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Tarifeinigung

Lohnplus für Nestlé-Mitarbeiter

Einkommen steigen in einem Gesamtvolumen von 5,6 Prozent – Verhandlungen um Sozialplan für Ludwigsburger Werk

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Aus für einen traditionsreichen Standort: Die Produktion des Caro-Malzkaffees von Unifranck wird nach Portugal verlagert. Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Wenigstens ein Lichtblick für die Mitarbeiter des Ludwigsburger Nestlé-Werks: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat für sie ein Einkommensplus durchgesetzt. Getrübt wird die Freude darüber, dass bis zum Jahresende die Schließung des Werks droht. Die Lohnerhöhung im Gesamtvolumen von 5,6 Prozent gilt für Nestlé-Standorte in Ludwigsburg und Singen. Rund 100 Beschäftigte arbeiten in Ludwigsburg in der Caro-Ersatzkaffee-Herstellung. In Singen sind knapp 800 Mitarbeiter in der Maggi-Produktion beschäftigt.

Gewerkschaft: Ein gutes Ergebnis

Wie Uwe Hildebrandt, Verhandlungsführer und Vorsitzender des NGG-Landesbezirks Südwest, gestern mitteilte, ist der Tarifabschluss mit dem Arbeitgeberverband der Ernährungsindustrie am vergangenen Dienstag zustande gekommen. Hildebrandt bewertete die Einigung als ein gutes Ergebnis. Es sei gelungen, die Beschäftigten an der allgemeinen Tarifentwicklung teilhaben zu lassen. Die Warnstreiks und die vielfältigen Aktionen der Mitarbeiter in Ludwigsburg und Singen hätten die Basis für den guten Tarifabschluss gelegt. Die vom Konzern geforderten Eingriffe in den Manteltarifvertrag wie Kürzungen beim Weihnachts- oder Urlaubsgeld sowie Mehrarbeit ohne Lohnausgleich hätten abgewendet werden können, sagte Hildebrandt. Die Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen erhöhen sich nach Angaben des NGG-Landeschefs rückwirkend zum 1. August dieses Jahres um drei Prozent. Zum 1. Juli 2019 gibt es eine Anhebung um weitere 2,6 Prozent. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 24 Monaten. Er kann frühestens zum 31. Mai 2020 gekündigt werden.

Die Belegschaft des Ludwigsburger Nestlé-Werks bangt unterdessen um ihre Arbeitsplätze. Als Mitte Juni der Schweizer Konzern das Aus für den Traditionsstandort verkündete, war der Schock groß. Für die Arbeitnehmervertretung kam die Nachricht zu diesem Zeitpunkt völlig überraschend. „Die Ludwigsburger Nestlé-Mitarbeiter kämpfen jetzt um einen Interessensausgleich und einen Sozialplan“, erklärte Hildebrandt. Derzeit liefen die Verhandlungen. Alles sei noch in der Schwebe. Der Unmut über die geplante Schließung sei nach wie vor groß. Für ein Aus gebe es keine Notwendigkeit bei einem Konzern, der unterm Strich im vergangenen Jahr einen Gewinn von 7,2 Milliarden Franken (6,5 Milliarden Euro) gemacht hat, betonte Hildebrandt.

Produktionsverlagerung nach Portugal

Die Caro-Kaffee-Produktion soll von Ludwigsburg nach Portugal verlagert werden. Von Unternehmensseite wird das Aus für Ludwigsburg damit begründet, dass der Standort nicht ausgelastet und nicht profitabel sei. Dem widerspricht die Arbeitnehmerseite. Das Werk in Ludwigsburg habe immer Geld verdient, zudem seien regelmäßig Überstunden geleistet worden. Nach Einschätzung des Betriebsrats ist eine Verlagerung nach Portugal deshalb geplant, weil dort die Lohnkosten niedriger sind und Nestlé noch mehr Profit machen wolle. Der Konzern habe eine Zielmarke von 18,5 Prozent Rendite angepeilt.

Mit dem möglichen Aus des Nestlé-Werks würde Ludwigsburg in der Nähe des Bahnhofsgeländes einen Traditionsstandort verlieren. Vor 150 Jahren hatte dort die Unternehmerfamilie Franck mit der Produktion von Zichorienkaffee begonnen. Seit Mitte der 1960er Jahre firmierte das Unternehmen unter dem Namen Unifranck. 1971 wurde Unifranck von Nestlé übernommen.