Logo

MEDIZINISCHE VERSORGUNG

Letzte Rettung für Hausarztpraxen

Allgemeinmediziner haben oft Probleme, Nachfolger für ihre Praxen zu finden. Der Ludwigsburger Internist Dr. Roland Kolepke betreibt eine GmbH, mit deren Hilfe die hausärztliche Versorgung im Großraum Ludwigsburg gesichert werden soll. Elf Praxen werden bereits unter deren Dach geführt.

350_0900_15562_COKRKolepke.jpg
Roland Kolepke hat schon mehr als zehn Hausarztpraxen unter seine Fittiche genommen.Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Auch Dr. Hans-Peter Apelmann, der 37 Jahre eine Hausarztpraxis im Remsecker Stadtteil Aldingen betrieben hat, wollte gerne etwas kürzertreten. Er fand aber keinen Nachfolger. Deshalb hat der inzwischen 70-jährige Mediziner seine Praxis in Kolepkes GmbH eingebracht und ist seither Angestellter des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ). Erst kürzlich hat er die alten Räume in der Kelterstraße verlassen und ist in eine neue Praxis in der Cannstatter Straße umgezogen, die das MVZ gemietet hat. Dort arbeitet Apelmann gemeinsam mit einer jungen Kollegin, und es gibt auch noch Platz für weitere Mediziner.

In den vergangenen zwei Jahren hat Roland Kolepke in Ludwigsburg, Markgröningen, Marbach, Freiberg, Remseck und Leonberg Praxen übernommen, für die sich kein Nachfolger fand. Unter dem Dach des MVZ seien sie einfacher zu führen, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Diese Konstruktion ist zukunftsweisend“.

Der Ludwigsburger Internist ist auch Vorsitzender des Vereins, der die Notfallpraxis am Ludwigsburger Klinikum betreibt. Über diese Tätigkeit sei er auf die Idee für sein Konzept gekommen, so Kolepke. In Gesprächen mit Kollegen habe er festgestellt, dass viele gute Mediziner nicht mehr bereit sind, selbstständig eine Praxis zu führen. Ihnen sei das finanzielle Risiko zu groß. Sie lehnten es ab, unternehmerisch tätig zu werden. Auch falle es manchen schwer, sich räumlich und lebensplanerisch langfristig festzulegen. Und für viele stimme schlicht und ergreifend die Work-Life-Balance nicht. Familie lasse sich mit den Arbeitszeiten in einer klassischen Hausarztpraxis, in der nach der Sprechstunde noch lange nicht Schluss sei, nur schlecht vereinbaren.

Das MVZ nehme den angeschlossenen Praxen „unangenehme Dinge wie etwa die Abrechnungskontrolle“ ab, so Kolepke. Denn alle organisatorischen Aufgaben seien ausgegliedert und würden zentral gemanagt. „Die Ärzte können sich auf ihre Patienten konzentrieren.“ Da alle Praxen gleich organisiert sind, könnten alle Mitarbeiter überall eingesetzt werden. Das erleichtere die Krankheitsvertretung und mache auch Teilzeitarbeit problemlos möglich. Für junge Eltern ebenso wie für ältere Kollegen, die auf Raten aus dem Berufsleben aussteigen wollten, sagt der MVZ-Chef.

Roland Kolepke bezeichnet eine Praxisübernahme durch seine GmbH als letzte Lösung. Wenn ein anderer Weg gefunden würde, eine Hausarztpraxis zu erhalten, sei ihm das nur recht. „Ich habe immer nur genommen, was übrig blieb“, so der Internist. Nicht jedes Mal ging das gut. Die eine oder andere Praxis musste nach einiger Zeit doch geschlossen werden. „Ich habe schon Lehrgeld gezahlt und auch mal sechsstellige Beträge versenkt“, räumt Kolepke ein. Man brauche einen langen Atem und bei Fehlschlägen müsse man gut überlegen, was man daraus lernen könne, gibt er sich pragmatisch.

Hans-Peter Apelmann ist davon überzeugt, dass es in Aldingen einen Versorgungsengpass gegeben hätte, wenn sein Kollege Kolepke nicht eingesprungen wäre. Auch der Vorsitzende der Ärzteschaft Ludwigsburg, Dr. Michael Friederich aus Markgröningen, spart nicht mit Lob: „Roland Kolepke betreibt einen Hochleistungsjob. Wir sind froh, dass wir ihn haben. Er hat Pionierdienste geleistet.“ Ein MVZ sei eine sinnvolle Möglichkeit, die ärztliche Versorgung in der Fläche zu erhalten. Allerdings seien die Ärzte Angestellte und wechselten daher öfter, nennt Friederich auch einen Nachteil des Konzeptes. Vor allem chronisch kranke Patienten bevorzugten in der Regel einen festen Ansprechpartner. Es werde oft unterschätzt, wie wichtig die Verbindung zum Arzt sei. Vorrangiges Ziel sollte es für jeden Hausarzt deshalb sein, einen Nachfolger für seine Praxis zu finden. Und das könne auch gelingen, gibt sich Friederich optimistisch. Die Einzelpraxen stünden nicht alle unweigerlich vor dem Aus.

Praxisverbünde gibt es laut dem Vorsitzenden der Ludwigsburger Ärzteschaft im Landkreis auch schon in Vaihingen und im Bottwartal.