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KSK Music Open in Ludwigsburg
Kraftstrotzend und energiegeladen: Dropkick Murphys im Schlosshof

Rechtschaffenes Arbeitsethos auf und vor der Bühne: Die Dropkick Murphys geben Gas, die Fans auch. Fotos: Holm Wolschendorf
Rechtschaffenes Arbeitsethos auf und vor der Bühne: Die Dropkick Murphys geben Gas, die Fans auch. Fotos: Holm Wolschendorf
Rechtschaffenes Arbeitsethos auf und vor der Bühne: Die Dropkick Murphys geben Gas, die Fans auch. Fotos: Holm Wolschendorf
Rechtschaffenes Arbeitsethos auf und vor der Bühne: Die Dropkick Murphys geben Gas, die Fans auch. Fotos: Holm Wolschendorf
Rechtschaffenes Arbeitsethos auf und vor der Bühne: Die Dropkick Murphys geben Gas, die Fans auch. Fotos: Holm Wolschendorf
Rechtschaffenes Arbeitsethos auf und vor der Bühne: Die Dropkick Murphys geben Gas, die Fans auch. Fotos: Holm Wolschendorf
Rund 3000 Fans feiern die Dropkick Murphys zum Auftakt der KSK Music Open im Innenhof des Residenzschlosses. Die Folk-Punk-Band rockt die Bühne – bis die Absperrung der Begeisterung im Publikum kurzzeitig nicht mehr standhält.

Ludwigsburg. Auftakt nach Maß: Bei idealen Open-Air-Bedingungen ging am Samstagabend das Konzert der Dropkick Murphys über die Bühne der KSK Music Open im Innenhof des Residenzschlosses. Zwei Jahre musste das 2010 erstmals hier veranstaltete Festival auf sein kleines Jubiläum warten: Aus bekannten Gründen konnte weder 2020 noch 2021 gespielt werden – selbst wo die Pandemieverordnungen es zugelassen hätten, wäre eine wirtschaftliche Durchführung nicht möglich gewesen.

Über die mächtigen Lautsprecher läuft „The Foggy Dew“ von The Chieftains und Sinéad O’Connor, „Let’s go Murphys!“, skandiert die Menge. Mehrheitlich in Schwarz gekleidet, geben sich viele durch ein entsprechend gebrandetes T-Shirt als Fans der 1996 unweit von Boston gegründeten Folk-Punk-Band zu erkennen. Aber auch ein paar vermutlich jüngst erworbene Iron-Maiden- und Tote-Hosen-Shirts sind zu sehen. Zunächst steht Lee Forshner mit seinem Dudelsack ganz allein im Spotlichtkegel, doch dann stürmen die ebenfalls komplett in Schwarz gewandeten Dropkick Murphys die Bühne und eröffnen mit „Cadence to Arms“ von ihrem Debütalbum „Do or Die“ das Konzert. In sehr steilen Wurfparabeln segeln die Bierbecher durch die Abendluft.

Mix aus Punkrock und Irish Folk

„The Boys Are Back“ klingt mehr denn je nach einer programmatischen Ansage: Klar, die Jungs sind zurück, der Publikumschor vermag allerdings noch nicht ganz durchzudringen. Von Beginn an tobt ein Moshpit vor der Bühne, der agile Ken Casey, einzig noch aktives Gründungsmitglied der Murphys und auch jenseits der 50 noch gut bei Stimme, überbrückt die Distanz des Fotograbens und steigt auf die Trittstufe der Absperrungen, um mit seinem Publikum auf Tuchfühlung zu gehen, während die Band jetzt in eine unpräzise Tempoverschärfung einbiegt, was im mulmigen Klangbild allerdings auch nicht weiter stört und der Sache für die meisten hier offensichtlich keinen Abbruch tut.

Kraftstrotzend und energiegeladen ist dieser Auftritt, musikalisch ein Mix aus Punkrock und Irish Folk. „Ramones trifft Dubliners“ meint die musikkundige Begleitung; die knappe Formel charakterisiert den Dropkick-Murphys-Stil mit seinen schlichten, eingängigen Melodien recht trefflich. Akkordeon und Banjo ganz vor an der Rampe in „Out of Our Heads“, der Refrain lässt sich auch gut in einem Pub gegrölt vorstellen.

Lösung des technischen Problems heißt Manpower

„Mick Jones Nicked My Pudding“ vom aktuellen Album „Turn Up That Dial“, das dieser Tour auch ihren Namen gibt, handelt von einem Dessertdiebstahl des ehemaligen The-Clash-Bassisten. Die Stimmung steigt weiter und die Stagediver lassen sich auf Händen Richtung Bühne tragen, bis eine Ansage den von Booze & Glory sowie Jesse Ahern eröffneten Auftritt abrupt ausbremst: „Meine Damen und Herren, wir müssen die Show kurz unterbrechen und bitten Sie, im Vorbereich der Bühne zwei Meter zurückzutreten.“ Die Absperrung zum Fotograben hatte dem Druck nicht standgehalten – fieberhaft werkelt nun ein Team von Gelbwesten in der hereinbrechenden Dämmerung daran, die Barrikadenelemente wieder zu fixieren, während die Murphys einen Gang runterschalten und etwas „akustischer“ spielen: „The Fields of Athenry“ war tatsächlich einst im Repertoire der Dubliners, auch „The Wild Rover“ können viele mitsingen.

Die unterdessen entwickelte Lösung des technischen Problems heißt Manpower. So demonstrieren nicht nur die Dropkick Murphys auf der Bühne rechtschaffenes Arbeitsethos, auch die davor versammelten Helfer haben jetzt alle Hände voll zu tun: Fortan wird sich für den gesamten weiteren Verlauf des Abends eine Kette aus Securitykräften mit ihrem ganzen Körpergewicht gegen die Absperrgatter stemmen, während ihre Kollegen damit beschäftigt sind, die angelieferten Stagediver entgegenzunehmen und wieder dem Kreislaufsystem zuzuführen.

Mit „Two 6’s Upside Down“ präsentieren die Murphys auch einen neuen Song aus dem für September angekündigten Album, der ein wenig an „Rawhide“ erinnert. „Barroom Hero“ und „Deeds Not Words“ markieren das offizielle Finale, „Good as Gold“ und „Rose Tattoo“ die Zugabe. Nach zwei Stunden klingt das Konzert mit „Kiss Me, I’m Shitfaced“ aus, einige der rund 3000 Besucher haken sich zu schunkelnde Reihen unter.