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Tag der Deutschen Einheit

Klares Bekenntnis zur Westbindung

Ehemaliger Botschafter Dietrich von Kyaw spricht bei Festakt des CDU-Kreisverbandes zum Tag der Deutschen Einheit

Festredner Dietrich von Kyaw spricht beim CDU-Kreisverband.
Festredner Dietrich von Kyaw spricht beim CDU-Kreisverband.
Manfred Hollenbach (rechts) zeichnet Frank Schröter (links) und Helmut Mager für bürgerschaftliches Engagement aus. Fotos: Holm Wolschendorf
Manfred Hollenbach (rechts) zeichnet Frank Schröter (links) und Helmut Mager für bürgerschaftliches Engagement aus. Foto: Holm Wolschendorf

Der einstige Botschafter und ehemalige ständige Vertreter Deutschlands bei der Europäischen Union in Brüssel, Dr. Dietrich von Kyaw, rückte beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit des CDU-Kreisverbandes im Landratsamt zurecht, was seiner Einschätzung nach derzeit ins Schlingern gerät. „Ohne europäische Vereinigung und transatlantische Verbindung geht es nicht“, betonte der 86-jährige Diplomat.

Die Verankerung in der EU und in der Nato müsse auch weiterhin Selbstverständnis deutscher Politik bleiben, um nicht zwischen den Großmächten zerrieben zu werden. „Wer etwas anderes propagiert, ist naiv“, so Kyaw, der außerdem einen Einblick in die Wendezeit bot. Ab 1989 war er im Auswärtigen Amt für Europäische Integration und die Eingliederung des sich vereinigenden Deutschlands in die EU verantwortlich. Die Wiedervereinigung vor 30 Jahren bezeichnete CDU-Mitglied Kyaw als späte Folge einer von Bundeskanzler Konrad Adenauer in den Nachkriegsjahren eingeleiteten Deutschlandpolitik.

Das klare Bekenntnis zum Westen, die Aussöhnung mit dem einstigen Erzfeind Frankreich und die europäische Integration seien die Bausteine für die Wiedervereinigung gewesen. Ohne die Bonner Republik wäre Westeuropa nicht zu stabilisieren gewesen, betonte Kyaw. Auch wenn die Wiedervereinigung immer Ziel gewesen sei, sei sie doch unvorbereitet gekommen. „Es gab 1989 keine Blaupausen, kein Pläne und alles musste unter einem enormen Zeitdruck geschehen“, erinnerte sich der Festredner.

Kyaw sprach von einer historischen Kraftanstrengung, bei der Fehler nicht ausgeblieben seien. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl habe dabei die Zustimmung der Skeptiker - außer Spanien und Irland hätten sich sämtliche westeuropäische Staaten höchst besorgt über die deutsche Einigung gezeigt - nur durch die kluge Verbindung zwischen deutscher und europäischer Einigung erlangt. „Wir können das Erreichte zurecht feiern“, sagte Kyaw und warb angesichts der immer noch bestehenden Kluft bei den Lebensverhältnissen um mehr Respekt für die Menschen im Osten.

„Wir sind in Vielfalt geeint“, betonte der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes und Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Rainer Wieland. „Das Grundgesetz verspricht nicht die Gleichheit, was es verspricht ist die Gleichheit vor dem Gesetz“. Das gelte für Kommunen und Bundesländer, für Völker und Kontinente. „Das Spannungsverhältnis müssen wir lernen auszuhalten“, so Wieland weiter.

Bei dem von jungen Talenten der Jugendmusikschule Ludwigsburg umrahmten Festakt verlieh der Vorsitzende der CDU- Kreistagsfraktion Manfred Hollenbach den mit 1000 Euro dotierten Annemarie-Griesinger-Preis für außergewöhnliches bürgerschaftliches Engagement an Frank Schröter und Helmut Mager vom Schwäbischen Albverein Sachsenheim. Der Naturschutz hat hier einen besonderen Stellenwert.

Im Rahmen des Festaktes eröffnete Landrat Dietmar Allgaier außerdem die Ausstellung „East Side Mauergalerie“ des Fotografen und Künstlers Jo Hinko. Dessen Fotos zeigen einzigartige Graffitis, die im Frühjahr 1990 von Künstlern auf Teilen der Berliner Mauer gestaltet wurden. Sie zeigen dabei, wie sie den Mauerfall gesehen, erlebt und verarbeitet haben. Das berühmteste Bild ist der von Dimitrj Vrubel gemalte Bruderkuss zwischen dem Staatschef der Sowjetunion Leonid Breschnew und dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, das den Titel „Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben“ trägt.

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