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Freiwilliges Engagement

Kommunen auf der Bufdi-Suche

Wie Städte und soziale Einrichtungen Menschen für den Bundesfreiwilligendienst und ein Soziales Jahr finden

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Derzeit sind 38 105 Personen im Bundesfreiwilligendienst engagiert – ein nachlassendes Interesse kann das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben nicht feststellen.Foto: Fotolia

Kreis Ludwigsburg. Wer nach der Schule noch nicht so genau weiß, was er/sie jetzt eigentlich machen soll, könnte hier zugreifen: Ein Jahr als Bundesfreiwillige(r) – kurz: Bufdi – sich etwas umtun im Leben, etwas Sinnvolles machen und dazu ein bisschen Geld verdienen. Mancher findet dabei sogar eine neue Berufsperspektive. Das gleiche gilt für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Die meisten Kommunen bieten solche Stellen an, aber die Resonanz ist höchst unterschiedlich. Während in der einen Stadt die Stellen mit Mund-Propaganda weggehen, muss eine andere mehrere Anzeigen schalten und eine dritte lässt sich etwas ganz Originelles einfallen. Wir haben uns bei den Personalabteilungen einiger Kommunen umgehört.

Vier Bufdis sucht die Stadt Großbottwar, das ist eine Stelle mehr als im Vorjahr. Neu dazugekommen ist die Matern-Feuerbacher-Realschule als Betätigungsfeld. Die Bewerbungen sind bisher so schleppend im Rathaus eingegangen, dass die Stadtverwaltung die Bewerbungsfrist verlängert und eine weitere Anzeige im Ortsblatt geschaltet hat. „Vergangenes Jahr war die Bewerberlage einfacher“, sagt Hauptamtsleiterin Mona Trinkner und kann sich auch nicht so recht erklären, woran das liegen könnte, „denn eigentlich sind das attraktive Stellen“.

Bufdis, die den Arbeitskreis Asyl unterstützen, begleiten Flüchtlinge bei Behördengängen, im Jugendcafé können sie am Programm mitarbeiten, in den Schulen unterstützen sie Schüler in der Ganztagsbetreuung. Wer anschließend Lehramt oder Sozialpädagogik studiert, bekommt für seinen sozialen Einsatz Pluspunkte gutgeschrieben, das müsste doch eigentlich ziehen, meint Mona Trinkner, die noch eine Bufdi-Stelle im Jugendcafé und eine an der Matern-Feuerbacher-Realschule zu vergeben hat.

Die Gemeinde Oberstenfeld hat vier junge Leute für ein Freiwilliges Soziales Jahr gesucht und inzwischen auch gefunden, die in Kindergärten und im Jugendhaus mitarbeiten: „Wir mussten ein paarmal ausschreiben, die Schüler entscheiden sich immer später“, sagt Carmen Bick von der Personalleitung.

Ausschreiben? Ist in Marbach nicht nötig; die zwei FSJ-Stellen – eine ist dem Jugendhaus zugeordnet, die andere dem Bereich Touristik und Kultur – sind immer schnell neu besetzt. Bewerber erfahren durch Mund-Propaganda davon und melden sich bei der Stadtverwaltung. Man habe halt einen guten Ruf, zeigt sich Gerhard Heim, erster Beigeordneter der Stadt, durchaus zufrieden mit dieser Praxis.

Korntal-Münchingen stand bei der Bufdi-Suche schonmal vor dem Problem, dass junge Leute einen sozialen Dienst lieber im Ausland als vor der eigenen Haustür absolvieren wollten, und reagierte auf originelle Weise. Vielleicht, so die Überlegung, gibt es im Ausland ja junge Menschen, die gern ins Strohgäu kommen wollten? Die Frage ging über Facebook hinaus in die Welt und so kam die Stadt zu einer Bufdi aus Spanien. Für das kommende Bufdi-Jahr, das im September beginnt, waren nach Auskunft der Stadtverwaltung die heimischen Kanäle erfolgreicher: Alle drei Stellen – zwei in Jugendhäusern, eine in der Flüchtlingshilfe – sind mit einheimischen jungen Leuten besetzt worden.

Aber nicht nur Kommunen suchen Freiwillige. Auch Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege sind auf die jungen Leute angewiesen, seit die Wehrpflicht abgeschafft ist und sie deshalb nicht mehr mit Zivildienstleistenden rechnen können. So suchen die Theo-Lorch-Werkstätten für alle Standorte Bufdis und FSJler – offenbar mit Erfolg. „Wir können uns nicht beschweren“, sagt Peggy Reinhardt von der Personalabteilung. Ihre Beobachtung: Die meisten bewerben sich ganz früh – oder erst zum Bewerbungsschluss hin.