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Lebenslange Haft für Poppenweiler Mörder

Gericht sieht es als erwiesen an, dass der Angeklagte die Tat geplant hat – Frau hat er mit Bratpfanne erschlagen und mit Messer traktiert

Ludwigsburg. Nach acht Verhandlungstagen hat das Stuttgarter Landgericht einen 56-jährigen Ingenieur aus Ludwigsburg wegen heimtückischen Mordes an seiner Lebensgefährtin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann die 60-Jährige zuerst mit einer Bratpfanne niederschlug, dann würgte und zuletzt mit 17 Messerstichen tötete.

Für Gericht, Staatsanwaltschaft und selbst für die Polizei war dieser Fall außergewöhnlich. Der Grund: Der angeklagte 56-Jährige hatte zunächst darauf bestanden, als Mörder und nicht als Totschläger angesehen zu werden. Bei Mord gilt lebenslange Haft, bei Totschlag eine zeitliche Strafe. Erst ganz zuletzt schwenkte der Beschuldigte um und erwähnte einen am Tattag entstandenen Streit mit dem Opfer, um damit die „Heimtücke“ (Mordqualifizierung) zu entkräften, und sagte, es sei eine Kurzschlusshandlung gewesen.

Doch dies half ihm letztlich nichts. Die Stuttgarter Richter stellten in der gestern verkündeten Urteilsbegründung fest, dass der Mann den Mord beging, indem er am frühen Morgen des 23. Juni vergangenen Jahres in der Küche des Einfamilienhauses in Poppenweiler sich für die Tötung der Lebensgefährtin zuerst eine gusseiserne Pfanne bereit legte. Als die Frau ihm dann beim Geschirrspülen den Rücken zukehrte, schlug er ihr damit mehrfach auf den Kopf. Nachdem die 60-Jährige zu Boden gegangen war, würgte er sie am Hals, um die Tötung fortzusetzen.

Heimtückisch handelte er auch, weil er sich danach noch vergewisserte, ob sie tot sei, und sein Werk dann noch mit den 17 Messerstichen in den Brustbereich beendete. Die Frau verstarb an den schweren inneren Blutungen, verursacht durch das Durchtrennen einer Schlagader und Durchstich an Herz und Lunge innerhalb weniger Minuten.

Danach rief der Mann bei der Polizei an und bezeichnete sich selbst als „Mörder“, der seine Lebenspartnerin getötet habe. Er wies später die Ermittler darauf hin, dass er sich zur Vorbereitung der Tötung zwei Tage zuvor im Internet erkundigt habe, welche rechtlichen Folgen das Gesetz bei Mord oder Totschlag sowie bei Giftmord vorschreibt.

Grund genug für das Stuttgarter Schwurgericht, ihn wegen eines heimtückischen Mordes lebenslang hinter Gitter zu schicken. Diesen Antrag hatte auch der Staatsanwalt gestellt und darauf abgehoben, dass der Angeklagte die Tat geplant habe. Die Verteidigung setzte vergeblich auf Totschlag und verlangte eine Haftstrafe von nur zwölf Jahren. Das Gericht erkannte aber im Urteil an, dass der Angeklagte durch die Aggressivität der Frau gekränkt, aber auch wütend war.

Ein psychiatrisches Gutachten hatte den 56-Jährigen zur Tatzeit als schuldfähig bezeichnet, obwohl auch der Gutachter die Frage nicht beantworten konnte, warum sich der Angeklagte selbst schwer belastete.

Der Angeklagte kann damit rechnen, mit 71 Jahren wieder in Freiheit zu kommen. Dass der 56-Jährige in der Untersuchungshaft als suizidgefährdet galt und daher die Schwurgerichtskammer beschloss, ihn zu beobachten, wies das Gericht zurück. Die Stammheimer Vollzugsanstalt hatte dies verfügt und den Häftling nach dem Selbstmord eines anderen Gefangenen (Fall Nadine E.) als gefährdet eingestuft und in das Vollzugskrankenhaus Hohenasperg verlegt. Der Angeklagte selbst behauptet, er werde sich nicht das Leben nehmen.