Logo

ZWILLINGSBASAR

Kunden mögen Kuschelatmosphäre

Kündigt sich Zwillingsnachwuchs an, sehen werdende Eltern zwangsläufig doppelt. Doppelt sind nicht nur Überraschung und Freude, sondern auch die Kosten. Vier Familien, denen es genauso ging, haben deshalb vor zehn Jahren in Hemmingen den Zwillingsbasar ins Leben gerufen.

350_0900_1383_.jpg
Zwillinge bereiten doppelte Freude – aber auch doppelte Kosten. Foto: Benjamin Stollenberg

Ludwigsburg. Im Haus der Süddeutschen Gemeinschaft geht es zu wie in einem Bienenstock. Das Gedränge und Gewusel ist riesig. Der Lärmpegel entsprechend. Ware wird kritisch begutachtet, man feilscht. Aber auch Schwangerschaftsfreundschaften werden geknüpft und aufgefrischt. Anbieter und Käufer kommen aus einem Umkreis von fast 50 Kilometern.

„Für einen neuen Zwillingskinderwagen sind locker 1000 Euro fällig“, sagen Ruth Keck und Damaris Vöhringer. Kinder im Doppelpack gehen schwer ins Geld. Deshalb haben sie den besonderen Basar vor zehn Jahren erstmals organisiert. Kaufen darf jeder, verkaufen aber nur Zwillingseltern. Und: Schwangere mit Mutterpass bekommen eine halbe Stunde Vorsprung, damit sie im Gedränge nicht untergehen.

Für die einen ist es die Möglichkeit, günstig Kinderklamotten, Doppelbuggy und Co zu kaufen. Für die anderen eine willkommene Gelegenheit, um für Platz zu sorgen, damit zwei sperrige Roller, zwei Wiegen und zwei Autositze endlich nicht mehr im Weg stehen. Bislang habe sich noch kein Verkäufer beschwert, weil eine zweite Zwillingsgeburt anstand, lachen Vöhringer und Keck. Dass trotz aller Internet-Auktionen die Nachfrage gerade bei den Spezial-Kinderwagen im Format XXL groß ist, erklären sich die beiden Frauen so: „Man kann bei uns schauen und ausprobieren, wie das mit dem Zusammenklappen funktioniert und anschließend noch das Volumen des eigenen Kofferraums testen.“

Neben dem Kaufen steht das Gespräch im Vordergrund. Mütter und Väter von Zwillingen und solche, die es demnächst werden, tauschen sich aus. Sie trinken eine Limo oder einen Kaffee, essen zusammen ein Stück von den vielen selbst gebackenen Kuchen oder Saitenwürstle. Und bei allem Andrang: Es geht entspannt zu. Die Idee, in Hemmingen einen Zwillingsbasar zu veranstalten, kam drei Freundinnen, die alle Zwillinge erwarteten, aber kein geeignetes Gebrauchtwarenangebot in der Nähe fanden. Das Organisationsteam besteht inzwischen aus vier Familien, unterstützt von zehn weiteren ehrenamtlichen Helfern.

Die Einnahmen behalten die Verkäufer selbst. Der Erlös aus den sieben Euro Miete pro Verkauftisch und dem Verkauf von Speisen und Getränken geht an ein missionarisches Kinderprojekt in Malawi. Pro Aktion kommen immerhin an die 800 Euro zusammen.

Im Herbst und im Frühjahr gibt es diesen Hemminger Zwillingsbasar. Und da gibt es Platz für exakt 29 Verkäufer. Mehr passen einfach nicht ins Haus der Süddeutschen Gemeinschaft in der Alten Schöckinger Straße. Vier Interessenten haben dieses Mal eine Absage bekommen.

Ans Umziehen denken Keck und Vöhringer überhaupt nicht. „Die Kunden schätzen unsere Kuschelatmosphäre.“ Außerdem gibt es hier wirklich fast alles. Sogar das Zwillingsstillkissen, mit dem zwei Babys parallel bequem an die Brust gelegt werden können. Nicht im Angebot allerdings: ein zweites Paar Hände – auch wenn das wahrscheinlich sehr gefragt wäre.