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Coronavirus

Leere Regale und volle Einkaufwagen

Die Sorge vor dem Coronavirus sorgt für leere Lebensmittelregale, prall gefüllte Einkaufswagen und lange Warteschlangen an den Supermarktkassen. Der Andrang am vergangenen Samstagmorgen ist deutlich größer als sonst. „Das geht seit Mitte der Woche so“, erklärt eine Mitarbeiterin in einem der beiden Einkaufszentren, in denen sich die Ludwigsburger Kreiszeitung umgeschaut hat.

Angst vor dem Coronavirus: Besonders Mehl, Speiseöl und Eier kaufen die Menschen in diesen Tagen auf Vorrat.Foto: Holm Wolschendorf
Angst vor dem Coronavirus: Besonders Mehl, Speiseöl und Eier kaufen die Menschen in diesen Tagen auf Vorrat. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Darf’s ein bisschen mehr sein? Das scheint für viele Einkäufe zu gelten, die jetzt getätigt werden. Es sind vor allem Packungen mit Mehl, Salz und Zucker, Pflanzenöl, Eiern, aber auch Konserven mit Obst und Gemüse, die sich gleich dutzendfach in einigen Einkaufswagen stapeln. Hinzu kommen Küchentücher, Toilettenpapier und vor allem Wasserflaschen. Auch Brot zum Aufbacken, Fertigpizzen und Süßigkeiten sind gefragt. Während in einem der besuchten Supermärkte einige Verkaufsregale komplett leer gefegt sind, sind in dem anderen Geschäft die Mitarbeiter emsig dabei, das Fehlende schnell nachzufüllen. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass in den nächsten Tagen vor allem Nudeln mit Tomatensoße zubereitet werden. Nur ein Regal bleibt definitiv leer – und zwar das mit den desinfizierend wirkenden Reinigungsmitteln.

Geduld und Gelassenheit sind gefragt

Einige Kunden arbeiten ihren Einkaufszettel systematisch ab, andere scheinen etwas hektisch durch die Gänge mit den vielen Menschen zu laufen. An den Kassen haben sich lange Schlangen gebildet. Wer einen Tag nach dem Bekanntwerden eines Coronafalls in Benningen nur wenige Teile kaufen will, hat schlechte Karten. Jetzt sind Geduld und Gelassenheit gefragt.

„Wir machen keinen Hamsterkauf“, erklärt dagegen Sandra Linse kategorisch. „Das ist ein ganz normaler Einkauf, ein Brot und ein Nusskuchen. Beides habe ich gerade beim Bäcker gekauft“, zeigt sie auf die beiden Tüten in ihrer Hand. Auch Ehemann Christian Linse, der lässig an dem geparkten Auto lehnt, macht keinen Hehl daraus, dass er weder von Hamsterkäufen noch von Panikmache etwas hält. Er betrachte den Virus wie eine normale Grippe, wie sie jedes Jahr auftritt. „Man sollte jetzt besonders auf die Hygiene achten und sich intensiver und häufiger die Hände waschen“, lautet sein Ratschlag. Und dass man sich mit den Händen, mit denen man zum Beispiel in der S-Bahn oder im Bus Haltegriffe und Stangen angefasst hat, nicht ins Gesicht geht, ist für ihn ohnehin und jederzeit ein Muss. Von normalem Mundschutz hält er eh nichts, es sei denn, jemand sei erkrankt und wolle niemanden anstecken.

Ganz anderer Meinung scheint die junge Frau zu sein, die wenige Minuten später mit einem Einkaufswagen vorbei hastet. Sie trägt einen Mundschutz und Einmalhandschuhe. Ja, wegen des Coronavirus, wie sie auf Nachfrage bestätigt. Drei Fälle gebe es schon im Landkreis Ludwigsburg sagt sie und hält die entsprechende Zahl Finger in die Höhe. Dass es sich bis Samstag um lediglich einen Infizierten handelt, scheint sie nicht zu wissen. Falschmeldungen scheinen sich in diesen Tagen schneller zu verbreiten als der gefürchtete Virus.

Draußen auf dem Parkplatz werden die Sachen im Kofferraum verstaut. Ob sie wegen des Coronavirus so viel eingekauft haben? Die beiden jungen Frauen, die gleich zwei dicht bepackte Einkaufwagen zu ihrem Auto schieben, lachen etwas verlegen. „Ja“, antwortet eine der beiden Frauen, und dass sie sich darauf einstellen, auch mal einige Tage nicht aus dem Haus gehen zu können, um einzukaufen. Auch wenn sich die Situation entspanne, würde man die Sachen sicherlich verbrauchen. „Wir haben eine große Familie“, erzählt die junge Frau.

„Wir kaufen mehr als normal ein, das würde für einen Monat reichen“, erklärt ein Familienvater, in dessen Einkaufswagen sich unter anderem Flaschen mit Speiseöl und Mehl stapeln. Das seien die Grundzutaten für das arabische Brot, erklärt er. Er selbst habe kein Auto und sei deshalb froh, dass seine Verwandten mit ihm zum Einkaufen gefahren seien.

„Das ist ein normaler Einkauf, aber das ein oder andere Teil habe ich zusätzlich gekauft“, sagt ein Mann, der vor allem Wasser und Apfelsaftschorle gekauft hat. „Jein“, antwortet er auf die Frage, ob er Angst davor habe, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Er habe keine Angst, beobachte die Situation aber aufmerksam, vor allem mit Blick auf seine Kinder, von denen eines in die Kita und das andere in die Schule geht. „Mal abwarten, was die Regierung macht“, verlässt sich der Familienvater auf das Krisenmanagement der Behörden.

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