obwohl ihre Tochter einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz hat. „Verzweifelt“ bezeichnet seine Frau die Situation. Sie weiß nicht, wie sie ohne Kinderbetreuung wieder in den Beruf zurückkehren soll. Aber das ist nicht ihre einzige Sorge. Die Eltern wünschen sich, dass ihr Kind endlich regelmäßigen Kontakt zu Gleichaltrigen bekommt. „Es tut mir so leid, dass ihr das vorenthalten bleibt.“ Wegen der Coronapandemie sei es schwierig gewesen, Kontakt zu anderen Kindern zu fördern. Das Kinderturnen findet nicht mehr statt, die Kurse bei der Familienbildung fallen aus. „Morgens auf dem Spielplatz sind wir allein“, sagt Liane Schlitter. „Wir sind übrig geblieben.“

Der freundliche Antwortbrief aus dem Rathaus, den sie diese Woche bekommen haben, hilft ihnen auch nicht weiter. „Trotz aller Ausbaubemühungen verfügen wir über zu wenige Kitaplätze – auch die in den letzten eineinhalb Jahren knapp 100 geschaffenen Plätze können die akute Unterversorgung nicht lösen“, antwortet Daniel Wittmann (Fachbereich Bildung und Familie). Fakt ist: Es gibt einfach nicht ausreichend Betreuungsplätze. „Die Versorgung im Bereich der Drei- bis Sechsjährigen wird sich im Laufe des Kindergartenjahres weiter verschlechtern, weil die geburtenstarken Jahrgänge 2017 und 2018 nicht vollständig versorgt werden können. Mit einer Entlastung der Lage ist erst ab dem Kindergartenjahr 2022/2023 durch die Inbetriebnahme der momentan im Bau befindlichen Einrichtungen zu rechnen“, hieß es bereits kurz vor Weihnachten in einer Mitteilung der Stadt an die Stadträte im Gemeinderat.

Bis ins nächste Jahr will Familie Schlitter nicht mehr warten. Sie werden erneut mit Carola Miethe Kontakt aufnehmen. Vielleicht gibt es ja in einem anderen Stadtteil einen Platz für ihre Tochter?

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