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Ludwigsburger Verwaltungsspitze kritisiert Landesregierung heftig: „Die Schnellteststrategie ist unzureichend“

Ungewöhnlich scharf hat die Ludwigsburger Verwaltungsspitze die Landesregierung für ihre Strategie in Sachen Corona-Schnelltests kritisiert. Ludwigsburg hat selbst schon Vorbereitungen für Schnelltests an Kitas getroffen und setzt auf mobile Testteams, das Land aber will ab 22. Februar Kita- und Schulmitarbeiter in Arztpraxen und Apotheken testen. In einem Schreiben an das Land pocht die Stadt auf die Erstattung der Kosten. Ein Kompromiss zeichnet sich nun mit den Testkits ab, die das Land zur Verfügung stellen will.

Die Schnelltests müssen von medizinischem Personal durchgeführt werden.Foto: dpa
Die Schnelltests müssen von medizinischem Personal durchgeführt werden. Foto: dpa

Ludwigsburg. Das Land will nach den Faschingsferien zwei Antigen-Tests pro Woche für das Personal in den Kindertageseinrichtungen und Schulen ermöglichen. Das soll über Apotheken und niedergelassene Ärzte abgewickelt werden. Die Stadt Ludwigsburg reagiert auf diese Planungen in ungewöhnlicher Direktheit: „Das hat bisher schon nicht funktioniert und wird ab 22. Februar auch nicht funktionieren“, moniert Erster Bürgermeister Konrad Seigfried. Wie berichtet, war die Stadt Ludwigsburg schon Anfang Februar vor der Erklärung des Landes in die Offensive gegangen und hatte für diesen Zeitpunkt eigene Reihentests für ihre Mitarbeiter mit mobilen Testteams angekündigt. Laut Seigfried hat die Stadt bereits geeignete Anbieter an der Hand.

Seigfried: MHP Arena als Teststelle keine „denkbare Variante“

Im Gespräch mit der LKZ hatte Seigfried schon früh heftige Zweifel an der Strategie des Landes angekündigt, die nicht auf mobile Testteams, sondern auf Schnelltests in Arztpraxen und Apotheken setzt. Antigen-Tests über Hausärzte und Apotheker seien „suboptimal“, sagte er, der Stadt als Arbeitgeber bleibe es überlassen, die Schnelltests zu organisieren. Zwar käme auch die MHP Arena mit der Teststelle des Landkreises infrage (siehe rechts), „allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass das für alle Mitarbeiter der Kindertageseinrichtungen im gesamten Landkreis eine denkbare Variante wäre“, so Seigfried. „Wir favorisieren eine mobile Testung vor Ort in den Kitas.“ Mit eingeschlossen sind auch die städtischen Mitarbeiter der Schulkindbetreuung in den Grundschulen.

Nachdem sich Sozialminister Manne Lucha (Grüne) und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) darauf geeinigt hatten, die Tests auszuweiten, legten sie jetzt Details vor. Damit könnte sich die Strategie der Stadt mit den Landesplänen durchaus vereinen lassen. Neben den Schnelltests in Apotheken und Praxen sollen Kommunen die Möglichkeit bekommen, mit Testkits aus der Notreserve des Landes eigene Testangebote für Schulen und Kitas einzurichten.

Landesregierung will 50 Millionen Euro für Tests investieren

Insgesamt sollen landesweit mehr als 260000 Beschäftigte in Schulen, Kitas und anderen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen zweimal pro Woche getestet werden. Dafür will das Land bis zu den Osterferien 50 Millionen Euro einsetzen. Die Stadt Ludwigsburg rechnet laut Seigfried mit monatlichen Kosten von 50000 Euro allein für die städtischen Kitas mit rund 300 Mitarbeitern, das wären 2400 Schnelltests im Monat.

„Die Schnellteststrategie des Landes für das Personal an Schulen und Kitas unzureichend“, so die Stadt. Gleichzeitig haben Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht und Konrad Seigfried die Minister Eisenmann und Lucha aufgefordert, den Kommunen die Kosten für mobile Testteams in Kitas und Schulen zu erstatten. Die Tests sind wie bisher auch freiwillig und sind laut Seigfried bisher kaum angenommen worden. „Wenn wir jetzt Schulen und Kindergärten wieder öffnen, brauchen wir ein Angebot in den Schulen und in den Kindergärten.“ Dort könne nach seiner Einschätzung ohne Aufwand für die Betroffenen getestet werden. „Nur so entsteht Sicherheit für Kinder, Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer. Und nur so können wir das Pandemiegeschehen wirkungsvoll beeinflussen“, ist der Erste Bürgermeister überzeugt.

Am gestrigen Sonntag stand die 7-Tage-Inzidenz der Stadt Ludwigsburg auf 36,3, nach 38,5 am Samstag. Aktuell mit Covid19 infiziert sind 63 Menschen. Die Inzidenz im Kreis sank am Sonntag von 37 am Samstag auf 36,8, im Land sind es 48,4. Für die Zukunft wird viel Hoffnung auf den Antigen-Test zu Hause gesetzt. Dessen Zulassung wird vom zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte für März erwartet. In der Zwischenzeit setzt Ludwigsburg auf seine Teststrategie mit mobilen Teams. Konrad Seigfried: „Solange Selbst-Schnelltests nicht zugelassen sind, ist das die geeignete Maßnahme. Diese kann von den Selbsttests abgelöst werden, wenn diese zugelassen und auf dem Markt sind. Aber auch dann erwartet die Stadt eine Kostenübernahme durch das Land“, sagte er am Freitag.

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