Logo

Ludwigsburger Händler schreiben Brandbrief an die Landesregierung

Citymanager Markus Fischer. Foto: Ramona Theiss
Citymanager Markus Fischer. Foto: Ramona Theiss
Die Ludwigsburger Innenstadtakteure sind am Ende ihrer Kraft. Zwei Jahre Pandemie haben ihre Spuren hinterlassen. In einem vom Ludwigsburger Innenstadtverein Luis aufgesetzten Brandbrief an die Landesregierung machen Händler, Gastronome und Dienstleister ihrem Ärger Luft und fordern von der Politik Unterstützung.

Ludwigsburg. Erst am Dienstag hat der Gemeinderat ein Hilfspaket für die Ludwigsburger Innenstadt beschlossen. Am Mittwoch fiel in ganz Baden-Württemberg die 3G-Regel im Einzelhandel. Trotzdem hat Luis seinen Brief am Mittwoch nach Stuttgart geschickt.

Finanzielle Rücklagen aufgebraucht und fehlende Perspektiven

Ausschlaggebend war eine Luis-Beiratssitzung vergangene Woche. Wie immer, ging es da auch um ein Stimmungsbild bei den Innenstadtakteuren. „Bislang war es immer so, dass irgendwas Positives noch mitschwang. Aber das hat jetzt völlig gefehlt“, sagt Citymanager und Luis-Vorstand Markus Fischer. Stattdessen sei die Rede von „Frust, fehlenden Perspektiven, erreichten Grenzen, aufgebrauchten finanziellen Rücklagen, nicht mehr vorhandenes Verständnis hinsichtlich der Corona-Verordnungen“ gewesen. 99 Prozent der Kunden und Gäste hätten Verständnis für die jeweils geltenden Regeln. Doch es gebe auch beunruhigende Rückmeldungen: „Lass uns vor die Tür gehen, dann polieren wir dir die Fresse!“, zitiert Fischer einen Gastronom, der bei einem Gast das Impfzertifikat prüfen wollte.

„Dazu wird das Ganze noch getoppt vom Unverständnis, dass einige Akteure die Soforthilfen von 2020 zurückzahlen müssen, da die Berechnungsgrundlagen vollkommen unverständlich sind“, heißt es in dem Brief.

Förderprogramme der Politik haben nichts mit Lebenswirklichkeit der Akteure vor Ort zu tun

„Wir haben das Gefühl, dass die, die in der Politik die Entscheidungen treffen, sich überhaupt nicht ausmalen können, was das konkret vor Ort bedeutet“, so Fischer. Das Hilfspaket, das die Stadt Ludwigsburg gemeinsam mit dem Gemeinderat geschnürt habe, sei „grandios“, erklärt Fischer. Überhaupt erfahre die Innenstadt eine starke Unterstützung durch die Stadt. Die Initiativen der Landesregierung hingegen seien „an der Realität vorbei“. Als Beispiel nennt er Landesprogramme zur Digitalisierung. Da sei die Rede von „künstlicher Intelligenz“ oder „Smart Services“, dabei bilde das weder die Lebenswirklichkeit der Händler vor Ort ab noch deren Bedürfnisse.

Keine einheitlichen Regeln

Mehr noch als an realistischen Förderprogrammen ist den Innenstadtakteuren jedoch an einheitlichen und verständlichen Regeln gelegen. „Wir erleben es in unserer täglichen Arbeit, welche Verwirrung jede neue Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg mit sich bringt. Die damit verbundenen Kommunikationsdesaster haben langfristige, negative Wirkungen“, heißt es in dem Schreiben an die Landesregierung.

Noch, so sagt der Citymanager, könne das „Ruder rumgerissen“ werden. „Aber es darf keinen Rückschlag mehr geben.“ Die Händler, Gastronome und Dienstleister hätten ihre Rücklagen aufgebraucht, jetzt sei es wichtig, die Notreserven wieder aufzufüllen. Jetzt gehe es um Perspektive. „Was wird im nächsten Winter sein?“ Die Innenstadtakteure fordern von der Politik deutliche Signale. „Ein Winterlager wird nicht im Oktober gefüllt, sondern weit im Voraus.“

In ihrem Brandbrief appellieren dessen Initiatoren, noch vorhandene Strukturen in den Innenstädten zu unterstützen und „vermeintlich banale Dinge“ zu fördern wie zum Beispiel einen verkaufsoffenen Sonntag. Am allerwichtigsten jedoch: „Geben Sie den Akteuren Planungssicherheiten!“

„Wollen uns irgendwann wieder in den Innenstädten treffen“

Noch sei die Ludwigsburger Innenstadt attraktiv, erklärt Fischer. Noch gebe es Interessenten, die gerne mit ihrem Angebot nach Ludwigsburg kommen. Wenn dies aber einmal nicht mehr der Fall sein sollte, dann werde es schwer, eine verödete Innenstadt wieder zum Leben zu erwecken. „Wir brauchen überall funktionierend Innenstädte, weil wir uns da irgendwann mal wieder treffen wollen.“

In Ludwigsburg, so betont Fischer, sei man gut aufgestellt. „Aber das haben wir der Stadt zu verdanken und nicht der Landesregierung.“ Das vor wenigen Tagen beschlossene Hilfspaket sieht zum Beispiel Mietstundungen in städtischen Immobilien vor, eine Gutschein- und Treueaktion für die Kunden sowie einen verkaufsoffenen Sonntag anlässlich des Pferdemarkts.