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Kritik an Baustellen reißt nicht ab

Rot-weiße Absperrungen gehören zum Alltag in Ludwigsburg: 13 Baustellen behindern derzeit die freie Fahrt in der Stadt, besonders geplagt ist die Weststadt. Die gefühlten Dauerbaustellen lassen die Stadträte laut am Baustellenmanagement der Stadt zweifeln – nicht zum ersten Mal, aber mit steigender Ungeduld.

Verstopfte Schwieberdinger Straße: Nach 2016 und 2017 wird derzeit der dritte Abschnitt saniert, 2020 folgt der letzte Teil.Foto: Holm Wolschendorf
Verstopfte Schwieberdinger Straße: Nach 2016 und 2017 wird derzeit der dritte Abschnitt saniert, 2020 folgt der letzte Teil. Foto: Holm Wolschendorf

Eigentlich ging es im Bauausschuss lediglich um die Ausschreibung der Sanierung zweier Straßen, am Ende gipfelte die Diskussion in deutlicher Kritik der Stadträte an der Fähigkeit der Stadt, ihre Baustellen zu koordinieren. „Wir haben schon den Eindruck, dass es an der Abstimmung hapert“, sagte Dieter Juranek für die SPD am Dienstagabend. Fraktionskollegin Margit Liepins schickte angesichts gleich dreier großer Baustellen in der Weststadt ein fast verzweifeltes „Wir wissen nicht, wie wir das erklären sollen“, sagte sie angesichts des Ärgers. Im Westen gibt es derzeit mit der Osterholzallee, der Schwieberdinger Straße sowie der Solitudeallee massive Baustellenstaus und Ausweichverkehr.

Losgetreten hatte die Diskussion CDU-Stadtrat Maik Braumann, der bei der anstehenden Sanierung der Rilkestraße in Neckarweihingen die städtische Baustellenplanung kritisierte. Die parallele Baustelle in der benachbarten Lechtstraße sorge im Verbund für unnötige Staus. „Beide Straßen sind gleichzeitig nur eingeschränkt nutzbar“, kritisierte er.

Achim Leban, Abteilung Straßenbau und Brücken im Fachbereich Tiefbau und Grünflächen, nahm Stellung. In der Lechtstraße gebe es eine private Baustelle, in der Rilkestraße sei die Stadt mit der Sanierung betraut. Dort erneuert die Stadtentwässerung SEL den Abwasserkanal, es folgen die Stadtwerke mit Gas- und Wasserleitungen samt Hausanschlüssen, andere nicht näher benannte Leitungsarbeiten sowie Lichtwellenleiter werden in den Gehwegen verlegt. Der marode Straßenbelag wird danach ebenfalls erneuert, das Ganze kostet rund 270.000 Euro.

Doch obwohl sich Leban beeilte, die Wogen zu glätten, brach sich die Kritik der Stadträte die Bahn – die in schönster Regelmäßigkeit laut wird. In der Vergangenheit war immer wieder die Abstimmung zwischen Stadt, Stadtwerken, Stadtentwässerung und Fremdfirmen kritisiert worden. Schon 2017 hatten CDU, Freie Wähler und FDP einen interfraktionellen Antrag auf Baustellen im Schichtbetrieb gestellt. Aufgerufen von der Verwaltung wurde dieser erst über ein Jahr später, das Resultat war der Beschluss, eines der nächsten Straßenbauprojekte im Zwei-Schicht-Betrieb zu testen.

CDU-Stadtrat Reinhold Noz nutzte die Gelegenheit, daran zu erinnern und sprach davon, auch einen Drei-Schicht-Betrieb einzuführen. Die Weststadt sei extrem belastet, sagte er: „Das könnte man alles in der halben Zeit machen.“ Laut städtischem Verkehrsbericht behindern derzeit zwölf laufende Baustellen den Verkehr in der Stadt. Alleine sechs Straßen sind voll gesperrt, der Rest ist nur halbseitig befahrbar.

„Das ist ein Thema, was uns extrem beschäftigt“, verteidigte Bürgermeister Michael Ilk die Vorgehensweise der Stadt. In der Schwieberdinger Straße werde immerhin in Zehn-Stunden-Schichten und samstags gearbeitet. „Wir tun alles, um die Dinge zu beschleunigen.“ Und sprach gleichzeitig von dem Druck, etwa großflächig Glasfaser zu verlegen. Dazu kämen Rohrbrüche wie in der Abelstraße, deren Sperrung parallel zu weiteren Baustellen im unteren Stadtbereich für Verkehrschaos sorgte. Dies sei nicht geplant gewesen.

Ilk, der Besserung versprach, schob den Schwarzen Peter auch den Firmen zu. „Viele Bauträger verstoßen gegen unsere Auflagen“, sagte er, und fingen beispielsweise schon um 6.30 Uhr im Berufsverkehr an statt wie ausgemacht erst um 9 Uhr. Gegen diese Ordnungswidrigkeit im Straßenraum, für die es laut Ilk neben Bußgeld Punkte in Flensburg geben kann, „müssen wir rigoroser vorgehen“.

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