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Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht im Gespräch: „Wir wollten den Weihnachtsmarkt retten“

Die Absage des Ludwigsburger Weihnachtsmarktes hat die Bürger und Händler ins Herz getroffen. Wir haben mit Oberbürgermeister Matthias Knecht und dem Geschäftsführer des Eigenbetriebs Tourismus&Events, Mario Kreh, über diese Entscheidung gesprochen.

Geschlossene Bude. Der Weihnachtsmarkt ist abgesagt. Foto: Ramona Theiss
Geschlossene Bude. Der Weihnachtsmarkt ist abgesagt. Foto: Ramona Theiss
Matthias Knecht .Archivfoto: Ramona Theiss
Matthias Knecht . Foto: Ramona Theiss
Mario Kreh. Archivfoto: LKZ
Mario Kreh. Foto: LKZ

Ludwigsburg. Herr Knecht, gab es wirklich keine Alternative zur Absage des Weihnachtsmarktes?

Matthias Knecht: Wir hatten übers Wochenende mit allen Mitteln versucht, den Weihnachtsmarkt zu retten. Wir wollten nicht aufgeben, sonst hätten wir ja auch schon am Freitag absagen können. Aber wir haben gemerkt, dass wir mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen an Grenzen stoßen, dass der Weihnachtsmarkt dann nicht mehr attraktiv ist, weder für die Menschen vor noch in den Buden. Am Montag hatten wir dann keine andere Wahl. Die Infektionslage hatte sich dramatisch verschlechtert.

Kliniken-Chef Professor Martin sagte wörtlich zu mir: „Wir sprechen nicht über Triage, aber über Priorisierung. Und wir stehen kurz davor, dass wir einzelnen, dringlichen Fällen nur noch Suboptimalmedizin anbieten können.“ Wie hätten wir da einen Weihnachtsmarkt abhalten können?

Mario Kreh: Und selbst wenn wir den Markt am Freitag abgesagt hätten, wäre ein Schaden, insbesondere fürs Kunsthandwerk, schon entstanden. Wir waren bereits über der roten Linie.

Hätte man nicht versuchen können, den Markt unter 2G-plus-Bedingungen zu veranstalten?

Kreh: Selbst bei 2G-plus hätten wir den Markt am Mittwoch dieser Woche schließen müssen. Ab da hieß es, dass nur noch maximal 50 Prozent der sonst üblichen Besucherzahl auf den Platz kann. Es hätte bedeutet, dass wir die Fläche hätten einzäunen müssen. Das geht aber nicht in der Asperger Straße und in der Kirchstraße.

Lesen Sie hier Händlerstimmen zur Absage des Weihnachtsmarkts

Bekommen die Standbetreiber ihre bereits bezahlte Standgebühr zurück?

Kreh: Das steht außer Frage, das ist bereits in die Wege geleitet.

Wird es auch sonst eine Entschädigung geben?

Knecht: Wir haben bereits unsere Bundes- und Landtagsabgeordneten angesprochen und sind mit dem Deutschen Städtetag im Austausch, um eine allgemeine Entschädigung auf den Weg zu bringen. Wir sehen Bund und Land in der Erstverantwortung. Eine Entscheidung aus Ludwigsburg gibt es dazu noch nicht.

Wie können Sie den Händlern helfen?

Knecht: Wir haben bereits einen Onlineshop auf die Beine gestellt, in dem die Händler ihre Waren anbieten können. Außerdem sind wir mit Kantinen und Wohlfahrtsverbänden im Gespräch für die verderblichen Waren. Gerne hätten wir auch Pop-up-Stores angeboten, aber leider haben wir dafür keine verfügbaren Flächen in der Stadt. In Stuttgart können die Händler ihre Stände teils in der Königstraße aufbauen. Auch das geht bei uns leider nicht, weil die Kirch- und die Seestraße zu schmal sind. Da bekommen wir ein Sicherheitsproblem. Wir sind aber noch dran und versuchen, doch noch eine Verkaufsmöglichkeit zu schaffen.

Apropos Stuttgart, Ihr Amtskollege Nopper hat Ludwigsburg für die Absage des Marktes in Stuttgart verantwortlich gemacht. Ärgert Sie das?

Knecht: Wir hatten am Montag mehrmals miteinander telefoniert und uns eng abgestimmt. Er wollte den Markt unbedingt ermöglichen. Aber das ist dann wie ein Dominospiel: Wenn einer anfängt, fallen die anderen nach und nach.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn am Samstag wahrscheinlich wieder Tausende zum Fußball ins Stadion gehen?

Knecht: Gewisse Regeln werden bei uns als Stadt, aber auch bei den Menschen nicht mehr verstanden. Diese Ungleichheit der Regelungen ist unglücklich.

Worauf steuern wir zu? Auf was müssen wir uns jetzt noch einstellen? Allgemeine Maskenpflicht? Lockdown?

Knecht: Noch haben wir die Möglichkeit, die Sache zu kippen. Ich kann nur an alle appellieren, sich impfen zu lassen oder eine Auffrischungsimpfung zu erhalten. Ich hoffe, dass wir einen kompletten Lockdown nicht brauchen!

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