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Lucas Reuter vom Forum Ludwigsburg hofft auf die nächste Spielzeit

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Ludwigsburg. So weit ist es im Laufe dieser Coronapandemie schon gekommen: Bald ist es ein Jahr her, dass sich Lucas Reuter, künstlerischer Leiter des Forums, vorsichtig optimistisch zeigte und seine Planungen für eine weitgehend normale neue Saison präsentierte. Nun ist bereits die nächste Spielzeit 2021/22 auf dem Papier in trockenen Tüchern – trotz einer über die Monate gewachsenen Skepsis. „Ich hoffe, dass die Planung auch umgesetzt werden kann“, sagt Reuter. „Dazu gibt es keine Alternative, keine besonderen Formate, keine Pläne B, C, D oder E.“ Schließlich sei momentan viel zu ungewiss, was kommen werde. „Die Situation ist, wie sie ist: Nicht einfach – aber ich lasse mich davon auch nicht runterziehen.“

Schon vor Wochen sei klar gewesen, dass noch bis Ende März Stillstand im Spielbetrieb herrschen würde. Doch ob es ab Ostern weitergehen könne, sei auch nach dem Bund-Länder-Treffen der Politik am vergangenen Mittwoch völlig unklar. „Es gibt keine Entwicklung.“ Er sei keiner, der fordere, einfach die Kulturinstitutionen zu öffnen, betont Lucas Reuter. Doch die Kommunikation der Politik in der Krise sei alles andere als ideal. „Es fehlen klare Strategien, die Situation so zu verbessern, dass die nächste Spielzeit nicht wieder verloren geht“, sagt er. „Das Ziel muss sein, eine vollständige Saison 2021/2022 zu haben.“

Vom Programm der nächsten Monate, da macht sich der Forum-Leiter keine Illusionen, wird wohl wenig übrig bleiben, so oder so. Das Konzert der brasilianischen Sängerin Adriana Calcanhotto am 17. April etwa werde wohl ausfallen – allein schon wegen der Anreise. Schulveranstaltungen: Unwahrscheinlich – die Lehrer haben vermutlich erst mal andere Dinge im Kopf. Im Mai und Juni laufen die Schlossfestspiele, weshalb das Forum – nicht als Spielstätte, aber als Veranstalter – wie üblich eine Pause einlegt. Im Juli könnte noch ein Minifinale mit dem Züricher Ballett, der Violinistin Julia Fischer und Strauss’ Musiktheater „Elektra“ stattfinden – wenn auch möglicherweise in modifizierter Form. Sprich: kleiner, einfacher, kürzer.

Das Forum steht dabei angesichts seiner Kapazität von 1200 Plätzen wieder vor dem alten Corona-Dilemma: Die Abstände an sich sind zwar kein Problem, gleichzeitig lohnen sich die Veranstaltungen in der Regel erst ab einer Besucherzahl von rund 500. Falls also im Laufe der Sommermonate wie im vergangenen Jahr seitens der Politik entschieden wird, zunächst nur bis zu hundert Zuschauer zuzulassen oder wieder die gleichen Abstände zu verordnen wie vor dem Lockdown, ist das Forum erst mal aus dem Spiel. Kleinere Locations wie das Scala auf der anderen Straßenseite haben es da etwas einfacher.

Mit Blick auf digitale Formate für eigentlich regulär geplante Veranstaltungen ist Lucas Reuter zwiegespalten, zumal auf lange Sicht. „Den Großteil eines Spielplans ins Digitale zu versetzen, macht keinen Sinn“, sagt er. „Es ist kein gleichwertiger Ersatz.“ Das sei eine wichtige Erkenntnis aus der Pandemie: „Wir, die Kulturschaffenden, müssen keine Angst vor der Digitalisierung haben. Sie wird das Theater- und Konzertleben weder beeinträchtigen noch ersetzen.“ Gleichzeitig hat das Forum in den vergangenen Monaten gemeinsam mit dem SWR und der Bachakademie vereinzelt Aufzeichnungen für Streaming-Angebote realisiert. Und der nächste Termin steht bereits: Am 6. März wird das Konzert der Gaechinger Cantorey mit Haydns Sinfonie f-Moll „La Passione“ und sein Stabat Mater gezeigt ( www.bachakademie.de) – aufgezeichnet am 26. Februar im Forum. „Ich bin sehr froh darüber und finde es richtig, diese Aktivitäten zu haben“, betont Reuter. „Damit wird das kulturelle Leben ein Stück weit erhalten und wenigstens ein paar freiberufliche Künstler stehen in Lohn und Brot, nebenbei profitieren auch die Hotels davon.“ Mit dem ausgeklügelten Hygienekonzept und den Coronatests sei das Forum bereits im Herbst immer gut gefahren. „Wir hatten keine einzige Infektion.“

Aus dem Förderprogramm „Neustart Kultur“ der Bundesregierung hat das Forum kürzlich 200000 Euro für den kommenden Herbst erhalten, um auch geringer ausgelastete Vorstellungen zu realisieren und den Künstlern angemessene Gagen zu zahlen. Los geht es am 16. Oktober mit „Don Juan“ des Ensembles Aterballetto – eine Produktion, die noch vor wenigen Wochen nicht stattfinden konnte.

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