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blühendes Barock

Kürbiskanuten erobern den See

Ein Kürbis als Kanu? Das ist eigentlich wie Hummel und fliegen. Beides physikalisch kaum vorstellbar, und doch funktioniert es. Gestern war die 15. Auflage der kuriosen Regatta im Südsee des Blüba – vor 15 000 begeisterten Zuschauern.

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Kürbis als Kanu, Haarschmuck und T-Shirt: Diese Kanutin war genau richtig auf dem Südsee.Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Stapellauf mit Gabelstapler: Mit einem Radlader werden die Früchte zu Wasser gelassen. Umberto Salasar hat sie vorher „ausgebeint“ und entkernt. Jetzt dümpeln sie im Südsee vor sich hin wie Bojen im Hafen. Stark böig ist der Wind. Wellen kräuseln.

Eine Stunde vor dem Start dürfen die Kanuten die Kürbisse probepaddeln. Neun Stück sind es, die zur Wahl stehen. Zwischen 150 und 200 Kilo schwer. Der Strunk liegt mittig, links oder rechts. Die einen verzichten der Aquadynamik wegen auf Spritzschutz, die anderen hätten am liebsten eine Halskrause. Denn: Wer sich beim Paddeln zu viel Wasser ins Boot schaufelt, riskiert den Untergang.

Die meisten knien im Boot, um ihre Beine möglichst bequem im Kürbis unterzubringen und dabei möglichst viel Halt zu bekommen.

Aller Anfang ist schwer. Am Steg helfen Mitglieder der DLRG in Spezialanzügen den Sportlern an Bord. Jeder Starter braucht eine Weile, seine innere Mitte zu finden. Die ersten Paddelschläge sind vorsichtig, um den Rhythmus zu finden. Erst später, wenn sie sich richtig in die Riemen legen, schwimmt die Bugwelle auf, spritzt die Gischt am Heck. Im Schlepptau die DLRG-Mitglieder, die hinterherwaten, sollte einer kentern oder gar sinken.

Linksrum, rechtsrum. Das Ziel liegt in der Mitte. Bei dem Wind am Sonntag bei den Endläufen war das mitentscheidend. Wer das Paddelblatt zuerst auf die Planke legt, hat die Nase vorn. In den Vorrennen am Samstag waren 35 Männer und 35 Frauen am Start. In den Endläufen waren es noch 32 Kanuten. Bei den Männern machte Jürgen Klein aus Heilbronn das Rennen, Sven Durdel aus Ludwigsburg folgte ihm. Tim Weiler wurde Dritter. Kerstin Haup aus Möglingen setzte sich bei den Damen durch, gefolgt von Martina Hahn, die extra aus Würzburg angereist kam, und Sophie Schneider.

Die Königsdisziplin „Kanut im eigenen Kürbis“ gewann Engelhart Lanz aus Unterlangnau vor seiner Ehefrau Elisabeth. Ein Familien-Doppelsieg. Der Rekord von 52,09 Sekunden wurde dieses Jahr aber nicht geknackt.

Trotz anhaltender Sommerhitze war der Südsee keine Badewanne und nur knapp 20 Grad warm. Die Organisatoren Alisa Käfer und Matthias Gerber heizten den Paddlern am Wochenende mit 15 000 Fans ein. „Es ist durchaus ein außergewöhnliches Sportgerät“, meint Petra Wächter aus Waiblingen. Ziel sei, „trotz höchstmöglicher Geschwindigkeit weder zu rotieren, noch in die Bande zu geraten oder schlimmstenfalls abzusaufen“.

Der Leistungssportkanute Steven Galeski sagt, dass jeder Kürbis anders sei. „Im Grunde ist es ein Kampf gegen sich und das Material.“ Rumpf- und Beckenmuskulatur seien besonders gefordert, sagt der Ludwigsburger Maximilian Güth. Von den vielen Zuschauern angefeuert zu werden, sei spitze.

„Nur lustig“, sagt Rebecca Sturm. Mit Kürbis auf dem Wasser sei ein unvergleichliches Gefühl. Allenfalls wie eine schlecht aufgepumpte Luftmatratze auf einem elektrischen Bullen.