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Kunden zieht es wieder in die Geschäfte

Seit zwei Wochen haben kleine Läden in Baden-Württemberg wieder geöffnet, in dieser Woche folgten nun auch die großflächigen Geschäfte. Zeit, sich dort mal umzuhören, wie der Verkauf angelaufen ist und wie die Regeln zu Hygiene und Abstand umgesetzt werden.

Egal, wie groß die Geschäfte sind – überall gelten die gleichen Regeln: Immer schön Abstand halten und bei Betreten Hände desinfizieren. Fotos: Holm Wolschendorf
Egal, wie groß die Geschäfte sind – überall gelten die gleichen Regeln: Immer schön Abstand halten und bei Betreten Hände desinfizieren. Foto: Holm Wolschendorf
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Ludwigsburg. Schnell mal etwas kaufen ist bei der Möbelkette mit gelb-blauem Logo schon im Normalzustand schwierig. Zu Zeiten von Corona ist es jedoch beinahe unmöglich. Denn bevor es überhaupt ins Gebäude reingeht, muss man bei Ikea nun Schlangenlinien laufen, die mit Gittern abgetrennt werden. Um den Besucherstrom zu entzerren, müssen die Kunden den abgesperrten Weg gehen – fast wie am Flughafen vor der Sicherheitskontrolle. Ein Mitarbeiter achtet am Eingang schließlich darauf, dass die Kunden nur mit Abstand das Gebäude betreten. Ikea bittet seine Kunden, „die ersten Tage zurückhaltend zu nutzen“. Doch davon war gestern in Ludwigsburg nur wenig zu sehen. Vor allem in der sogenannten Markthalle drängten sich viele Menschen aneinander vorbei. Dass irgendetwas anders ist, merkte man nur am Mundschutz, den alle tragen.

Um einiges ruhiger ging es gestern Nachmittag bei Media Markt im Breuningerland zu. Ein paar Kunden schauten sich die elektronischen Geräte an, in der Unterhaltungsabteilung, wo es etwa Spiele, Musik und Filme gibt, war niemand. Ab und zu gebe es jedoch schon Schlangen vor den Läden, berichtet eine Sprecherin der Media-Markt-Saturn-Gruppe. Sie bestätigte, dass sich die Kunden vor allem für elektronische Geräte interessierten. „Auch die Serviceleistungen sind gefragt“, sagt sie. In den vergangenen Wochen seien wohl einige Geräte kaputtgegangen, die nun zum Reparieren gebracht werden.

Bei Breuninger im Breuningerland gibt es nur noch einen Eingang – und zwar im untersten Stockwerk. Dort wird man aufgefordert, die Hände zu desinfizieren. Ausgänge findet man in den anderen beiden Stockwerken. Außerdem „muss jeder Mitarbeiter ein internes Online-Training zum Breuninger-Hygienestandard und den getroffenen Maßnahmen absolvieren“, heißt es in einer Pressemitteilung. Viele Kunden waren gestern Nachmittag, am ersten Tag der Wiedereröffnung, im Breuninger nicht unterwegs.

„Bei uns ist deutlich mehr los als erwartet“, sagt Conny Küchler, die Leiterin der Thalia-Filiale in der Kirchstraße. Dennoch komme es nur selten zu einer Schlange vor der Buchhandlung. Vor allem zu Zeiten des Wochenmarkts sei es bei ihnen voller. Viele Kunden hätten in den ersten Tagen nach Wiedereröffnung gesagt, dass sie den Laden vermisst haben. „So etwas ist schön zu hören“, so Küchler. Am Eingang der Buchhandlung steht Desinfektionsmittel bereit, die Spielmöbel sind gesperrt, auch die Kasse wird regelmäßig desinfiziert. Der größte Teil der Kundschaft sei sehr verständnisvoll und verantwortungsbewusst.

Die erste Woche nach Wiedereröffnung sei „verhalten“ gewesen, sagt Stephan Krieger vom Künstlerbedarf Boss. In der zweiten Woche sei es schon besser gelaufen. Die Zeit der Schließung sei kaum mehr aufzuholen, „wir erwarten ein wirtschaftlich schlechtes Jahr“, auch wenn man jetzt „fast wieder auf Normalbetrieb“ sei. Für die Kunden hat Krieger nur lobende Worte. „Die sind sehr verständnisvoll. Beeindruckend sind vor allem die Kinder. Die nehmen das ziemlich ernst.“

Bei Marc O’Polo in der Kirchstraße ist das Geschäft gleich wieder „sehr gut angelaufen“, sagt Filialleiterin Martina Tröscher. „Das liegt an unseren Stammkunden, die eben nicht im Internet bestellt, sondern auf uns gewartet haben.“ Die Maskenpflicht allerdings wirke sich spürbar aus. „Wir haben den Eindruck, die Leute gehen mit Maske nicht so gerne einkaufen.“ Dabei sei das ja der Vorteil einer Innenstadt, dass man zumindest jenseits der Ladentür die Maske absetzen könne.

Der Laden von Heiko Hiesinger in der Oberen Marktstraße ist spezialisiert auf Skateboards und Stand-up-Paddels. „Das ist zurzeit sehr gefragt“, sagt der Inhaber der Funbox. Statt Urlaub gebe es nun eben ein cooles Board. „Wir hatten in der Schließzeit auch zu kämpfen, aber die Unterstützung durch unsere Kunden war überwältigend!“ Die Funbox habe „sensationelle Kunden“, und deshalb komme man auch klar. Als geschlossen war, hat Hiesinger bestellte Ware mit dem Bulli zu den Kunden gefahren. Jetzt kommen diese wieder in den Laden.

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