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CORONA

Ludwigsburg will Handel und Gastro Geld geben

„Eine lebendige, attraktive Innenstadt lebt von tollen Einkaufsmöglichkeiten, schönen Cafés oder Restaurants. Wenn wir diese nicht mehr haben, wird es schwierig, und das macht uns große Sorgen“, sagt Oberbürgermeister Matthias Knecht. Weil viele in Folge der Coronapandemie in ihrer Existenz bedroht seien, plant Knecht eine finanzielle Soforthilfe. Heute Abend will er das Konzept den Gemeinderäten vorstellen.

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Foto: Holm Wolschendorf

Stadt Ludwigsburg. „Wir müssen als Stadt ein Zeichen setzen“, sagt Knecht im Gespräch mit unserer Zeitung. Er wird am Dienstagabend den Stadträten im Verwaltungsausschuss vorschlagen, jedem Innenstadthändler und -Gastronom einen Einmalbetrag von zirka 5000 Euro zu bezahlen. „Das muss kurzfristig und unkompliziert gehen.“ Knecht rechnet mit einer Gesamtsumme von 200 000 bis 500 000 Euro und setzt darauf, dass Bund und Land diese Kosten zumindest zu einem Teil rückerstatten. Diese politische Forderung habe auch der Deutsche Städtetag an die Politik gestellt. „Das ist ein Risiko, wir würden in Vorleistung gehen“, ist sich Oberbürgermeiste Knecht bewusst. „Aber wir würden auch vielfach darunter leiden, wenn uns nach der Coronapandemie der halbe Handel wegbrechen würde.“

Eine lebendige Innenstadt lebt von tollen Einkaufsmöglichkeiten

Inzwischen würde es bei vielen Händlern und Gastronomen um die Existenz gehen. Die Folgen für die Innenstadt könnten immens sein. Das Szenario von den aussterbenden Innenstädten ist nicht neu. Da spielt der Boom des Onlinehandels eine große Rolle, der in den vergangenen Monaten mehr Fahrt aufgenommen hat, als dem stationären Handel lieb sein kann. Da spielen aber auch hohe Innenstadtmieten eine Rolle. Vom Wandel der Innenstädte ist die Rede. Von mehr Grün. Mehr Aufenthaltsqualität. Aber auch mehr Gewerbe, mehr Dienstleistung und mehr Wohnen.

Noch hat es Ludwigsburg geschafft, sich seine eigene Identität und Attraktivität zu erhalten. Nicht zuletzt durch Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt, die Antikmeile, die Venezianische Messe aber auch den Wochenmarkt. Seit Corona ist vieles anders. Die Stabilität des Innenstadthandels bröckelt und damit gerät die ganze Stadt ins Wanken.

Die finanzielle Unterstützung, die der Oberbürgermeister nun ins Spiel bringt, ist ein Baustein von vielen. Auch bei Immobilienverkäufen in der Innenstadt will die Verwaltung künftig die Hand drauf haben. Andere Städte haben bereits ein Vorkaufsrecht für Cityimmobilien.

Stadt stundet Mietzahlungen oder verzichtet teilweise darauf

Den Mietern und Pächtern von städtischen Gewerbeimmobilien greift die Stadt bereits unter die Arme: Sie können eine Stundung der Miete für die Zeit des jetzigen Lockdowns bei der Stadtkämmerei beantragen. Wenn die Gewerbemieter nachweisen, dass ihre Hilfeleistungen, die sie von Bund oder Land erwarten, abschlägig beschieden werden oder zu gering ausfallen, ist sogar ein Mieterlass . Knecht appelliert diesbezüglich auch an die privaten Vermieter: „Bitte unterstützen Sie Ihre Mieter in Gewerbeimmobilien, die von der Pandemie betroffen sind und durch schwere Zeiten gehen.“

Auch die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) engagieren sich. „Natürlich unterstützen auch wir den Einzelhandel und die Gastronomie in Ludwigsburg und in Kornwestheim, wo wir können, um diese schwierige Situation zu überstehen“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Christian Schneider. So gebe es Gutschriften auf die Jahresrechnung sowie Anpassungen des Abschlagsbetrags und Stundungen. Informationen und genaue Richtlinien zur Erlangung der SWLB-Corona-Hilfen sind auf der Stadtwerke-Seite www.swlb.de/SWLB-Corona-Hilfe veröffentlicht.

So machen es andere Städte:

Schon vor der Coronakrise haben manche Städte einen Richtungswechsel eingeschlagen, um auf die Veränderung in den Innenstädten zu reagieren. Wir stellen ein paar Beispiele vor:

Lübeck hat einen Teil des Rathauses in die Einkaufspassage verlegt, nämlich den Teil mit Publikumsverkehr. Den neuen Personalausweis beispielsweise kann man in der Mall abholen. So soll der Gang zum Rathaus unkomplizierter und niedrigschwelliger werden. Vielmehr soll er zu einer Art Erledigung werden wie das Einlösen eines Rezepts in der Apotheke.

In Osnabrück hat ein Kaufhaus ein großes Bad mit stehender Welle zum Surfen integriert. Das zieht ein völlig neues Publikum in die Innenstadt. Das ist so, als gäbe es im Erdgeschoss des Marstall ein großes Becken, in dem mit Wasserstrudeln eine stehende Welle erzeugt würde. Von der oberen Etage könnten Passanten und Publikum auf die Wasser-Akrobaten auf dem Board herunterschauen. Innenstadt wird auf diese Art und Weise völlig neu interpretiert.

Die Stadt Hanau (100000 Einwohner) hat die ganze Innenstadt mit einer Vorkaufsrechtsatzung überzogen. Bei jeder Immobilie, die in der Innenstadt verkauft wird, prüft die Stadtverwaltung die geplante Nutzung und deren Auswirkung auf das Umfeld. Kommt die Verwaltung zu dem Schluss, dass das, was geplant ist, der Innenstadt nicht zuträglich ist, hat sie die Option, die Immobilie zu kaufen. Mit dem Vorkaufsrecht sollen Nutzungen ermöglicht werden, die es auf dem freien Markt schwer hätten. So gibt es Raum für Pop-up-Läden und Gründer. Ähnliches hat die Stadt Ludwigsburg in den 90er Jahren mit dem Gründerzentrum für die Medienbranche gemacht.

Auch der Kneippkurort Freudenstadt hat über die städtische Wirtschaftsförderung Pop-up-Stores in der Innenstadt etabliert, damit mehr Menschen in die Innenstadt kommen und das Warensortiment abwechslungsreicher wird. Hier haben wechselnde Unternehmen die Chance, sich zu präsentieren, so zum Beispiel eine Seifenmanufaktur, eine Nusswerkstatt oder eine Marzipan- und Schokoladenmanufaktur.

Dasselbe Konzept mit wechselnden Pop-up-Stores gibt es in Berlin im Bikini Berlin.

Die Stadt Ahaus im Münsterland hat den Wunsch der Kundschaft, online einkaufen zu können, vorbildlich verstanden und in ihre Wirtschaftsförderungs-Strategie eingebaut. Dort gibt es seit einem Jahr ein digitales Stadtquiz. Die Idee: Jeden Abend um 20.40 Uhr müssen die Bürger in einer App Fragen zur Stadt, zur Geschichte, zum kulturellen Leben oder Ähnlichem beantworten. Zu gewinnen gibt es Einkaufsgutscheine, einzulösen bei jedem Unternehmen in der Stadt. In der Coronakrise müssen die binnen 72 Stunden eingelöst werden.

Aktion von Luis und LKZ:

Um den stationären Einzelhandel zu unterstützen, startet unsere Zeitung gemeinsam mit dem Ludwigsburger Innenstadtverein Luis eine Aktion unter dem Motto „Rette deine Innenstadt“. Zwischen dem 5. und 14. Februar werden Produkte von Ludwigsburger Händlern versteigert. Infos dazu gibt es auf der Internetseite von Luis (www.luis-ludwigsburg.de).

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