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Ludwigsburgs Protestanten diskutieren über die Homo-Ehe

Bis ein Konsens gefunden ist, sollte es den einzelnen Kirchengemeinden überlassen sein, ob auch gleichgeschlechtliche Paare ihren Segen bekommen. Zu diesem Fazit kommen die Pfarrer Wolfgang Baur und Martin Wendte. In ihrer gestrigen Predigt in der Friedenskirche haben sie konservative und liberale Argumente ausgetauscht.

Ludwigsburg. Nein, in der Bibel ist Homosexualität kein großes Thema. An nur sieben Stellen des immerhin 800 Seiten starken Alten und Neuen Testaments wird sie überhaupt behandelt. Und so war auch der Gottesdienst der Gesamtkirchengemeinde in der Friedenskirche mit nur knapp 100 Teilnehmern recht schwach besucht.

Obwohl weder Braut noch Bräutigam in Sicht sind, spielt Bezirkskantor Martin Kalesche den weltbekannten Hochzeitsmarsch von Felix Mendelssohn Bartholdy. Das passt zur Frage: „Ehe für alle – auch in der Kirche?“ Eine endgültige und allgemeine Antwort würden und wollten sie darauf nicht liefern können, kündigten Baur und Wendte von vornherein an.

Wichtig sei, dem „Gegner“ zuzuhören statt ihn schlecht zu reden, wie sie das gerade in der Landeskirche beobachteten. Die eine Seite werfe der anderen vor, sich nicht erneuern zu wollen. Im Gegenzug werde behauptet, jedem Trend hinterherzuhecheln. Das finden die beiden unredlich. Es müsse jedem zugestanden werden, immer das Beste zu wollen. Sie fordern, einander vorurteilsfrei zu begegnen und sich auszutauschen, statt die Landeskirche vor eine Zerreißprobe zu stellen. Alles andere sei unchristlich.

Die Bibel stelle auf der einen Seite ganz klipp und klar die Ehe von Mann und Frau unter besonderen Schutz, um den Fortbestand der Menschheit zu bewahren. Und wenn überhaupt von Homosexualität die Rede ist, dann immer negativ. Homo-Ehen seien deshalb nicht „im Sinne des Erfinders“. Kirche könne nicht segnen, was die Heilige Schrift nicht gut heiße. Aus der staatlichen Anerkennung könne, kein kirchlicher Anspruch abgeleitet werden, so die Gegner.

Andererseits, so die Befürworter von kirchlichen Trauungen Gleichgeschlechtlicher, seien auch sie Schöpfungsgabe Gottes und dürften weder ausgegrenzt noch diskriminiert werden. Auch sie würden Gottes Namen tragen und hätten in jahrelanger Treue Verantwortung füreinander übernommen. Es sei eine aus Liebe geborene Partnerschaft die eine Gleichberechtigung verdiene. Es komme auf die Kernaussagen an, auf übergeordnete Werte und nicht auf die Interpretation einzelner Bestimmungen. Denn dann müsste auch die moderne Frau in Gemeindefragen schweigen.

Derzeit untersage die württembergische Landeskirche Frauen und Frauen, Männer und Männer kirchlich zu trauen, so Wendte und Baur. Die Herbstsynode soll über die für Einige existenzielle Frage entscheiden. Es müsse ein tragbarer Konsens für alle Seiten gefunden werden, fordern sie. Egal ob das zu einem Generationenprozess werde, einen gemeinsamen Weg zu finden. Bis dahin solle den Einzelkirchen die Entscheidung überlassen werden. „Kirche ist nicht wie Politik, in der um schnelle Mehrheiten gerungen wird.“

Beim Kirchenkaffee im Anschluss an den Gottesdienst wurde noch eine Weile weiter diskutiert. Dabei zeichnete sich eine eindeutige Mehrheit für eine kirchliche Trauung aller ab. Egal ob nun Mann-Mann, Frau-Frau oder Mann-Frau. „Schwule und Lesben wird die Kirche bestimmt nicht bekehren“, meinte ein Gottesdienstbesucher.